Monat: Dezember 2012

In die Zukunft schauen…

Würdest du gern in die Zukunft schauen?

Die meisten antworten auf diese Frage:
„Man gut, dass man das nicht kann.“
Ist das so?
Von Jesus wird berichtet, dass er genau wusste, was auf ihn zukommt:
Folter und Kreuz. Er kündet es seinen Jüngern sogar an.
Wie kann er dann so gelassen sein? So gegenwärtig? Wie kann er so sorglos sein wie die Vögel am Himmel und die Lilien auf dem Felde?
Ach, das ist ja kein Geheimnis. Wir wissen es doch alle:
Du kommst durch die finstersten Täler und über die höchsten Berge – wenn du weißt:
Ich werde erwartet.
Frohes Neues Jahr!

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Gott

Mein Sohn Johannes hat am Telefon einer Frau „Frohe Weihnachten“ gewünscht.
Die hat schnippisch geantwortet: „Wir haben damit nichts am Hut. Wenn Sie einen Gott haben, der sich für Sie interessiert, dann wünschen ich Ihnen eine gute Zeit“
Wenn es einen Gott gibt, der sich für dich interessiert.
Das ist in der Tat die entscheidende Frage.
Wenn wir Christen sagen: „Gott ist Mensch geworden,“ dann beginnt das im Stall von Bethlehem. Wenn alle anderen denken du bist am Ende, ist er da. In der Gestalt derer, die nicht lange fragen. Die einfach da sind. Gott ist Vater und Mutter geworden; Hirte, der beisteht, König, der schenkt.
So ist es bis heute. Im Hospiz, wo Verwandte und Schwestern nicht mehr fragen. Einfach da sind. Bei der Weihnachtsfeier für die, die heute Abend kein Zuhause haben. Wo Menschen Brötchen schmieren, den Baum schmücken, Kerzen anzünden. In den Familien, die es schwer haben, aber füreinander da sind, trotz allem. Der Gott, der sich für dich interessiert. Da kannst du ihn erleben. Mittendrin im Leben. Denn er ist Mensch. Geworden.

Kerzen

Neue Kerzen sind hübsch.
Brennende Kerzen sind schön.
Schenken Wärme und Licht.
Werden weich und werden kleiner.
Geben sich selbst.

"Er heißt Johannes"

Meine Predigt für heute.
Euch und Ihnen allen einen gesegneten 1. Advent – es schneit 🙂

I. Der Personalchef liest den Namen auf ihrer Bewerbung und schaut sie bedauernd an:
„Sie haben es schwer, oder?“
Die junge Frau nickt traurig.
Sie heißt mit Vornamen Chantal Paris.
Ihre Eltern haben es sicher gut gemeint. Aber sie haben ihr eine schwere Bürde auferlegt. Natürlich ist das Unsinn. Natürlich kann man niemanden nach seinem Namen beurteilen.
Und wir tun es doch.

Wenn wir einem Kind einen Namen geben, dann geht es nicht nur um Wohlklang. Dann geht es um Erwartungen.
Namen erzählen Geschichten. Die Geschichten der Eltern eines Kindes: Ihre Sehnsucht nach der großen, weiten Welt; ihren Dank und ihre Freude für dieses Kind, ihre Erinnerung an einen lieben Menschen. Und mit diesen Geschichten sind immer auch Erwartungen verbunden, bewusst oder unbewusst:

„Es wäre schön, wenn du so wirst wie dein Großvater.“

„Wir wünschen dir, dass du die große, weite Welt kennenlernst, dass du Erfolg hast.“

„Wir geben dir einen normalen, unauffälligen Namen, damit du es leicht hast und gut durchs Leben kommst.“

„Wir geben dir einen außergewöhnlichen Namen, damit jeder gleich hört: Du bist etwas Besonderes.“

All das schwingt mit im Namen eines Menschen – mal bewusst, mal unbewusst. Und das Kind wird damit leben – dürfen oder müssen, je nachdem.

II. Bei Zacharias, dem Vater von Johannes dem Täufer, ist das nicht anders. Eigentlich müsste sein Erstgeborener Zacharias heißen, so wie er – oder zumindest irgendeinen anderen Namen aus der Familie tragen, nach einem Großvater oder Onkel benannt werden. Die Tradition verlangt es. Doch Zacharias wehrt sich. Genau das will er nicht. Er besteht auf einem neuen Namen:
„Er heißt Johannes.“
Und damit formuliert er eine Erkenntnis, die Erkenntnis seines Lebens. Er und seine Frau Elisabeth hatten Ewigkeiten auf ein Kind gewartet. Sie haben die Hoffnung längst aufgegeben, als es dann doch noch geschieht: Elisabeth wird schwanger, als niemand mehr damit rechnet. Und Zacharias ist stumm. Er kann nicht mehr reden. Aus Freude? Oder ist ihm der Schrecken in die Glieder gefahren? Er kann nicht mehr sprechen, doch er weiß, was er will. Sein Sohn soll einen ganz besonderen Namen tragen:
Er heißt Johannes.
Das bedeutet auf Deutsch: „Gott ist gnädig.“ Dabei hätte auch der eigene Name gepasst, Zacharias. Der bedeutet: „Gott erinnert sich.“
O ja, Gott hat sich erinnert, an Elisabeth und Zacharias; spät, aber nicht zu spät. Er hat ihnen ein Kind geschenkt. Die Freude und die Sicherheit für ihr Alter. Doch kein Kind wird nur für seine Eltern geboren; jedes Neugeborene ist ein Geschenk Gottes an die Welt – ein Johannes oder eine Johanna: Gott ist gnädig.
Und als die Entscheidung gefallen ist, als Zacharias den Namen seine Sohnes bestimmt hat, da tut sich sein Mund auf und sein Herz strömt über vom Lobgesang.
Dieser Lobgesang des Zacharias ist unser heutiger Predigttext. Er steht im Lukasevangelium im 1. Kapitel.
III. Gelobt sei der Herr, der Gott Israels!
Denn er hat besucht und erlöst sein Volk
und hat uns aufgerichtet eine Macht des Heils
im Hause seines Dieners David
– wie er vorzeiten geredet hat
durch den Mund seiner heiligen Propheten –
dass er uns errettete von unsern Feinden
und aus der Hand aller, die uns hassen,
und Barmherzigkeit erzeigte unsern Vätern
und gedächte an seinen heiligen Bund
und an den Eid, den er geschworen hat unserem Vater Abraham,
uns zu geben,
dass wir, erlöst von der Hand unserer Feinde,
ihm dienten ohne Furcht unser Leben lang
in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor seinen Augen.
Und du, Kindlein,
wirst ein Prophet des Höchsten heißen.
Denn du wirst dem Herrn vorangehen,
dass du seinen Weg bereitest,
und Erkenntnis des Heils gebest seinem Volk
in der Vergebung ihrer Sünden,
durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes,
durch die uns besuchen wird das aufgehende Licht aus der Höhe,
damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes,
und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.
Herr, segne an uns dein Wort.
Amen.

Zacharias erinnert an den Gott Abrahams und Davids; an den Gott, der sein Volk begleitet, so lange es unterwegs ist zu ihm. Sein Lobgesang erinnert an die Wurzeln:
Wo komme ich her?
Was trägt mich, mein Familie, mein Volk?
Niemand wird im geschichtsleeren Raum geboren. Niemand fängt einfach so von vorne an. Kinder fragen ihre Eltern:
„Was war eigentlich mein Urgroßvater für ein Mensch?“
„Wo hast du als Kind gelebt?“
Zacharias erinnert an den Gott, der seinem Volk gnädig gewesen ist. Immer wieder.
Doch dann dieser Satz:
„Du wirst ein Prophet des Höchsten sein.“
Bitte? Geht es nicht ein bisschen kleiner, Zacharias? Wie kannst du so etwas sagen? Einem Kind eine solche Bürde aufladen? Er muss doch sein eigenes Leben leben, oder? Er soll seinen Weg finden und nicht den, den sein Vater ihm vorgibt! Ein Prophet des Höchsten sein. In einer Reihe stehen mit Jeremia, Jesaja und Ezechiel. Wie soll das gehen? Und woher will Zacharias das wissen?
Er erinnert an so viele Mütter und Väter, die ihre Kinder mit hohen Erwartungen überfrachten:
„Fußballspieler soll er werden! Bei Deutschland sucht den Superstar soll sie gewinnen! Unser Kind ist hochbegabt!“
Wie viele Kinder zerbrechen an den Erwartungen ihrer Eltern. Die sind enttäuscht, kritisieren nur noch, wenn der Weg des Kindes ein anderer ist.
Du, Kindlein, wirst ein Prophet des Höchsten heißen.
Geht es nicht ein bisschen kleiner, lieber Zacharias? Reicht es nicht aus, dass das Kind wächst und gedeiht, zur Freude seiner Eltern?
Doch schauen wir genauer hin.
Wir haben es hier nicht mit den Träumen eines überengagierten Vaters zu tun. Zacharias hat keinen Masterplan für seinen Sohn in der Tasche.
Zacharias lobt Gott. Den Gott Israels; den, der sein Volk begleitet, von Anfang an – der Großes getan hat in der Geschichte. Er lobt den Gott, der sein Volk rettet und befreit, der es begleitet auf allen seinen Wegen. Dieser Gott begegnet Zacharias in diesem Säugling. Nur in diesem? O nein, dieser Gott begegnet allen Eltern. In jedem kleinen Kind. Zacharias sieht das nur deutlicher, weil er so lange hat warten müssen, weil seine Sehnsucht so groß war und weil sein Glaube gewachsen ist in der Zeit des Wartens.
Zacharias gelingt, was uns oft so schwer fällt. Er denkt das Große und das Kleine zusammen. Er besingt den Gott, der die Geschichte seiner Menschheit schreibt in dem Kind in seinem Arm. Der kleine Mensch und die Menschheit sind eins.
Im Leben eines Kindes wird die Liebe Gottes sichtbar. Eltern spüren das, wenn sie ihr Neugeborenes im Arm halten. Doch leider vergessen sie es in der Sorge des Alltags meist ganz schnell wieder.
„Du, Kindlein, wirst ein Prophet des Höchsten sein.“
IV. Was ist ein Prophet?
Ein Prophet ist ein Bote der Wahrheit Gottes. Er spricht, er handelt so, dass diese Wahrheit darin aufleuchtet, sichtbar wird. So ein Prophet begegnet dem Vater Zacharias in seinem Sohn. Als er sein Kind im Arm hält, da spürt und sieht er:
Das Leben ist verletzlich und kostbar. Es ist getragen von der Liebe Gottes und weist über sich selbst hinaus.
Johannes. „Gott ist gnädig.“
Zacharias singt, was er sieht. Er singt, was jeder sehen kann, wenn er in einen Kindewagen schaut.
Du sollst nicht nur ein Prophet des Höchsten sein, du bist es schon.
Der erste Schrei kündet von der Liebe, die stärker ist als jede menschliche Kraft: Gott ist gnädig. Er schenkt Leben.
Zacharias muss seinen Sohn nicht erst zum Propheten ausbilden. Johannes ist von Beginn an das, was er sein soll.
Dieses Kind, jedes Kind, ist ein Prophet des Höchsten – wenn wir es denn nur lassen.
V. Was könnte das heißen für die Erziehung heute, für eine christliche Erziehung, eine Erziehung im Glauben?
Der Evangelist Lukas berichtet mit keinem Wort, wie Zacharias seinen Sohn erzieht. Es gibt in der Bibel keinen Leitfaden für die Ausbildung zum erfolgreichen Propheten. Und auch in der Geschichte Jesu wird nur die Geburt berichtet. Seine Ausbildung wird mit keinem Wort erwähnt. Das könnte heißen:
Unsere Kinder werden das, was wir in ihnen sehen:
Dieses Kind ist ein Geschenk Gottes – Gott ist gnädig – ein Geschenk, das über sich selbst hinaus weist – oder es ist ein Lebewesen, dass ich erst noch zu dem formen muss, was es werden soll.
Natürlich wird auch dieses Kind noch viel lernen müssen. Natürlich wird es erzogen. Doch das ist zweitrangig.
Viel wichtiger ist dies: Du bist nicht allein, Johannes. Und du bist nicht nur für sich selber da. Du trägst die Geschichte Gottes mit den Menschen in dir. Und du trägst sie weiter.
Zacharias kann seinem Sohn das Leben nicht ersparen. Johannes Weg wird ein harter, steiniger werden. Doch er hat einen Sinn. Und er wird dem vorangehen, von dem wir am Ende der Adventszeit hören werden:
„Euch ist heute ein Kindlein geboren“
Gott ist gnädig.
Amen.