„Wenn ich Plattdeutsch spreche, bin ich meinem Herzen näher“ sagt Andrea.
Andrea spricht hier auf NDR1 Niedersachsen plattdeutsche Andachten:
„Dat kannst mi glöven!“
Ich beneide sie um ihre Herzenssprache.
Plattdeutsch klingt so warm, als käme es direkt aus dem Herzen.
Es ist übrigens kein Dialekt, es ist eine eigene Sprache, eine Muttersprache.
Was ist meine Herzenssprache?
Na ja, bei mir sind es eher Gedichte, Gebete, die sind meinem Herzen nahe.
Zum Beispiel der 23. Psalm:
„Der Herr ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln…“
genau in dieser alten Sprachmelodie.
Sicher, moderner wäre:
Gott ist mein Hirte, mir wird nichts fehlen…
Aber das wäre meinem Herzen nicht so nahe.
„Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal fürchte ich kein Unglück…“
Wenn ich das genauso höre, dann fühle ich mich getröstet – dann bin auch ich meinem Herzen näher.
Monat: Juni 2026
Die Seelsorgerin
Der Mann vor mir an der Wursttheke kommt überhaupt nicht zu Potte.
„Was? 3,90 € für 100 Gramm Mortadella? Also nein! Letzte Woche hat die noch 3,17 € gekostet!“
„Nein, dann nehme ich die nicht!“
Geduldig legt die Verkäuferin die Wurst zurück.
„Zwei Wiener Würstchen sagten Sie?“
„Ach, ich nehm‘ doch nur eins … Und von der Mortadella doch drei Scheiben oder… nein geben Sie fünf.“
Als ich endlich dran bin, rolle ich mit den Augen.
Doch die Verkäuferin lächelt nur traurig: „Wissen Sie, er kommt jeden Tag. Ich glaube, er ist sehr einsam…“
Da schäme ich mich ein wenig; eigentlich habe ich es ja auch überhaupt nicht eilig.
Ich denke: „Diese Verkäuferin ist eine wahre Seelsorgerin. Sie sorgt sich um die Seele ihrer Kunden.
Sie gibt, was sie geben kann: ein wenig Geduld.