Monat: April 2016

Leichtes Gepäck

NDR 2 „Moment mal“ 20.4. 2016

 

Jesus und Buddha, Franz von Assisi und Mutter Theresa: Alle großen spirituellen Lehrerinnen und Lehrer sagen dasselbe:
„Wir schleppen viel zu viel Kram mit uns rum; belasten unsere Seele.“
Genau davon singt auch Silbermond:

„Eines Tages fällt dir auf
dass du 99% nicht brauchst
Du nimmst all den Ballast
und schmeißt ihn weg
Denn es reist sich besser
mit leichtem Gepäck.“

Reisen mit leichtem Gepäck.
Reinhold Messner hat auf diese Weise das Bergsteigen revolutioniert. Er hat auf alles unnötige Gepäck verzichtet, nur das Allernotwendigste mitgenommen. So hat er viel Kraft gespart, war schneller und hat geschafft, was alle vorher für unmöglich erklärt haben: er war als erster Mensch ohne Sauerstoffflasche auf dem Mount Everest.
Jesus sagt: Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr als ein Reicher in den Himmel. Es gibt viele Auslegungen für dieses Gleichnis. Eine Erklärung ist:  Es gab in Jerusalem ein sehr enges Stadttor. Man nannte es das Nadelöhr.
Wenn ein Reisender mit seinem Kamel da durchwollte, musst er erst alles abladen. Nur ohne Gepäck kam er in die gelobte Stadt.
Mit anderen Worten: Es ist gar nicht so schwer. Du kommst durchs Nadelöhr ins gute Leben, du schaffst, was andere für unmöglich halten – es reist sich besser mit leichtem Gepäck.

 

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Freudensteigerung

Der Schriftsteller Hanns-Josef Ortheil ist erst neun Jahre alt, als er sich Gedanken über das Kirchenjahr macht. Er schreibt: „Das Kirchenjahr fängt ja nicht am 1. Januar an, sondern am 1. Advent. Das ist, damit die Christen sich auf Weihnachten freuen können. Dann geht es auf Ostern zu. So haben die Christen immer ein Fest, auf das sie sich freuen können.
Man sagt dann: „Nur noch zwei Wochen bis Himmelfahrt oder nur noch gut drei Wochen bis Pfingsten.“  Man kann sich freuen, bis das Fest dann endlich da ist.
„Das Kirchenjahr“ schreibt der Junge, „ist eine Einteilung der Zeit zur allmählichen Freudensteigerung. Die Christen haben auf diese Weise immer etwas vor Augen, auf das sie sich freuen können.“
Was für ein schöner Gedanke!
Darauf können nur Kinder kommen. Sie freuen sich einfach. Kinder denken nicht: „O Gott! Schon bald wieder Pfingsten! Wir wollen doch wegfahren und ich muss noch so viel machen! Wie soll ich das bloß schaffen?“ Klar, Kinder haben es gut. Wir machen uns für sie den Kopf. Aber trotzdem.
Jesus sagt: „Werdet wie die Kinder. Freut euch einfach!“
Übrigens: die Kinder in Niedersachsen freuen sich jetzt schon auf den 5. Sonntag nach Trinitatis. Das ist nämlich der erste Sonntag in den Sommerferien.

für NDR 2, „Moment mal“ am 16.4. 2016

Geben

Er ist nicht mehr der jüngste und er ist vermögend.
Sein Geld gibt er für den Erhalt alter Gebäude aus. Und er fördert Künstler, hat immer wieder Ideen für neue Projekte.
Wir haben gemeinsam eine Ausstellung in unserer Kirche organisiert. Es war wie immer eine Menge Arbeit, aber nun ist es geschafft. Die Ausstellung ist toll geworden: riesige Gemälde vom Meer, Wellen und Strand.
Nach der Eröffnungsfeier sitzen wir noch eine Weile zusammen.
„Warum tun Sie sich das eigentlich an?“ fragt ihn einer der Gäste. „Dieser ganze Stress! Sie haben doch genug gearbeitet! Jetzt könnten Sie es doch endlich mal ein bisschen ruhiger angehen lassen, das Leben genießen.“
Er lächelt: „Ich mache das, um Sie kennenzulernen.“
Der Gast runzelt die Stirn.
„Schauen Sie“ fährt er fort: „Ich habe Sie in die Ausstellung eingeladen und Sie sind gekommen.
Was meinen Sie, hätten Sie das auch gemacht, wenn ich Ihnen gesagt hätte: Kommen Sie mal zu mir nach Hause, ich will Ihnen mein tolles Sparbuch zeigen?“
Wer teilt, hat mehr vom Leben.
Oder, wie Jesus sagt: Geben ist seliger denn nehmen.

 

Von E-Bike und Gebet

 

Seit gut drei Jahren habe ich ein schnelles Elektrofahrrad. Und ich bin begeistert. Auf der kurzen Strecke ist das E-bike unschlagbar. Seit ich es habe, mich keiner mehr überholt.Und ich muss nie mehr einen Parkplatz suchen!
E-bike fahren ist wie Cabrio fahren. Nur schöner. Ich habe immer Rückenwind.
Aber was ich mir alles anhören muss: „Herr Meiners, so alt sind Sie doch noch gar nicht!“ „Nein, ich trete lieber selbst…“ „E-bike? Auf keinen Fall! Ich schummle doch nicht!“ Spricht´s und steigt in seinen Geländewagen.
Na ja, inzwischen habe ich eingesehen: Mein Elektrofahrrad hat das Image eines Rollators. Lieber nicht – oder nur wenn es unbedingt sein muss.
Mit dem Gebet ist es für viele von uns genau so. Ganz oft sagen Menschen zu mir: „Beten? Das ist doch nur was für Leute, die es nötig haben. Das kann ich immer noch, wenn es mir mal schlecht geht.“
Dabei: Beten ist viel mehr als Bitten, vielmehr als ein Rollator für die Seele. Es gibt mir zusätzliche Kraft.
Wenn ich durch den Park radle, die Sonne scheint, der Kuckuck ruft und ich kaum weiß wohin mit meiner Freude – dann ist das ein Gebet:
Antrieb für die Seele!

für NDR 2 „Moment mal am 7.4.

 

Wer bin ich?

Wenn wir Menschen kreativ sind, was richtig Gutes schaffen, dann stellen wir vorher zwei Fragen:
Wer bin ich?
Und: Was ist meine Aufgabe, was ist mein Ding? Das hat der Wissenschaftler Otto Scharmer gesagt.

Wer bin ich?
Also ich bin seit neuestem Großvater. Die kleine Ada ist da! Das ist so schön! Ich darf dabei sein, wenn ein kleiner Mensch diese Welt entdeckt, laufen lernt und träumen.

Und was ist meine Aufgabe, mein Ding?
Erst mal muss ich sie nur im Arm halten, mich freuen, wie sie wächst und gedeiht. Ich darf den Kinderwagen schieben.
Später werde ich heimlich mit ihr Pommes essen gehen, werde ihr verrückte Sachen kaufen, bis ihre Eltern mit den Augen rollen. Als Opa will ich sie einfach nur liebhaben. Und vor allem: Ich will Zeit für sie haben.
Das wird das Schwerste.
Ich komme ja jetzt schon kaum rum. Es gibt immer so viel zu erledigen, Sachen, die auch wichtig sind… glaub ich zumindest. Die Tage sind viel zu kurz.
Der Philosoph Martin Buber sagt:
„Du lässt dich von vielen Dingen bestimmen. Doch das ist nicht deine Bestimmung. Frag nach den Quellen, aus denen du lebst, frag nach dem tieferen Willen. Sonst verlierst du dich im Allerlei.“
So und jetzt nochmal: „Wer bin ich – und was ist meine Aufgabe?“

(für NDR 2, „Moment Mal“