Monat: März 2021

Seid barmherzig

„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist“
hat Jesus gesagt. Dieser Satz wird viele Menschen durch das Jahr 2021 begleiten. Es ist die Jahreslosung.
Barmherzigkeit. Was für ein schönes, altmodisches Wort. 
Barmherzig.
Was könnte man noch dafür sagen? Tolerant? Ach, das trifft es nicht so ganz. Barmherzigkeit ist mehr als Toleranz. Im Wort barmherzig steckt das Wort Herz. Das Herz ist der Sitz der Liebe. Man könnte vielleicht sagen: Barmherzigkeit ist Toleranz, wenn du liebst, wenn es wehtut.
Ich habe meine Konfirmandinnen und Konfirmanden gefragt: „Glaubt ihr, dass die Natur uns liebt?“ 
Sie haben energisch den Kopf geschüttelt: „Auf keinen Fall! Bei allem was wir ihr antun! Die Natur kann uns gar nicht lieben“ 
Sie haben ja Recht. Aber Liebe kann ich mir nicht verdienen. Sie ist einfach da. Ich glaube: Die Liebe der Natur, die Liebe des Schöpfers, ist eine barmherzige. Eine Liebe, die wehtut. 
Ich werde geliebt, obwohl ich so bin wie ich bin. 
„Sei barmherzig, wie auch dein Vater, dein Schöpfer, wie auch die Natur barmherzig ist.“
Wie kann ich barmherzig sein? 
Ich möchte Ihnen heute ein altes Segenswort mit auf den Weg geben:
Mögest du sicher und in Frieden sein. 
Mögest du freundlich und fürsorglich zu dir selbst sein. 
Mögest du dich so akzeptieren und lieben wie du bist – dich und die anderen auch. 
Das ist für mich Barmherzigkeit. 

Dunkle Tage

An dunklen Tagen fehlt mir oft die Phantasie, dass es irgendwann mal wieder hell werden könnte.
Ich bin gern draußen in der Natur. Das Licht tut gut; gerade jetzt, wo die Tage noch kurz sind. 
Auf einer Wanderung stehe ich vor einer uralten Eiche.  Ein knorriger Stamm, mächtige Äste, ein paar welke Blätter. Unterm Baum liegen Unmengen Eicheln. 2020 war für die Eiche wohl ein gutes Jahr. 
Ich denke: Wenn du noch nie einen Baum im März gesehen hättest, wenn du nicht wüsstest, dass es bald wieder Frühling wird, dann könntest du dir überhaupt nicht vorstellen, dass diese kahle Eiche jemals wieder grün wird.
Ach, es gibt so viel Leben, das ich nicht sehe.
Ich sehe die Eiche; ihren mächtigen Stamm, die Äste. 
Doch ihre Wurzel sehe ich nicht. 
Aber die Eiche wächst ja nicht nur in die Höhe; sie wächst auch nach unten, ein Baum braucht Tiefe. 
Je tiefer sie in der Erde verwurzelt ist, desto näher kommt sie dem Himmel.
Ja, die Wurzel bleibt für immer im Dunkel. 
Sie wird den Himmel niemals sehen. 
Doch sie wird sie wieder treiben zu neuem Grün im Mai, die alte Eiche.
Es wird wieder hell.

Die Postkarte

O Mann, er hat ganz vergessen, sich bei seiner Patentante für das Geburtstagsgeschenk zu bedanken. Anrufen traut er sich nicht. Er ist vierzehn, Reden ist nicht so sein Ding. Eine WhatsApp wär auch ein bisschen schlapp. Was soll er machen?
„Schreib ihr doch eine Postkarte!“ schlage ich vor. „Da freut sie sich bestimmt. Und so furchtbar viel schreiben musst du auch nicht.“ 
Er ist begeistert, sucht eine Karte aus. Vorne drauf steht in großen bunten Buchstaben „Danke!“ 
Er nimmt den Stift in die Hand, doch dann zögert er: „Wo muss denn hier die Adresse hin?“ Ich erkläre es ihm: „Ins rechte Feld, auf die Linien.“ 
„Und was kommt zuerst? Die Straße?“
Wie rasend schnell sich unsere Welt verändert. Er hat noch nie in seinem Leben eine Postkarte geschrieben!
Ich finde auch nur noch selten eine Karte im Briefkasten. Und schreiben tue ich auch kaum noch welche. WhatsApp ist praktischer und geht schneller.
Keine Karten mehr im Briefkasten.
Postkarten schreiben, gemeinsam singen, ja, auch mal in die Kirche gehen. So viele gute alte Traditionen verschwinden. Das macht unsicher, das tut uns nicht gut. 
Aber: Was selten ist, bekommt auch wieder einen besonderen Wert. Die Patentante hat sich sehr über die Postkarte gefreut.