Schlagwort: Ethik

Wenn dein Kind dich fragt…

Emmy hat zu ihrem vierten Geburtstag eine Kinderbibel bekommen.
Sie blättert darin und bleibt bei einem Bild hängen: Mose hat die Zehn Gebote bekommen, er trägt die zwei Steintafeln in der Hand. 
„Das sind aber komische Tablets!“ meint sie. 
Verrückt, oder?
Das erste Tablet kam vor gut acht Jahren auf den Markt. Heute ist es das Tor zur Welt.
Wo soll das noch hinführen?Wenn die Jugendlichen uns fragen: „Was ist wichtig für unsere Zukunft?“ 
Was sollen wir antworten?
Der Historiker Yuval Noah Harari meint: „Ich würde den Jugendlichen raten: Hört nicht auf die Erwachsenen! Sie meinen es sicher gut mit euch. Aber sie kommen einfach nicht mehr mit. Die Entwicklung ist zu schnell und zu unübersichtlich.“
Er hat recht. Wir können der nächsten Generation nicht sagen, was sie tun und was sie lassen soll. Das sollten wir uns auch gar nicht anmaßen. 
Kein Mensch weiß, was kommt.
Aber trotzdem. Wenn ein junger Mensch mich fragt, was ist wichtig für mein Leben, dann würde ich antworten:
„Die Haltung. Sei nicht nur für dich selbst da, sondern auch für andere. Mach dir klar: Dein Leben hat einen Sinn – und überleg dir immer wieder welchen. Setz dich für andere ein – für Menschen, Tiere und Pflanzen, für alles, was lebt. Dein Leben ist ein Geschenk. Mach was draus! Für dich und für uns. 
Dann bist du gesegnet. 

Geben

Er ist nicht mehr der jüngste und er ist vermögend.
Sein Geld gibt er für den Erhalt alter Gebäude aus. Und er fördert Künstler, hat immer wieder Ideen für neue Projekte.
Wir haben gemeinsam eine Ausstellung in unserer Kirche organisiert. Es war wie immer eine Menge Arbeit, aber nun ist es geschafft. Die Ausstellung ist toll geworden: riesige Gemälde vom Meer, Wellen und Strand.
Nach der Eröffnungsfeier sitzen wir noch eine Weile zusammen.
„Warum tun Sie sich das eigentlich an?“ fragt ihn einer der Gäste. „Dieser ganze Stress! Sie haben doch genug gearbeitet! Jetzt könnten Sie es doch endlich mal ein bisschen ruhiger angehen lassen, das Leben genießen.“
Er lächelt: „Ich mache das, um Sie kennenzulernen.“
Der Gast runzelt die Stirn.
„Schauen Sie“ fährt er fort: „Ich habe Sie in die Ausstellung eingeladen und Sie sind gekommen.
Was meinen Sie, hätten Sie das auch gemacht, wenn ich Ihnen gesagt hätte: Kommen Sie mal zu mir nach Hause, ich will Ihnen mein tolles Sparbuch zeigen?“
Wer teilt, hat mehr vom Leben.
Oder, wie Jesus sagt: Geben ist seliger denn nehmen.

 

Nehmt einander an…

„Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zum Lobe Gottes“
Das ist die Jahreslosung für 2015. Was das heißen kann habe ich bei Jorge Bucay gefunden:

Ich will – Quiero – von Jorge Bucay


Ich will, dass du mir zuhörst, ohne über mich zu urteilen.

Ich will, dass du deine Meinung sagst, ohne mir Ratschläge zu erteilen.

Ich will, dass du mir vertraust, ohne etwas zu erwarten.

Ich will, dass du mir hilfst, ohne für mich zu entscheiden.

Ich will, dass du für mich sorgst, ohne mich zu erdrücken.

Ich will, dass du mich siehst, ohne dich in mir zu sehen.

Ich will, dass du mich umarmst, ohne mir den Atem zu rauben.

Ich will, dass du mir Mut machst, ohne mich zu bedrängen.

Ich will, dass du mich hältst, ohne mich festzuhalten.

Ich will, dass du mich beschützt, aufrichtig.

Ich will, dass du dich näherst, doch nicht als Eindringling.

Ich will, dass du all das kennst, was dir an mir missfällt-
 dass du all das akzeptierst… versuch es nicht zu ändern.

Ich will, dass du weißt, dass du heute auf mich zählen kannst…
Bedingungslos.

Göttliche Ethik?

Hallo T,
entschuldige, dass ich mich erst heute melde. Gerade so viel los…
Du schreibst, bei Euch im Unterricht geht es vor allem um Ethik. Um die Frage, ob es eine göttliche Ordnung im Zusammenleben der Menschen gibt.
Was glaubst du denn? Gibt es so etwas? Einen Verhaltenskodex, der für alle gilt? Die Zehn Gebote oder etwas ähnliches? Und wenn ja, ist das etwas Göttliches oder eher das Produkt menschlicher Intelligenz? Beste Grüße und ein schönes Wochenende
Dein Friedhelm