Ich zeige meinem Sohn Johannes eine Zeichnung: „Was siehst du?“
„Einen Hasen!“
„Richtig!“
Ich drehe das Papier, zeige ihm das Bild noch einmal anders.
„Was siehst du jetzt?“
Er ist verblüfft: „Eine Ente!“
Stimmt auch!
Eben waren es noch die Ohren vom Hasen, jetzt ist es der Schnabel der Ente.
Es ist ein sogenanntes Kipp Bild, sozusagen eine Hasen-Ente.
Mal siehst du den Hasen, mal die Ente – beides stimmt, aber du kannst nie beides gleichzeitig sehen! Du siehst immer eins: nur den Hasen – oder nur die Ente.
Es kommt auf den Blickwinkel an! Ein entweder – oder gibt es da nicht: Es ist eben nicht entweder eine Ente oder ein Hase. Es ist beides: ein Hase und eine Ente.
Ich finde das wichtig in einer Welt, in der es oft nur noch um ja oder nein geht, um Freund oder Feind.
Wer weiß, vielleicht meint Jesus auch das, wenn er sagt: „Liebe deine Feinde!“
Hört ihnen zu. Schau sie zwei Mal an, wechsele die Perspektive.
Sieh die Welt für einen Moment mit ihren Augen – und staune:
„Jetzt verstehe ich dich: Was für mich eine Ente ist, ist für dich ein Hase…
Stimmt beides, wie in einem Kippbild…
Schlagwort: Reden
Vom Trost und vom Glauben
Jesus sagt: Der Heilige Geist ist der Tröster.
Bei einer Andacht im Betreuten Wohnen habe ich gefragt:
Was tröstet Sie?
Ein gutes Essen, das tröstet mich sagte ein älterer Herr. an einem festlich gedeckten Tisch mit guten Freunden.
Musik. Vor allem Gustav Mahler sagte eine Dame.
Kinder, wenn ich Kinder sehe, dann bin ich getröstet
Und die Natur. Besonders jetzt, im Frühling.
Zwei Stunden später rief mich einer der Teilnehmer an:
Herr Pastor, es ist doch schade, dass niemand über den Glauben als Trost geredet hat.
Stimmt – aber du auch nicht dachte ich.
Über unseren Glauben reden wir nicht. Oder wenn, dann indirekt: Essen und Abendmahl, Musik und Lob.
Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder…
Seht die Lilien auf dem Felde…