Valentin und die Blumen

Wort zum Sonntag für die Braunschweiger Zeitung.

Es gibt viele Vorstellungen von der Liebe:
Ewig soll sie sein, wie der Ring, den ich dir an den Finger stecke, ohne Anfang und ohne Ende. Unvergänglich soll sie sein, wie sein Gold. Keine Liebe ohne den Wunsch nach Ewigkeit. Das wollen wir versuchen. Das versprechen wir uns. Was wäre eine Hochzeit ohne Ringwechsel?
Aber auch bunt soll die Liebe sein. Was wäre sie ohne die Blumen? Wie sie zur christlichen Hochzeit kamen erzählt eine alte Legende:
Der Heilige Valentin hat im Römischen Reich Paare christlich getraut, obwohl das streng verboten war. Sicher hat er dabei auch aus der Bibel vorgelesen, aus dem Hohelied der Liebe des Apostel Paulus: „Die Liebe hört niemals auf.“
Doch Valentin hat gewusst: Neben der Ewigkeit braucht die Liebe auch das andere: Sie soll bunt und lebendig sein, leicht und voller Poesie. Sie soll halten, aber sie ist nicht aus Gold geschmiedet, sondern zart und manchmal auch zerbrechlich. Das hat er ganz ohne Worte zum Ausdruck gebracht. Valentin hat den Paaren zur Hochzeit Blumen geschenkt. Nichts kann die leichte, verletzliche Seite der Liebe besser zum Ausdruck bringen als Blumen.
Ein Blumenstrauß ist einzigartig, egal, ob du ihn kaufst oder auf der Wiese pflückst. So wie jede Liebe. Jede Blume spricht ihre eigene Sprache: die Rose steht für die ewige Liebe, die Tulpe für das Leben, die Lilie für das Licht. Blumen können stachelig sein, oder empfindlich wie Mimosen. Blumen brauchen viel Pflege, aber kein Mensch kann sie zum blühen bringen – so wie die Liebe.
Und ja, die Liebe muss auch vergänglich sein wie die Lilien auf dem Felde, damit sie immer wieder neu werden kann.

Friedhelm Meiners, Pastor an St. Martini

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