Monat: Januar 2013

Alles hat seine Zeit

mein „Wort zum Sonntag“ für die Braunschweiger Zeitung:

Alles hat seine Zeit

„Alles hat seine Zeit“ heißt es in der Bibel:
„Einpflanzen hat seine Zeit – und Ausreißen hat seine Zeit.
Weinen hat seine Zeit – und Lachen hat seine Zeit.“
Du musst es nehmen, wie es kommt. Du kannst dem Fluss der Zeit nicht entrinnen.
Das klingt ja fast schon buddhistisch und widerspricht unserem Weltbild.
Wir haben Zeit – oder wir haben keine. Aber dass die Zeit uns hat, das wollen wir nicht wissen.
Älter werden hat seine Zeit.
Wer will das hören in einer ewig jungen Gesellschaft?
Krankheit hat ihre Zeit.
Wie soll das gehen?
Alles hat seine Zeit? Wir haben ein anderes Verständnis.
In der Wirtschaft heißt es:
„Wachstum hat seine Zeit – und Wachstum hat seine Zeit.“
Und wehe, wenn nicht! Dann geht die Welt unter! Dass die chinesische Wirtschaft im vergangenen Jahr „nur“ um acht Prozent gewachsen ist, ist schon ein Alarmzeichen.
Die Werbung schreit uns den ganzen Tag an:
„Lachen hat seine Zeit – und Lachen hat seine Zeit.“
Und wenn du mal nicht lachen kannst, dann machst du etwas falsch!
Im Berufsleben haben viele Menschen das Gefühl:
„Funktionieren hat seine Zeit – und Funktionieren hat seine Zeit.“
Und wenn du nicht funktionierst, dann sieh zu, dass du dich möglichst schnell reparieren lässt.
Doch wie sollen unsere Kinder Kinder sein, wenn sie nicht mehr selbstvergessen spielen dürfen? Wie sollen unsere Jugendlichen erwachsen werden, wenn wir ihnen keine Fehler und Umwege mehr zugestehen? Und wie sollen wir in Würde alt werden, wenn wir ewig jung bleiben wollen?
Alles hat seine Zeit; auch die dunklen, traurigen Seiten des Lebens.
Eine Gesellschaft, die das nicht akzeptiert, ist krank.
Friedhelm Meiners, Pastor an St. Martini

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Heimat?

„Du bist überall Fremder“ sagt er.
„Und Heimat ist da, wo du dein erstes Glas Wasser getrunken hast.“
Heimweh ist sein steter Begleiter.