Schlagwort: Segen

Von Engeln

„Er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.“ 
Diesen Satz aus den Psalmen mag ich sehr:
Ich bin behütet, auf allen Wegen meines Lebens, egal, was kommt. Behütet von geheimnisvollen Kräften, wir nennen sie Engel.
Meine Lieblingsengelgeschichte ist die von Sarah und Abraham. Die beiden haben ihren sehnlichsten Wunsch gerade begraben. Sie wollten so gern ein Kind. Doch jetzt ist ihnen endgültig klar: Das wird nichts mehr. Sarah und Abraham gehen durch ein tiefes Tal. 
Da bekommen sie Besuch. Drei Fremde sind für einen kurzen Moment bei ihnen zu Gast. Und die prophezeien das Unmögliche: „Ihr werdet noch ein Kind bekommen!“ Sarah kann nur den Kopf schütteln und lachen. Wie soll das gehen? Aber es wird wahr. Sie bekommen einen Sohn. Isaak. Ihr Leben blüht neu. 
Ich finde meine Lieblingsengelgeschichte passt gut in unsere Zeit. Menschen begegnen sich für einen kurzen Moment. Sie kommen einander nicht wirklich nahe, müssen Abstand halten. Aber sie werden zu Engeln, zu Boten der Liebe Gottes. 
Engel sind in der Bibel oft Menschen. Menschen, die Mut machen und dann weiterziehen. Und er hat auch mir befohlen, ein Engel zu sein. Ich darf da sein für die Menschen, die er mir anvertraut.

Glücklich sein

Menschen wollen vor allem eins: glücklich sein.
Ist das nicht egoistisch und selbstbezogen? 
Ich glaube nicht.
Wenn ich unglücklich bin, dann läuft gar nichts, dann werde ich unausstehlich, dann kreisen meine Gedanken nur um mich selbst. Ich bin zu nichts zu gebrauchen…
Aber wenn ich glücklich bin, dann bin ich kreativ, dann bin ich auch offen für die Sorgen und Nöte der anderen. Wenn ich glücklich bin, kann ich viel besser zuhören.
Glücklich sein ist wichtig. Aber was macht mich wirklich glücklich?
Mit Schülerinnen und Schülern hat man folgendes Experiment gemacht:
Als sie morgens den Klassenraum betraten, hat man sie gebeten: „Vervollständige für dich selbst folgenden Satz: 
 „Ich bin froh, dass ich…“
Also zum Beispiel „Ich bin froh, dass Lea meine beste Freundin ist.“
Sie mussten den Satz fünfmal wiederholen. Die Atmosphäre in der Klasse war den ganzen Tag über gut.
Am folgenden Tag sollten sie einen anderen Satz zu vervollständigen und fünfmal zu wiederholen:
„Ich wäre lieber…“
Zum Beispiel: „Ich wäre lieber so cool wie Tom.“ 
Die Stimmung in der Klasse war an diesem Tag gereizt und schlecht. 
Ja, so ist das wohl: im Unglück vergleiche ich mich mit anderen – im Glück bin ich dankbar für das, was mir geschenkt ist. 

Gesegnetes Neues Jahr


Wir begegnen uns zufällig in der Fußgängerzone. 
Ein kurzes Hallo und ich wünsche dem jungen Mann ein gesegnetes neues Jahr. 
„Gesegnet?“  fragt er und lächelt resigniert: 
„Glauben Sie wirklich, es gibt einen Gott, der sich für mich interessiert?“ 
Der junge Mann hat ein schweres Jahr hinter sich. Beruflich und privat. 
Er ist sehr selbstkritisch. Er hat immer geglaubt: Wenn du dich anstrengst, wenn du alles richtig machst, dann wird alles gut. Gott kann er sich nur als jemanden vorstellen, der alles in Ordnung bringt. 
Ehe ich etwas erwidern kann, ist in der Menge verschwunden. 
Schade.  
Ich hätte ihn gern an Maria und Joseph erinnert. 
Was haben die beiden falsch gemacht? Hätten sie dem Befehl des Kaisers nicht gehorchen sollen? Hätte Joseph auf seinem Recht auf eine vernünftige Unterkunft für seine Frau pochen sollen? Naive Fragen, ganz klar. Aber so denken wir, damit alles seine Ordnung hat. Und wenn nicht, dann muss irgendeiner Schuld haben. 
Maria und Joseph ziehen voll Vertrauen nach Bethlehem. Sie werden Opfer von Willkür und Gleichgültigkeit. Und Gott befreit sie nicht aus ihrer Not. Im Gegenteil. Auf den Stall folgt die Flucht nach Ägypten. Aber ihr Glaube wird nicht erschüttert, er wird verwandelt. 
Sie begegnen dem Gott, der sich für sie interessiert.
Sie sehen ihn in den Hirten, die ihre Scheu überwinden und Maria und Joseph in ihrem Elend besuchen. Sie spüren seine Kraft in den drei Weisen aus dem Morgenland, die das Licht der Welt suchen und es finden in diesem wehrlosen Kind. 
Sie fragen nicht nach dem Warum. 
Sie feiern das Leben, mitten in Wahnsinn und Angst. 
Das ist die Geburt des Glaubens. 
Das ist Segen – und nicht der naive Glaube, es müsse alles glatt gehen im Leben. 
Das hätte ich dem jungen Mann gern erzählt, damit er weiß, was ich meine, wenn ich ihm wünsche:
Gesegnetes neues Jahr! 

Glücklich?

Andacht für NDR Radio Niedersachsen

Sie liegen in meiner Buchhandlung direkt neben der Kasse: Taschenbücher mit fröhlichen, bunten Einbänden: Sonnenblumen, Schäfchenwolken, das weite Meer oder eine mächtige Eiche. Lauter Ratgeber für ein glückliches Leben. Manchmal kann ich nicht widerstehen und greife zu. Aber das meiste ist nicht so toll. Es geht oft darum, das Schöne zu genießen und die lästigen Pflichten klein zu halten. Doch jetzt habe ich endlich mal einen Ansatz gefunden, der mich überzeugt.

Der Verhaltensforscher Paul Dolan sagt: Das Glück hat zwei Flügel: etwas Sinnvolles tun und Freude haben. Um glücklich zu sein, brauchst du beides. Aufgaben, die dich erfüllen und Dinge, die du einfach nur so tust, aus Spaß an der Freude. Nur Spaß haben macht das Leben hohl. Nur arbeiten auch.

Früher. Da haben wir Jugendlichen bei uns im Dorf beim Stroheinfahren geholfen. Jeden Tag bei einem anderen Bauern. Das war harte Arbeit. Aber am Abend wurde gefeiert. Wieder hatte eine Familie die Ernte unter Dach und Fach. Es war eine glückliche Zeit.

Wir sind glücklich, wenn wir eine sinnvolle Arbeit haben, etwas Gutes tun können. Und wir sind glücklich, wenn wir feiern, schöne Musik hören, uns an der Natur freuen. Das ist auch das Fundament meines Glaubens: Sorgt euch nicht – und sorgt euch sehr. Jesus betont beides. „Seht die Schwalben am Himmel,“ sagt er, „sie säen nicht, sie ernten nicht – und euer himmlischer Vater ernährt sie doch.“ Und auf der anderen Seite fordert Jesus dazu auf, sich zu engagieren, Sinnvolles zu tun. Zum Beispiel in dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter. Da wird einer überfallen, liegt halb tot im Straßengaben. Aber ein Handlungsreisender lässt alles stehen und liegen und hilft ihm.
Das ist es, was mich bei den meisten Ratgebern stört: Sie versprechen ein süßes, sorgloses Leben. Mir fehlt die Würze der Pflichten.
Ich glaube: Wer glücklich sein will, braucht eine Mischung aus sorglos und sinnvoll, aus Arbeit und Freude.

Glücklich?

Glücklich?
Was macht uns glücklich?
Zu diesem Thema kann man unglaublich viel lesen. Jetzt habe ich endlich mal einen Ansatz gefunden, der mich überzeugt. Der Verhaltensforscher Paul Dolan sagt: Das Glück hat zwei Flügel: etwas Sinnvolles tun und Freude haben. Du brauchst beides: Aufgaben, die dich erfüllen und Dinge, die du einfach nur so tust, aus Spaß an der Freud. Nur Spaß haben macht das Leben hohl. Aber nur arbeiten eben auch.
Wir sind glücklich, wenn wir eine sinnvolle Arbeit haben, etwas Gutes tun können – und wenn wir feiern, schöne Musik hören, uns an der Natur freuen…
Das ist auch das Fundament unseres Glaubens: Sorgt euch nicht – und sorgt euch sehr.
Im Grunde sagt Jesus immer beides. Nehmt dankbar an, was euch geschenkt wird. Und gebt, was ihr könnt.
Bei uns im Dorf haben wir Jugendlichen damals beim Stroheinfahren geholfen. Jeden Tag bei einem anderen Bauern. Das war harte Arbeit. Aber jeden Abend wurde gefeiert. Wieder hatte eine Familie die Ernte unter Dach und Fach. Es war eine glückliche Zeit.
Wer nichts Sinnvolles zu tun hat ist arm dran. Wer keine Freude hat auch.
Jesus erzählt ständig Geschichten, die beides betonen, Pflicht und Freude:
„Seht die Schwalben am Himmel,“ sagt er, „sie sähen nicht, sie ernten nicht – und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Macht euch keine Sorgen.“
Und auf der anderen Seite erzählt er das Gleichnis vom barmherzigen Samariter: Ein Mann lässt alles stehen und liegen, um einem zu helfen, der unter die Räuber gefallen ist.
Wer glücklich sein will braucht die richtige Mischung aus sorglos und sinnvoll, aus Arbeit und Freude.

Segen der Technik

Andacht auf NRD 1 Niedersachsen Donnerstag, 13.02.14

Als Christine zum Studium nach München geht, ist ihre Oma in Braunschweig sehr traurig. „So weit weg! Da hören wir ja gar nichts mehr von einander!“ „Ach Oma“, sagt Christine, „das ist doch heute kein Thema mehr! Wir skypen!“
Und so ist es gekommen. Jeden Mittwochabend schaltet die Oma ihren PC an, klickt auf ein Programm – und schon sieht sie ihre Enkelin auf dem Bildschirm und kann mit ihr reden, manchmal stundenlang. „Ist schon verrückt“, denkt Christines Oma. „Wir sind uns näher als früher – dabei ist sie so weit weg.“ Ihr Mann schaut ihr nur ab und zu misstrauisch über die Schulter. „Dieser neumodische Kram!“, sagt er: „Das ist nichts mehr für mich.“

„Erfindet euch neu! Eine Liebeserklärung an die vernetzte Generation.“
So heißt ein Buch des französischen Philosophen Michel Serres.
Serres ist 83 Jahre alt und er ist begeistert von den Möglichkeiten, die das Internet den jungen Menschen von heute bietet.
Er nennt die Kinder der vernetzten Generation „Däumlinge.“ Ich habe sofort an das Märchen vom Däumling gedacht, doch Serres meint etwas anderes. Er schreibt: „Voller Bewunderung habe ich gesehen, wie sie, schneller als ich mit meinen steifen Fingern es je könnte, mit ihren beiden Daumen SMS verschicken. Da habe ich sie mit der größten Zuneigung, die ein Großvater zum Ausdruck bringen kann, Däumelinchen und Kleiner Däumling getauft.“

Die jungen Menschen von heute leben in einer ganz anderen Welt als ihre Großeltern. Wissenschaftler sagen: „Der Umbruch, den wir gerade erleben, ist vergleichbar mit der Bronzezeit und der Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg. Und das alles in der unglaublich kurzen Zeitspanne von zwanzig, dreißig Jahren. „Sie werden in einer ganz anderen Welt leben als wir. Und sie werden eine bessere Welt schaffen“, schreibt – oder vielmehr hofft – Michel Serres.

Däumling und Däumelinchen.
Natürlich denke ich da an meine Konfirmandinnen und Konfirmanden.
Wie werden sie in Zukunft leben? Woran werden sie glauben?
Ich bin da nicht so zuversichtlich wie Michel Serres, aber es hilft nichts. Wenn ich mit meinen Konfis im Gespräch bleiben will, wenn ich wissen will, was sie denken und fühlen, dann muss ich mich auf die neuen Medien einlassen. So wie die Oma, die mit ihrer Enkelin einmal rund um den Erdball skypt.
Ich will es mit Paulus halten. Der schreibt in der Bibel: „Prüft alles. Das Gute aber behaltet.“