Im Dunkel

Wann fängt Ihr Tag eigentlich an?
Bei mir ist das ganz klar: am frühen Morgen, bei einer Tasse Kaffee. Anschließend lege ich richtig los.
Und wann beginnt meine Woche?
Auch da muss ich nicht lange überlegen: Am Montagmorgen, wenn ich wieder durchstarte. 
Aber es gibt auch eine andere Sicht auf das Leben: 
Die christliche Woche startet mit dem Sonntag, dem Ruhetag. 
Unsere Tage beginnen eigentlich mitten der Nacht um 0 Uhr – und Weihnachten – für viele das hellste Fest – feiern wir in der dunkelsten Jahreszeit. 
Wir machen uns darüber normalerweise keine Gedanke, aber dahinter steckt schon die Frage:
Wann geschieht im Leben das Entscheidende? 
Im Hellen, wenn ich wach bin – oder im Dunkeln, wenn ich schlafe? 
Auf den ersten Blick scheint das klar:
Das Entscheidende geschieht am Tag, wenn ich aktiv bin. Der Schlaf dient nur zur Erholung. 
Aber ganz so einfach ist es eben doch nicht.
Noch ruhen scheinbar die Felder. Doch unter der Erde, im Dunkeln, keimen die Weizenkörner schon zu kleinen Pflanzen. Wenn sie ans Licht kommen, sind sie schon perfekt, müssen nur noch wachsen. 
Ein Baby braucht neun Monate. Wenn es ans Licht kommt, ist es schon vollkommen, ein Wunder.
Heute beginnt die Karwoche. Wir sprechen von Finsternis, von Leid und Tod. 
Wir sprechen aber auch von dem Leben, das durch die Finsternis ans Licht bricht. 
Wir sollten mehr vertrauen: 
Das Leben ist erst mal ein großes Geschenk. 

Der Apfelbaum

Die letzten Nächte waren noch mal frostig. Morgens ist am Vogelhaus bei mir vorm Fenster wieder der Bär los. Die Stare, Spatzen und Meisen haben mächtig Hunger nach den kalten Nächten und machen richtig Alarm. Ich beobachte sie durch die Scheibe. In Windeseile haben sie das ganze Futter weg gepickt und fliegen wieder davon.
Ich schaue ihnen hinterher und beneide sie: „Die Vögel haben es gut,“ denke ich, „die sind frei. Können fliegen, wohin sie wollen. Und wir sitzen hier fest, dürfen kaum noch aus dem Haus.“ 
Aber halt! Ganz so ist es ja doch nicht! Meine Gedanken, meine Träume und meine Phantasie können ja auch fliegen, sogar weiter als der kleine Spatz, der sich da gerade auf den Weg macht.
Ich schließe für einen Moment die Augen. 
Lasse meine Gedanken fliegen. In unserem Garten steht ein Apfelbaum. Noch ist er kahl, aber er treibt schon aus, auch wenn ich nichts davon sehe. Er lässt sich nicht aufhalten. Im Mai wird er viele wunderschöne rosa Blüten tragen. Und wer weiß, vielleicht geht es uns und dann auch schon ein wenig besser. Im September trägt er dann große, rote Äpfel, gereift in schwerer Zeit. Dann werde ich zurückdenken an diesen Frühling, an all die Sorgen, die wir uns umeinander gemacht haben. Ich werde mich aber auch dankbar erinnern an all die Menschlichkeit, die mir begegnet ist, die Hilfsbereitschaft und die vielen Menschen, die bis an den Rand ihrer Kräfte für uns da waren.
Bei all meinen Sorgen, Gott hat mir Phantasie geschenkt ich kann sie für einen Moment fliegen lassen. Ich kann mir Kraft schenken lassen für das, was in diesen schweren Zeiten zu tun ist. 

Echtes Leben – oder was Menschen bereuen

Die Passion Jesu beginnt mit einem Fest.
Die Stimmung ist gut. 
Da tritt plötzlich eine Frau hinter Jesus, öffnet ein Fläschchen und salbt ihn mit kostbarem Öl. Dieses Öl ist Stand heute mindestens 1.000 € wert. 
Die Jünger sind empört: „Was machst du da? Man hätte das Öl verkaufen können und das Geld an die Armen verteilen! Das ist doch nicht nötig!“
Jesus widerspricht ihnen: „Lasst sie in Ruhe! Sie hat etwas Gutes für mich getan! Das wird man ihr nie vergessen!“
Wir bereuen am meisten, was wir nicht getan haben. 
Wir geizen viel zu oft mit unserer Zeit, mit unserem Geld. 
Die Reue kommt später:
„Als die Kinder klein waren…“ 
„Wir dachten, wir haben noch so viel Zeit…“
Doch das Großzügige, Verschwenderische hat es schwer in einer Welt, die so viel Aufmerksamkeit frisst: 
Wir sitzen mit Ada, unserer Enkeltochter, in einer Pizzeria. Ada ist vier Jahre alt. Sie interessiert sich für alles. In der Pizzeria ist am frühen Abend noch nicht viel los, nur zwei, drei Tische sind besetzt. An einem Tisch sitzt eine junge Frau, offensichtlich eine Mitarbeiterin. Sie hat nichts zu tun und starrt regungslos auf ihr Smartphone. Ada schaut sie eine Weile interessiert an, dann stubst sie mich an: „Opa, ist die echt?“
Ja, wie ist das mit dem echten Leben? Was verspielen wir, wenn wir mehr Zeit digital verbringen als mit echten Menschen? Ist die nächste Kurznachricht wirklich wichtiger als der Mensch am Nachbartisch – das Foto auf Instagram schöner als der echte Sonnenuntergang?Wir bereuen vor allem, was wir nicht getan haben – ganz egal, was für „gute Gründe“ wir dafür hatten. 

Die Zeit zurückdrehen

Zurück in die Gegenwart 

Bei uns im Esszimmer steht eine wunderschöne alte Uhr. Sie ist ein Erbstück aus der Familie meiner Frau. Jeden Sonntagmorgen ziehe ich sie auf. Und dann ist sie nicht mehr zu halten, dann rennt sie los. Die ersten drei Tage der Woche ist sie ihrer Zeit weit voraus, mindestens zwei, drei Minuten pro Tag. Ich drehe ihren Minutenzeiger immer wieder zurück. So. Jetzt stimmt ihre Zeit wieder. Die Uhr ist genau in der Gegenwart, im Hier und Jetzt.
Ach, wenn das bei mir doch auch so einfach ginge. Es gibt Tage, da bin ich wie aufgezogen, meine Gedanken sind wie Trolle. Sie jagen mich weit in die Zukunft. Schon beim Aufwachen schreien sie mich an: „Los! Sieh zu, dass du hochkommst! Es gibt viel zu tun!“ An diesen Tagen bin ich ein Getriebener, denke nur darüber nach, was ich noch alles zu tun habe und wie ich das bloß schaffen soll. Ich bin dann nie ganz bei der Sache, nie ganz bei dem, was ich gerade tue.
Dabei sind genau das die schönsten Momente in meinem Leben: Wenn jemand den Zeiger zurückdreht, mich in die Gegenwart holt, wenn ich die Zeit vergesse.
Ich sehe mit meiner Enkeltochter zu, wie sie mit ihrem neuen Bauernhof spielt. Sie ist durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Ich genieße die Sonne bei einem langen Spaziergang mit meiner Frau. Ich vergesse die Zeit beim Gespräch mit einem Freund. Nie spüre ich das Leben so intensiv wie in diesen Momenten. 
Ich drehe den Zeiger an unserer alten Uhr zurück, hole tief Luft und denke: „So. Jetzt sind wir beide genau da, wo wir hingehören: in der Gegenwart, in diesem Moment.“

Gott, Geheimnis des Lebens, ich glaube, dass die Gegenwart, dass genau dieser Moment     ein Geschenk ist. 
Ich glaube, hilf meinem Unglauben…

Die kananitische Frau

17. Sonntag nach Trinitatis

13. Oktober 2019

Die Irritation

Samstag Nachmittag. Die junge Pfarrerin freute sich auf ein paar ruhige Stunden.
Zu dieser Zeit störte sie niemand und sie konnte in aller Ruhe ihre Predigt vorbereiten. 
Aber heute war sie unruhig, fahrig. Der Predigttext lag ihr schwer im Magen. 
Die Geschichte von der kananitischen Frau. 
Wie sollte sie diesen Text predigen, wo er sie selbst so sehr irritierte?
„Es ist nicht recht, den Kindern das Brot wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen.“ 
„Wie konnte Jesus so etwas sagen?“
„Wie konnte er eine Frau mit einem Hund vergleichen? 
Das ist Frauen verachtend!“ dachte sie.
„Und ich habe im Studium gelernt: Jesus war seiner Zeit weit voraus! Er hat die Frauen in seiner Umgebung ernst genommen. Zum Kreis der Jünger gehörten auch viele Frauen. Und nun diese Geschichte! Das passt doch überhaupt nicht. 
Wie soll ich ihm da noch glauben? Wie soll ich an ihn glauben? 
Und wie soll er da ein Vorbild für meine Gemeinde sein? Mit diesem Vorurteilen gegenüber ausländischen Frauen? Und dann heißt es in der Dogmatik: Christus, der ohne Sünde ist, ist für unsere Sünden gestorben. 
Aber so wie er mit dieser Frau umgeht, das ist doch eine klare Sünde! Nichts sonst! Wie soll ich das alles verstehen?
Ob ich vielleicht doch lieber einen anderen Text predige? Nein! Ich werde mich nicht drücken! 
Und vielleicht sind wir ja heute weiter – als Jesus zu seiner Zeit…“

Die trauernde Frau

In diesem Moment klingelt es an der Haustür. „Da willst du endlich mal in Ruhe arbeiten“ seufzt die Pfarrerin und geht zur Tür. 
Vor ihr steht die alte Frau Schulz. Sie kennt sie aus der Frauenhilfe. „Guten Tag Frau Schulz! Was führt sie zu mir? Kommen sie doch herein!“ 
„Frau Pfarrerin, mein Mann! Er ist heute ins Krankenhaus gekommen! Es geht zu Ende. Und“ – sie zögert einen Moment – „er ist ja nicht in der Kirche. Das lässt mir keine Ruhe. Würden Sie ihn trotzdem beerdigen?“

„Ach Frau Schulz, ich würde Ihnen ja gerne helfen!“ seufzt die Pfarrerin, „aber Sie müssen mich verstehen, ich habe auch meine Prinzipien. Schließlich wollte ihr Mann ja nichts mehr von der Kirche wissen. Er ist ausgetreten. Und ich muss auch an all die anderen denken, die ihr Leben lang treu und brav zu ihrer Kirche gestanden haben. Nein, es tut mir leid, aber ich kann ihren Mann nicht beerdigen.“
„O mein Gott!“ sagt Frau Schulz verzweifelt, „dann geht er ohne Segen von dieser Welt!“ 
Die Pfarrerin erschrickt. Doch sie verdrängt dieses Erlebnis ganz schnell. Die Predigt muss fertig werden! 

Die Auslegung der Väter. 

Und sie liest in den Auslegungen der Alten, der Glaubensväter und -mütter. Sie erfährt: In der alten Kirche und im Mittelalter wurde der Glaube vor allem als Tugend verstanden. Zum Glauben gehörten in dieser Zeit z.B. Bescheidenheit, Ehrfurcht, Vertrauen, vor allem aber: Demut! So schreibt Augustin zu diesem Text: „Hund hatte der Herr sie genannt. Sie sagte nicht: „Ich bin es nicht!“  sondern sie sagte: „Ich bin es!“[1]
Ein Beispiel für Demut? Dachte unsere Pfarrerin, vielleicht ist diese Erklärung gar nicht so schlecht. Ein bißchen Demut würde manch einem von meinen Zuhörern auch ganz gut zu Gesicht stehen. 
Aber trotzdem! Jesus kann und darf eine Frau nicht mit einem Hund vergleichen! Er kann doch nicht erwarten, dass ein Mensch sich so unterwürfig wie ein Hund verhält!“ 
Sie sucht weiter nach Auslegungen dieses schweren Textes. 
Was sagte Martin Luther zu dieser Geschichte?
In der Reformation wird der Glaubestatt der Demutzum Zentrum der Geschichte. 
Martin Luther sagt: Diese Geschichte ist ein wunderbares Beispiel für den Glauben gegen den Augenschein. „Christus stellt sich hier so, wie das Herz es fühlt. Das Herz meint, es ist lauter Nein, also die reine Ablehnung da. Aber das ist nicht wahr. Darum muss sich das Herz von seinem eigenen Gefühl abwenden und das tiefe heimliche Ja unter und über dem Nein mit festem Glauben auf Gottes Wort fassen und halten, so wie diese Frau es tut.“[2]
Der Glaube gegen den Augenschein. 
Ein schöner Gedanke,“ denkt die Pfarrerin. „Auch wenn du glaubst, Gott ist ganz weit weg. Wenn du meinst er lehnt dich ab und hilft dir nicht. Seine Hilfe ist doch ganz Nahe.“ 
Vielleicht sollte ich hier meinen Schwerpunkt setzen. 
Doch dann schüttelt sie energisch den Kopf. „Ich will mich nicht drücken! Jesus vergleicht eine Frau mit einem Hund! Wie soll ich damit umgehen? 
Wie kann ich ihm da glauben? 
Wie kann ich glauben, dass er ohne Sünde ist? 
Wie kann ich seiner Lehre folgen?
Das ist die alles entscheidende Frage!

Die Zweifel

Sie findet einfach keinen Einstieg in ihre Predigt. Doch das liegt nicht nur an dieser Geschichte. Sie muss die ganze Zeit auch an die alte Frau Schulz und ihren todkranken Mann denken. Hatte sie sich zu schroff benommen? Nein! Sie hatte nur nach ihrer Überzeugung gehandelt! Aus tiefstem Herzen! Ausgetretene haben sich nun mal von der Kirche abgewendet! Die wollen doch nichts mehr mit uns zu tun haben! Die haben doch selbst Schuld! Ich lasse mich doch nicht ausnutzen! Außerdem ist es Ungerecht gegenüber unseren Mitgliedern! Es ist nicht richtig, dass ich meine Zeit für Ausgetretene verwende, wo ich noch nicht einmal genug Zeit für unsere eigenen Leute habe!“
Sie stockt. 
„Ich argumentiere genau wie Jesus,“ denkt sie, „die eigenen Leute sind mir lieb und teuer. Die anderen können mir gestohlen bleiben. Und wenn die Not noch so groß ist…“ 
Sie kann Jesus jetzt besser verstehen. 
Sie kann ihn verstehen, aber sie ist nicht einverstanden.
Wie soll einer ohne Sünde sein, der eine Frau mit einem Hund vergleicht?
Wie soll sie sich ihn zum Vorbild nehmen?

Überlegungen zum Text

Sie grübelt weiter: 
Jesus vergleicht die Frau mit einem Hund. 
Sie nimmt sein Urteil an. 
Sie ist demütig, okay. 
Sie glaubt?
Vielleicht. Vielleicht glaubt sie an die Macht des Wunderheilers. Und darum unterwirft sie sich so demütig. 
Warum hilft Jesus ihr?
Weil sie so laut schreit?
Nein! Von ihrem Schreien lässt er sich nicht beirren.
Weil er seine Vorurteile überwindet?
Nein, denn dann müsste er sich für seinen schlimmen Vergleich entschuldigen.
Jesus sagt zu ihr: „Du hast ein großes Vertrauen Frau! Was du willst soll geschehen!“ 
Worauf vertraut sie?
Auf diesen harten und unnachgiebigen Mann? 
Vielleicht.
Vielleicht glaubt sie aber noch viel mehr auf die Macht der Liebe, die in ihm wirkt. 
Die Liebe Gottes, die mächtiger ist auch als Vorurteile Jesu.
Vielleicht ist die Liebe Gottes der Schlüssel zum Geheimnis dieser Geschichte.
Jesus ist ohne Sünde, das könnte bedeuten: er traut der Liebe mehr als seinem eigenen Herzen und seinem eigenen Verstand. 
Die Liebe schwemmt alles weg, was ihn von Gott trennt. Darum ist er sein Sohn. Darum ist er ohne Sünde. 
Und in diesem Vertrauen kann er mir ein Vorbild sein: Die Liebe Gottes ist größer als meine Vorurteile, als meine ängstliche und verengte Sicht der Welt. 
Ja, denkt sie, so kann es gehen. In diese Richtung kann ich predigen. 
Jetzt kann ich anfangen, meine Gedanken aufzuschreiben.
Aber erst muss ich noch etwas erledigen.
Sie greift zum Telefonhörer.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist denn alle Vernunft, bewahre eure Sinne und Herzen in Christus Jesus. 

Amen. 


[1]Nach Luz Mt Ev II, 431ff

[2]ebd. 432

Was weiß ich wirklich?

Eine alte Legende erzählt von vier blinden Weisen.
Ihr König bittet sie: „Findet heraus, was ein Elefant ist!“
Sie machen sich sofort auf den Weg und ertasten das Tier.
Als sie wieder zum König kommen, sagt der erste Weise:
„Ein Elefant ist wie ein langer Arm!“
„Unsinn! Ein Elefant ist wie ein riesiger Fächer!“ sagt der zweite.
Der Dritte meint: „Nein! Ein Elefant ist wie eine dicke Säule!“ 
Der vierte Weise behauptet: „Gar nicht wahr! Ein Elefant ist wie eine Schnur mit Haaren am Ende!“
Die Weisen fangen an, sich heftig zu streiten. 
„Hört auf!“ ruft der König,  
„Nun weiß ich, was ein Elefant ist:
Ein Elefant hat einen Rüssel wie einen langen Arm. 
Er hat Ohren wie riesige Fächer, 
Beine wie dicke Säulen und einen Schwanz wie eine Schnur.
Ich danke euch!“
Da werden die Weisen still.
Sie haben verstanden. 
Jeder hatte nur einen Teil des Elefanten ertastet – und jeder hatte gedacht, er kennt die ganze Wahrheit.
Ich denke, mit unserem Glauben, mit dem, was wir „Gott“ nennen, ist es genauso. 

Smartphone und Schokolade

„Gott begegnest du nur in der Stille.“ 
Das sagen zumindest viele spirituelle Lehrer.
Doch in die Stille kommen ist unglaublich schwer.
In einem Versuch bat man die Teilnehmer: „Setzen Sie sich für 15 Minuten in diesen Raum und tun Sie einfach mal gar nichts.“ 
Nur eines war den Testpersonen erlaubt: Auf dem Tisch stand ein großer, roter Button. Den konnten sie jederzeit drücken – allerdings bekamen sie dann einen Stromstoß. 
Das durften sie vorher schon mal ausprobieren und der Stromstoß war so schmerzhaft, dass die meisten sagten: „Das Ding fasse ich nie wieder an!“ 
Dann saßen sie allein im Zimmer. 
Stille. Fünfzehn lange Minuten nichts als Stille.
Und was geschah? Ein Viertel der weiblichen und zwei Drittel der männlichen Versuchsteilnehmer drückten mindestens einmal auf den roten Button. 
Es ist so: Wir können Stille nur schwer aushalten, müssen immer was tun. Kein Wunder, dass wir unser Smartphone so lieben:
Das Ding liegt wie eine Stück Schokolade auf dem Esstisch. Wenn mir langweilig wird, greife ich zu – mal sehen, ob wer geschrieben hat, wie das Wetter wird…

Ich lege das Smartphone ab und zu ganz bewusst beiseite. Halte es aus, mal nichts zu tun. Genieße die Stille.