Vom Warten

  1. Advent

Von der Geduld.

Gedanken zur Predigt am 2. Advent

„So seid nun geduldig, liebe Geschwister, bis Christus kommt.
Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Frühregen und den Spätregen.Seid ihr auch geduldig und stärkt eure Herzen; denn das Kommen Christi ist nahe“

Geduldig sein, etwas ertragen, erdulden. Nicht gleich losrennen. Warten, abwarten.
Die Leute stehen an der Bushaltestelle und warten. Besonders glücklich sehen sie nicht aus. Worauf warten sie, was erwartet sie?
Ich war gerne Fahrschüler. Vor allem wegen des bezaubernden Mädchens, das in Cremlingen eingestiegen ist. Wenn sie nicht da war, war ich enttäuscht. Doch da waren ja noch die Kumpels zum Kartenspielen, quatschen. In der Schule waren wir immer viel zu früh. Auch das hat nichts gemacht. Wir wussten immer was mit der Zeit anzufangen: Fußballspielen mit dem Tennisball, Hausaufgaben machen, eine rauchen an der Oker. Ich habe gerne morgens auf den Bus gewartet. Und wenn er zu spät kam – auch gut. Im Winter sind wir immer mal bis zum Giselawall durchgefahren und zu spät gekommen…

Worauf warten wir?
Worauf freuen Sie sich an Weihnachten? Überlegen Sie sich mal kurz drei Dinge.
Worauf freue ich mich?
Auf das Krippenspiel, die dunkle Kirche, auf den Abend mit der Familie und den Nachbarn.
Ich warte geduldig. Weiß ja, dass es kommt.
Hoffnung ist die Nahrung des Wartens.
Daran kann man sehen, wie es um unsere Welt bestellt ist. Wir warten nicht, weil wir nichts erwarten. Die einen rennen immer hektischer durch die Gegend, die anderen versacken in was auch immer. Hektisch sind sie alle.

Ein Umweltaktivist sagt:
„Ich bin überzeugt, dass manche der radikalen Umweltschützer der Auffassung sind, dass die Menschheit ein Fehler ist und dass sie es nicht verdient, zu überleben.“
Wer nichts mehr erwartet wird böse.

Maria erwartet nicht nur überleben. Maria erwartet leben.
Maria weiß, dass ihr Kind ein ganz besonderes sein wird – das wissen die meisten Mütter, Gott sei Dank.
Maria weiß auch, dass du nicht trennen kannst zwischen dem Menschen und der Menschheit.

Wir gehören zusammen. Und wir sind zu beidem fähig, zum Guten und zum Bösen.
Wann fängt der Tag an? Wann die Woche, wann das Jahr?
Der Tag um Mitternacht. In der Dunkelheit, wenn du schläfst.
Gefühlt beginnt der Tag mit dem Wecker.
Die christliche Woche am Sonntag, dem Tag der Auferstehung, des geschenkten Lebens.
Unsere Woche beginnt mit dem Montag, wenn es wieder losgeht. Das Jahr mitten in der dunklen Jahreszeit. Das Kirchenjahr am 1. Advent, also drei, vier Wochen vor der Sonnenwende; das weltliche kurz danach.

Ich habe noch einen anderen Rhythmus: vor und nach den Sommerferien. Eigentlich eher nach den Sommerferien. Dann geht es wieder los. Etwas fängt an, wenn ich etwas tue, endlich loslege, ab geht die Post.

Doch es gibt noch eine andere Art zu warten. Der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde. Er weiß, dass er nichts tun kann. Er kann nur warten. Erwarten. Er weiß, worauf.

Hoffnung ist die Quelle des Wartens. Der Bauer weiß: das Entscheidende geschieht im Verborgenen, in der Erde. Im Mutterleib. In der Nacht, wenn du schläfst. Und wehe, du kannst es nicht.

„Macbeth will sleep no more.“

Hat ein Samenkorn Hoffnung? Es liegt in der Erde. Wenn Hoffnung der Wille zum Leben ist, auf jeden Fall. Diese Hoffnung wird die Schale zersprengen und zum Licht streben.

Hat die Schwangere Hoffnung?

Es ist ihr zu wünschen. Doch sie trägt sie in sich, ob sie will oder nicht. Maria will nicht schwanger werden. Jetzt noch nicht. Jetzt ist es eine Katastrophe. So, als ob das Weizenkorn mitten im Kalten Winter keimt und erfriert.

Hoffnung ist eine fremde Macht. Wird vom Engel gebracht. Fürchte dich nicht.

Hoffnung, das Neue ist mit Schmerzen verbunden. Doch der ist schon vergessen, wenn das Kind in deinem Arm liegt. Wenn das Schneeglöckchen das Licht der Welt erblickt. Hoffnung ist keine Illusion. Hoffnung ist vernünftig. Warte geduldig. Wie der Bauer auf den Früh- und den Spätregen.

So seid nun geduldig, liebe Geschwister, bis Christus kommt. Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Frühregen und den Spätregen. Seid ihr auch geduldig und stärkt eure Herzen; denn das Kommen Christi ist nahe. Hoffen und Bangen gehören zusammen.

Wie kann ich mein Herz stärken?

Durch gute Geschichten. Durch Gesang. Durch die kleine Liebe, die ich in diese Welt bringen kann. Durch die Erinnerung an die Zukunft. Und wenn die Auferstehung eben nicht nur im Großen geschieht, sondern eben auch im Kleinen, in jedem Weizenkorn, in meinem kleinen Leben?Die kostbare Frucht der Erde… Das Schöne kommt aus dem Dunkel der Nacht.

 

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