Monat: Dezember 2016

Bethlehem oder: Worum es wirklich geht

 

Eine Szene aus dem Film „Aufbruch:“
Frühe 60er Jahre. Eine junge Frau in ärmlichen Verhältnissen. Sie lernt fürs Abitur im Gartenschuppen, will unbedingt studieren. Doch dafür wird das Geld nicht reichen. Da verliebt sie sich in einen jungen Mann. Er ist sehr nett und charmant, liest ihr jeden Wunsch von den Augen ab. Sie ist im siebten Himmel. Der junge Mann ist reich, sehr reich. Nach langem Zögern lädt sie ihn zu sich nach Hause ein. Er soll ihre Eltern kennenlernen und die Großmutter. Die wohnt auch in der viel zu kleinen Wohnung.
Nach dem Besuch sagt er zu ihr: „Ich hole dich da raus! Du hast was Besseres verdient!“
Sie macht sofort Schluss.

Bethlehem.
Versuch nicht, jemanden „da raus“ zu holen. Sei einfach da, wie die Heiligen Drei Könige. Schenk dich. Gib, was du kannst. Doch stell keine Bedingungen. Begegne auch dem Ärmsten mit Respekt. Lass ihm seine Würde. Und sein Leben.

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12 Minuten geschenkt

Ich habe bei der Autorin Susanne Niemeyer einen Adventskalender bestellt. Sie schickt mir jetzt jeden morgen eine Email, ein„freudenwort.“
Heute schreibt Susanne:

Am Nachmittag tut sich plötzlich eine Lücke auf. Passanten schauen neugierig hinein. „Was ist da?“ „Nichts.“ Enttäuscht gehen sie weiter.
Warum eigentlich?

Wenn dir heute eine Stunde geschenkt würde, was würdest du tun?
Und was, wenn es 12 Minuten wären?

 

Ich fühle mich ertappt. Sie kommt gern mal zu spät. Ruft aber nie an. Hat ihr Handy meist nicht mal dabei. Und ich werde dann stinksauer: “ Wenn ich wüsste, wann du kommst – in drei, zwölf oder dreißig Minuten –  dann könnte ich ja was damit anfangen. Aber so? Verlorene Zeit!
Doch wenn die Lücke ein Geschenk ist? Ich könnte ein schönes Lied hören, das mich zu Tränen rührt (ist mir schon passiert). Aus dem Fenster gucken, was die Vögel am Futterhaus so treiben. Jemandem eine richtig nette SMS schreiben. Träumen. Vom Strand auf Sylt. Und von den Bergen in Südtirol.