Monat: Juni 2012

Vom Fußball und vom Glauben

Das Wort zum Sonntag für die Braunschweiger Zeitung.

Vom Fußball und vom Glauben
Fußball und Glauben haben viel gemeinsam, das zum Beispiel:
Eben bist du noch so sicher, es wird klappen. Und auf einmal geht gar nichts mehr.
Fußballer versuchen das Unmögliche. Mit der Hand kannst du den Ball perfekt spielen. Handball und Basketball leben davon, jeder Fehler wird bestraft. Beim Fußball ist das anders. Fußball ist eine Aneinanderreihung von Fehlern. Eigentlich klappt selten etwas. Drei Tore in einem Spiel sind schon viel. Selbst die allerbesten können es nicht in Vollendung. Auch einem Messi unterlaufen Fehler, er verschießt den entscheidenden Elfmeter. Der Mensch ist eben nicht perfekt. Aber er versucht es, immer wieder. Und er versucht genau das, was er eigentlich nicht kann. Im Fußball wie im Glauben. Die Regeln sind sehr einfach. Aber es fällt so schwer, sie richtig auszulegen und vor allem: sich dran zu halten. War der wirklich im Abseits? War das jetzt ein Foul oder ein ganz normaler Zweikampf? Muss der vom Platz oder reicht eine Verwarnung?
Fußballer versuchen das Unmögliche: den Ball mit dem Fuß spielen.
Glaubende versuchen das Unmögliche: das Leben deuten, ihm einen Sinn geben; sich nicht nur auf das verlassen, was sie sehen und mit dem Verstand begreifen.
Du riskierst viel, machst dich auch schnell mal lächerlich. Perfekt ist es selten; aber wenn, dann sind das die großen, unvergesslichen Momente des Lebens.
Jeder kann mitspielen, jeder kann mitreden, natürlich. Aber wer es selbst mal versucht hat, lernt Demut. Es ist so schwer. Eigentlich unmöglich.
Und irgendwann ist das Spiel vorbei. Aber es war ja nicht das letzte. Wir werden es wieder versuchen. Freuen wir uns drauf.
Friedhelm Meiners, Pastor an St. Martini

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"Erziehung"

„Übrigens ist es nach den neuesten Erkenntnissen auch überhaupt nicht so, dass Kinder Supermamas brauchen. Man muss die Kinder nicht die ganze Zeit mit Wissen füttern, man muss ihnen auch nicht sechs Sprachen beibringen. Das meiste von diesem Zeug hilf überhaupt nicht. Man muss einfach nur gut genug sein. Zugänglich, aufmerksam. Im Grunde das tun, was sich natürlich und richtig anfühlt. Was darüber hinausgeht, ist überflüssig. Eher als ständiger Unterricht hilft den Kindern sozialer Austausch.
Lassen Sie Ihre Kinder mit anderen spielen, bei Freunden übernachten, solche Dinge.
Das ist geistig wesentlich anspruchsvoller als sechs Stunden Geigenunterricht.
Unser Gehirn ist dazu gedacht, Beziehungen aufzubauen, man sollte Kindern nicht die Gelegenheit dazu verwehren.“

sagt der Journalist David Brooks in einem Interview in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung von heute. Er hat das Buch „Das soziale Tier“ geschrieben – schon bestellt 😉

Warum ich meinen Hund mag…

Streunen. Kein Plan. Einfach mal so unterwegs. Sehen, was der Weg so hergibt. Spielen, wenn dir jemand nettes entgegen kommt. Ignorieren, wenn er blöd ist. An jeden Baum pinkeln. Prophylaktisch. Hemmungslos um Aufmerksamkeit betteln. Und um Futter. Einfach los preschen, wenn sich was ergibt. Voller Reue zurückkommen. Aber sei dir sicher: das nächste Mal gehe ich wieder ab. Der Arbeitsspeicher wird alle zehn Sekunden gelöscht. Dann fängt was Neues an. Kann stundenlang in der Gegend liegen. Ohne irgendwas. Und stundenlang laufen, wenn´s lohnt. Kann sich so was von freuen. Ist gern draußen.

Vom Trost und vom Glauben

Jesus sagt: „Der Heilige Geist ist der Tröster.“
Bei einer Andacht im „Betreuten Wohnen habe ich gefragt:
„Was tröstet Sie?“
„Ein gutes Essen, das tröstet mich“ sagte ein älterer Herr. „an einem festlich gedeckten Tisch mit guten Freunden.“
„Musik. Vor allem Gustav Mahler“ sagte eine Dame.
„Kinder, wenn ich Kinder sehe, dann bin ich getröstet“
„Und die Natur. Besonders jetzt, im Frühling.“

Zwei Stunden später rief mich einer der Teilnehmer an:
„Herr Pastor, es ist doch schade, dass niemand über den Glauben als Trost geredet hat.“
„Stimmt – aber du auch nicht“ dachte ich.
Über unseren Glauben reden wir nicht. Oder wenn, dann indirekt: Essen und Abendmahl, Musik und Lob.
„Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder…“
„Seht die Lilien auf dem Felde…“