Schlagwort: Religion

Tu was!

„Wenn es dir schlecht geht, dann tu was! Egal was, aber tu was!“
Diesen Rat gibt Eckhardt von Hirschhausen in seinem Gesundheitsbuch.
Stimmt: Wenn es mir schlecht geht, ist es das Schlimmste, wenn ich mich in die Ecke setze und Trübsal blase. Am besten gehe ich dann raus, treffe mich mit Freunden. Noch besser: Ich erzähle ihnen von meinem Kummer! Das löst meine Probleme nicht, aber es macht sie ein kleines bisschen leichter. Das hilft fast immer!
Aber das ist nicht der einzige Weg. Mir tut es auch gut, mal in mich zu gehen, mich fallen zu lassen, der Sache auf den Grund zu gehen. Ablenkung ist gut, aber es ist eben Ablenkung.
Es gibt noch einen anderen Weg.
In der Bibel wird die Geschichte von Hiob erzählt. Ihn trifft schweres Unglück. Er verliert alles, was ihm wichtig ist und was er liebt. Haus und Hof, Familie und Gesundheit. Und dann sitzt er da und schweigt. Sieben Tage lang versucht Hiob den Dingen auf den Grund zu gehen. Aber – und das ist ganz wichtig – dabei ist Hiob nicht allein. Seine Freunde kommen. Sie halten seinen Kummer aus, suchen nach Worten und schweigen mit ihm.
Wenn du weißt, dass dein Freund leidet, dann tu was: Dann geh hin und steh ihm bei. Ob du dann besser schweigst oder redest – das wirst du schon spüren. Beides kann ein Segen sein.

Gott?

Gott?

 

„Glauben Sie an Gott?“
Das fragt in der Krankenhausserie „In aller Freundschaft“ ein 16jähriger, schwer kranker Junge den Chefarzt. „Nein!“ antwortet der sofort. Dann sagt er zögernd: „Aber ich hatte mal eine Nahtoderfahrung. Seitdem bin ich mir nicht mehr so sicher, ob da wirklich nur Synapsen und Hormone am Werk sind..“
Der Arzt glaubt, dass da etwas sein könnte, etwas Großes, das er nicht in Worte fassen kann – aber der Begriff „Gott“ passt nicht.
So geht es vielen Menschen. Sie sind auf der Suche, haben eine Ahnung – aber das Wort „Gott“ löst bei ihnen Unbehagen aus. Sie meinen: „Wenn ich an „Gott“ glaube, dann kaufe ich ein uraltes, vollmöbliertes Haus. Ich kann einziehen. Aber für meine eigenen Vorstellungen und Gedanken ist kein Platz. Wenn du mich fragst, ob ich an Gott glaube, nagelst du mich fest.“
Das geht auch meinen Konfis so. Die sagen dann: „Ich glaube nicht, dass Gott die Welt an sieben Tagen erschaffen hat.“ Sie ganz erstaunt, wenn ich ihnen antworte: „Ich auch nicht.“
Für mich ist die Geschichte von der Erschaffung der Welt kein Tatsachenbericht. Sie ist ein Bild für die Quelle der Liebe, aus der alles entspringt.
Glauben ist nicht Wissen. Glauben ist suchen, tasten. Das ist mühsam, aber ich kann auch nicht damit aufhören. Die Frage nach dem, was alles trägt wird mich immer begleiten. Ich werde immer suchen.
Und die Bibel? Sie erinnert mich: Der Name Gottes ist unaussprechlich, viel zu groß für meinen Verstand. Ich soll mir auch kein Bild machen von dem, was wir „Gott“ nennen. Die Bibel ist voller Geschichten und Weisheiten. Das sind Samen, die mir ins Herz gelegt werden. Was daraus wird, liegt nicht bei mir. Manches wird blühen – anderes erreicht mich gar nicht.
Ich suche – und werde gefunden.

Die Sprache Gottes

„Gott hat viele Sprachen. Eine davon ist die Musik“

(David Foster Wallace).

Sie war krank. Fünfzehn lange Jahre. Die Familie hat sich gekümmert, ist bis an die Grenzen gegangen. Zuletzt saß sie im Rollstuhl, konnte nichts mehr, diese einst so blühende Frau, Mutter, Schwester und Freundin. Und nun heißt es Abschied nehmen. Ein Lied aussuchen, das zu ihr passt. Reinhard Mey hat sie immer gern gehört. Seine Alben haben wir immer noch für sie gespielt, bis zum Schluss. Wir hören noch mal rein. „Gute Nacht Freunde…“ Schon bei den ersten Klängen öffnen sich bei mir alle Schleusen, „es wird Zeit für mich zu gehen.“  Der Schmerz, die Trauer, alles bricht raus. Ich habe das Gefühl, Reinhart Mey hat das Lied nur für sie geschrieben. Ich sitze wieder in ihrem verwunschenen Garten. Sie ist mir ganz nah, die große Gastgeberin, die warmherzige Freundin, die immer ein offenes Ohr für mich hat, eine Zigarette und natürlich ein letztes Glas im Stehen. Die letzten fünfzehn Jahre, die Krankheit, all das Leid, sind für einen Moment wie weggefegt. Sie ist wieder da, diese tolle Frau, die mir so viel gegeben hat. Dieser Moment tut so weh und so gut.
„Gute Nacht Freunde…“ wie oft habe ich das schon gehört und nichts ist passiert. Jetzt zerreißt es mich.
Die Musik entfaltet eine ungeheure Kraft. Sie weckt Gefühle, Erinnerungen, entführt in eine andere Welt. Du kannst das nicht steuern. Mal dringt sie dir tief ins Herz, mal erreicht sie dich gar nicht. Du kannst ihre Wirkung auch nicht einfach wiederholen, weißt nie, was beim nächsten Hören geschieht. Musik ist wunderschön und unverfügbar. Sie trägt dich in ungeahnte Höhen und stürzt dich in tiefste Tiefen.
Ja, Musik ist die Sprache Gottes.

 

 

Bethlehem oder: Worum es wirklich geht

 

Eine Szene aus dem Film „Aufbruch:“
Frühe 60er Jahre. Eine junge Frau in ärmlichen Verhältnissen. Sie lernt fürs Abitur im Gartenschuppen, will unbedingt studieren. Doch dafür wird das Geld nicht reichen. Da verliebt sie sich in einen jungen Mann. Er ist sehr nett und charmant, liest ihr jeden Wunsch von den Augen ab. Sie ist im siebten Himmel. Der junge Mann ist reich, sehr reich. Nach langem Zögern lädt sie ihn zu sich nach Hause ein. Er soll ihre Eltern kennenlernen und die Großmutter. Die wohnt auch in der viel zu kleinen Wohnung.
Nach dem Besuch sagt er zu ihr: „Ich hole dich da raus! Du hast was Besseres verdient!“
Sie macht sofort Schluss.

Bethlehem.
Versuch nicht, jemanden „da raus“ zu holen. Sei einfach da, wie die Heiligen Drei Könige. Schenk dich. Gib, was du kannst. Doch stell keine Bedingungen. Begegne auch dem Ärmsten mit Respekt. Lass ihm seine Würde. Und sein Leben.

Göttliche Ordnung?

Hallo Friedhelm,
wie siehst du als Theologe eigentlich die göttliche Ordnung?
Das haben wir grad im Religionsunterricht.
Bzw. die Frage nach der göttlichen Ordnung?
Liebe Grüße
T.

Kleine Anfrage – tja, was antworte ich da? Hat jemand eine Idee?