Die Seelsorgerin

Der Mann vor mir an der Wursttheke kommt überhaupt nicht zu Potte.
„Was? 3,90 € für 100 Gramm Mortadella? Also nein! Letzte Woche hat die noch 3,17 € gekostet!“ 
„Nein, dann nehme ich die nicht!“ 
Geduldig legt die Verkäuferin die Wurst zurück. 
„Zwei Wiener Würstchen sagten Sie?“ 
„Ach, ich nehm‘ doch nur eins … Und von der Mortadella doch drei Scheiben oder… nein geben Sie fünf.“ 
Als ich endlich dran bin, rolle ich mit den Augen.
Doch die Verkäuferin lächelt nur traurig: „Wissen Sie, er kommt jeden Tag. Ich glaube, er ist sehr einsam…“
Da schäme ich mich ein wenig; eigentlich habe ich es ja auch überhaupt nicht eilig. 
Ich denke: „Diese Verkäuferin ist eine wahre Seelsorgerin. Sie sorgt sich um die Seele ihrer Kunden.
Sie gibt, was sie geben kann: ein wenig Geduld.

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