Schlagwort: Bethlehem

Advent! Leg los!

„Advent“ heißt „Ankunft.“
Wo wollen wir ankommen?
Worauf warten wir eigentlich?
Erst mal auf einen schönen Heiligabend: Behaglichkeit, gutes Essen, Lichterglanz.
Klar, bis dahin ist noch viel zu tun – geschenkt, wir schaffen das, haben wir ja jedes Jahr. Aber so richtig Weihnachten ist, wenn die Kerzen brennen. Der magische Moment. Erleuchtet, perfekt, am besten für immer.
Das ist das Geheimnis: Wir warten auf den magischen Moment. Dafür arbeiten wir. Dafür lohnt die ganze Schinderei, der Stress, der Wahnsinn.
Wir warten auf den Kuss des Lebens, die große, ewige Liebe, die mich nie, niemals enttäuscht. Und dann, ja dann geht es los. Aber so richtig. Das ist mein ganz persönlicher Advent. Wenn ich endlich angekommen bin. Dann kann mich nichts und niemand mehr. Dann fange ich an zu leben.
Bethlehem ist anders. Zwei enttäuschte Menschen: frustriert von der Macht, die sie hin und her schubst, in die Fremde jagt.
Sie sind auch einander gar nicht so sicher:

„Von wem ist das Kind, Maria?“
„Warum reicht es nicht mal für eine vernünftige Unterkunft, warum sind wir hier gestrandet, in diesem elenden Stall, Josef? Was soll aus unserem Sohn bloß werden?“
Und doch: am Heiligen Abend stelle ich mir diese beiden als die glücklichsten Menschen der Welt vor. Sie sind angekommen; im Glück, im Leben, bei Gott.
Advent. Ankunft. Es mag dunkel sein in deinem Leben, mühsam und schwer. Doch wenn es einen einzigen Menschen gibt, für den du da sein kannst – wenn es einen einzigen gibt, der sich um dich sorgt, dann ist Advent. Dann bist du angekommen. Dann musst du nicht länger warten.

Dann leg los.

Bethlehem oder: Worum es wirklich geht

 

Eine Szene aus dem Film „Aufbruch:“
Frühe 60er Jahre. Eine junge Frau in ärmlichen Verhältnissen. Sie lernt fürs Abitur im Gartenschuppen, will unbedingt studieren. Doch dafür wird das Geld nicht reichen. Da verliebt sie sich in einen jungen Mann. Er ist sehr nett und charmant, liest ihr jeden Wunsch von den Augen ab. Sie ist im siebten Himmel. Der junge Mann ist reich, sehr reich. Nach langem Zögern lädt sie ihn zu sich nach Hause ein. Er soll ihre Eltern kennenlernen und die Großmutter. Die wohnt auch in der viel zu kleinen Wohnung.
Nach dem Besuch sagt er zu ihr: „Ich hole dich da raus! Du hast was Besseres verdient!“
Sie macht sofort Schluss.

Bethlehem.
Versuch nicht, jemanden „da raus“ zu holen. Sei einfach da, wie die Heiligen Drei Könige. Schenk dich. Gib, was du kannst. Doch stell keine Bedingungen. Begegne auch dem Ärmsten mit Respekt. Lass ihm seine Würde. Und sein Leben.

Gott

Mein Sohn Johannes hat am Telefon einer Frau „Frohe Weihnachten“ gewünscht.
Die hat schnippisch geantwortet: „Wir haben damit nichts am Hut. Wenn Sie einen Gott haben, der sich für Sie interessiert, dann wünschen ich Ihnen eine gute Zeit“
Wenn es einen Gott gibt, der sich für dich interessiert.
Das ist in der Tat die entscheidende Frage.
Wenn wir Christen sagen: „Gott ist Mensch geworden,“ dann beginnt das im Stall von Bethlehem. Wenn alle anderen denken du bist am Ende, ist er da. In der Gestalt derer, die nicht lange fragen. Die einfach da sind. Gott ist Vater und Mutter geworden; Hirte, der beisteht, König, der schenkt.
So ist es bis heute. Im Hospiz, wo Verwandte und Schwestern nicht mehr fragen. Einfach da sind. Bei der Weihnachtsfeier für die, die heute Abend kein Zuhause haben. Wo Menschen Brötchen schmieren, den Baum schmücken, Kerzen anzünden. In den Familien, die es schwer haben, aber füreinander da sind, trotz allem. Der Gott, der sich für dich interessiert. Da kannst du ihn erleben. Mittendrin im Leben. Denn er ist Mensch. Geworden.