Schlagwort: Bibel

Die Bibel als Bastelbuch für eine Glücksmaschine

Der Schweizer Schriftsteller Gerhard Meier schreibt: „Für mich ist die Bibel ein Bastelbuch, um daraus eine Glücksmaschine zu bauen.“ 
Zuerst habe ich gedacht: „Was soll das denn? Die Bibel ein Bastelbuch? Und dann auch noch für eine „Glücksmaschine?“ Was soll das sein? Aber inzwischen gefällt mir diese Vorstellung ganz gut. Ich finde auch: Die Bibel ist keine Gebrauchsanweisung und auch keine Landkarte für ein gutes Leben. Vielleicht doch eher ein Bastelbuch …. 
Beim Basteln musst du improvisieren, du nimmst alles, was du hast – und du wirst nie fertig. Es muss nicht perfekt werden, nur gerade so gut, wie es in diesem Moment geht. Basteln hat immer auch etwas Spielerisches: Probieren wir es mal aus…
In der Bibel finde ich vieles, was ich brauche, um an meinem Glück zu basteln: Sie spricht von der Liebe, die alles zusammenhält. Die Bibel handelt von der Ehrfurcht vor dem Leben, macht mich bescheiden in dem, was ich schaffe: Es hält nicht ewig, muss es auch nicht sein. Die Bibel erinnert mich daran: Gemeinsam macht das Basteln, das Leben viel mehr Spaß und es ist gut, wenn ich noch staunen kann wie ein Kind. Ich darf auch ruhig mal scheitern, fange wieder von vorne an. Ja, ich glaube, ich verstehe jetzt ein wenig, was Gerhard Meier meint mit seiner Bibel und seiner Glücksmaschine: 
Sie ist nicht perfekt, läuft nicht immer rund – aber sie schenkt viel Glück. 

Elternglück und Bibelworte

Mich fröstelt. Der Frühling hat sich wieder verzogen. Und jetzt fängt es auch noch an zu regnen. Ich stehe vor einem gemütlichen Café. Drinnen ist es warm. Ich rieche den Kaffee durch die Scheibe.
Direkt am Fenster sitzt eine Mutter mit ihrem kleinen Sohn auf dem Schoß. Sie hält ihm ein Bilderbuch hin. Noch schaut er rein – und sie gelangweilt in die Gegend.
Sie wirkt angestrengt und leicht genervt.
Wo soll sie bei diesem Wetter auch hin mit ihrem Kind.
Auf den Spielplatz?
Vergiss es.
Durch die Fußgängerzone bummeln? Der Kleine bleibt an jeder Ecke stehen. Und dir frieren die Füße ab.
So ist sie im Café gestrandet. Hier ist es warm. Auszuhalten, solange der Kleine halbwegs ruhig bleibt.
Elternglück ist kein Zuckerschlecken.
Sie schaut auf. Merkt, dass ich sie beobachte. Ich gehe schnell weiter.
Ich bin in Hannover auf einer Fortbildung und jetzt für eine Stunde in der Stadt unterwegs, weil ich mir Gedanken über ein Bibelwort machen soll:

„… der unsere Seelen am Leben erhält und lässt unsere Füße nicht gleiten.“

Ich würde die junge Mutter zu gern fragen, wie sie diesen Satz versteht. Natürlich traue ich mich nicht. Sie würde sich nur blöd angemacht fühlen:
„Komm, lass mich in Ruhe. Für so was habe ich gerade wirklich keinen Nerv!“
Aber , spannend fänd ich schon, was ihr dazu einfällt…