Das Goldene Kalb

Meine Predigt für heute.

DAS GOLDENE KALB UND MOSES FÜRBITTE

2. Buch Mose 32, 1-14
Das goldene Kalb.

Die Geschichte ist uns allen bekannt. Der Tanz um das goldene Kalb ist sprichwörtlich geworden. Doch ich habe mich lange Zeit gefragt: Warum ist Gott so zornig? Was soll das eigentlich?
Was ist denn daran so schlimm, daß sie sich ein Abbild machen und es vor sich hertragen?
Es ist nicht Gott selbst, gut. Aber was kann das schon groß schaden?
Erst jetzt, erst bei der Vorbereitung für diese Predigt ist mir klar geworden, warum Gott so zornig ist., warum er sein Volk sogar vernichten will.
Es ist nicht so sehr das Kalb.
Es ist die Vermischung von Gott und Kalb.
Aaron sagt: „Morgen ist des Herrn Fest.“
Er will mit dem Kalb ein Fest Gottes feiern. Er glaubt ernsthaft: Gott ist im Gold. Er meint, man könnte beides gleichzeitig haben, den Glauben an den lebendigen Gott und den Glauben an das Gold. Dahinter steckt der Glaube: Was wir bis jetzt mit Gott erlebt haben, was wir von ihm gelernt haben, was wir von ihm wissen, das können wir irgendwie einbauen in unsere neue Sicht der Welt.
Gott und Gold müssen sich nicht widersprechen. Sie werden verschmolzen.
Das ist der eigentliche Grund für den Zorn Gottes. Denn sie wissen nicht was sie tun. Sie wissen nicht, was sie tun, wenn sie meinen, sie könnten Gott so einfach kaufen, wenn sie meinen, er ist im Gold.
Jesus sagt: „Du kannst nicht Gott und dem Mammon dienen.“
Er stößt die Tische der Händler im Tempel um. Er wird zum Werkzeug des Zorns Gottes.
Der Tanz um das goldene Kalb.
Und Gott wird zornig. Er wird zornig auf die Menschen, die meinen, man könnte ihn kaufen. Er wird zornig auf die, die morgens das Vater unser beten und dann den ganzen Tag nur daran denken, wie sie möglichst schnell möglichst viel Geld verdienen können. Er wird zornig, weil sie den Widerspruch nicht einmal merken. Weil sie meinen: „Das ist schon alles in Ordnung so. Ich kriege das schon alles unter einen Hut! Vergebung brauchen die anderen, nicht ich!“
Gott will sein Volk vernichten.
Wie sollte er nicht, nach allem, was er für sie getan hat?
Er hat ihnen Leben und Freiheit geschenkt, doch sie können nicht damit umgehen.
Das Kalb ist fertig. Was werden sie als nächstes machen?
Sie werden Menschen aussondern, die dieses Kalb tragen müssen, quer durch die Wüste. Sie werden diesen Menschen sagen: „Es ist eine Ehre, daß du das darfst! Sei froh, daß du für unser Kalb deine Gesundheit ruinieren darfst! Sie werden das Kalb mit Schmuck behängen, daß es immer schwerer wird und die Last für die Träger immer größer. Sie werden nicht mehr nach dem richtigen Weg fragen, sie werden nur noch auf das goldene Kalb starren. Jeder wird möglichst nahe dran sein wollen, um etwas von seinem Glanz abzubekommen. Sie werden im Kreis herumziehen, immer hinter dem Goldenen Kalb her. Sie wollen gar nicht mehr in das gelobte Land.
Die Wüste wird ihr zu Hause. Die Wüste, so gelb wie das Gold.
Und sie werden beten, so wie sie es gelernt haben; aber nicht mehr zum lebendigen Gott, sondern zum toten Kalb.
Rogate, heißt der heutige Sonntag, Betet!
Aber beten und beten ist nicht dasselbe. Es kommt auf den Adressaten an. Und nur weil ich Gott sage, meine ich noch lange nicht den lebendigen Gott, den Vater Jesu Christi.
Ich erkenne mich wieder in diesem Volk bei seinem Tanz ums Goldene Kalb. Oft genug bin ich einer von ihnen in meiner Begeisterung für die Technik, in der Sorge um mein Konto, in meiner scheinbar so gläubigen Gottvergessenheit.
Gott ist zornig auf sein Volk.
Er will es vernichten.
Wie sollte er nicht?
Und Mose betet für sein Volk; für all die Menschen, die ihm so viel Kummer machen.
Dabei bekommt er doch ein großes Angebot. „Laß uns Schluß machen mit diesem Volk, laß uns einen ganz neuen Anfang machen, nur du, Mose, hast es verdient!“
Ich sehe viele Parallele zu uns heute. Der Tanz um das goldene Kalb wurde vielleicht noch nie so begeistert, so besinnungslos getanzt. Wir sind auf dem besten Wege, diese Welt zu einer Wüste zu machen, unbewohnbar für Mensch und Natur. Wir setzen alles auf die Karte Gold – und wissen eigentlich schon, so kann es nicht weitergehen. Doch wir können uns nicht ändern.
Aus dem Mittelalter ist uns ein rätselhaftes Phänomen überliefert: der Feixtanz. Menschen begannen ohne ersichtlichen Grund plötzlich zu tanzen und sie konnten einfach nicht wieder aufhören, bis sie tot umfielen. Und keiner weiß, warum das so war. Manchmal habe ich das Gefühl, in unserer Gesellschaft ist das so ähnlich. Wir tanzen um das goldene Kalb, bis nichts mehr geht.
Gott ist zornig auf sein Volk.
Er will sie vernichten.
Doch Mose betet für sie. Mose betet nicht für eine Idee vom Menschen, für einen Menschen, wie er sein sollte. Er betet auch nicht für die Gerechten. Mose betet für die Schwachen und Verführbaren, für die bösartigen und wankelmütigen. Mose betet für die, die so viel lieber an das goldene Kalb glauben als an den lebendigen Gott.
Mose bittet Gott für die Menschen, die er liebt.
Und er erinnert Gott an die wenigen Gerechten, an die wenigen Zeugen des Glaubens: Abraham, Isaak und Jakob. Um ihretwillen – laß sie leben.
Das ist das Gebet des Glaubens, die Fürbitte. Wir beten für Menschen, nicht weil sie so gut sind, sondern weil sie die Hilfe Gottes brauchen. Wir schließen uns nicht denen an, die meinen, es ist sowieso alles zu spät, mit diesen Menschen ist die Welt nicht zu retten. In der Fürbitte erinnern wir Gott an seine Liebe, an seine grundlose Liebe. Und wir wissen gleichzeitig: es betet jemand für uns.
Doch Mose betet nicht nur. Er bekämpf die falschen Götter.
Als er vom Berg kommt, wirft er das goldene Kalb ins Feuer.
Herr gib uns Kraft und Mut zu beidem:
zum Gebet für die Menschen und zum Kampf gegen das Goldene Kalb in den Köpfen und Herzen der Menschen.
Amen.

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3 Gedanken zu “Das Goldene Kalb

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