Segen der Technik

Andacht auf NRD 1 Niedersachsen Donnerstag, 13.02.14

Als Christine zum Studium nach München geht, ist ihre Oma in Braunschweig sehr traurig. „So weit weg! Da hören wir ja gar nichts mehr von einander!“ „Ach Oma“, sagt Christine, „das ist doch heute kein Thema mehr! Wir skypen!“
Und so ist es gekommen. Jeden Mittwochabend schaltet die Oma ihren PC an, klickt auf ein Programm – und schon sieht sie ihre Enkelin auf dem Bildschirm und kann mit ihr reden, manchmal stundenlang. „Ist schon verrückt“, denkt Christines Oma. „Wir sind uns näher als früher – dabei ist sie so weit weg.“ Ihr Mann schaut ihr nur ab und zu misstrauisch über die Schulter. „Dieser neumodische Kram!“, sagt er: „Das ist nichts mehr für mich.“

„Erfindet euch neu! Eine Liebeserklärung an die vernetzte Generation.“
So heißt ein Buch des französischen Philosophen Michel Serres.
Serres ist 83 Jahre alt und er ist begeistert von den Möglichkeiten, die das Internet den jungen Menschen von heute bietet.
Er nennt die Kinder der vernetzten Generation „Däumlinge.“ Ich habe sofort an das Märchen vom Däumling gedacht, doch Serres meint etwas anderes. Er schreibt: „Voller Bewunderung habe ich gesehen, wie sie, schneller als ich mit meinen steifen Fingern es je könnte, mit ihren beiden Daumen SMS verschicken. Da habe ich sie mit der größten Zuneigung, die ein Großvater zum Ausdruck bringen kann, Däumelinchen und Kleiner Däumling getauft.“

Die jungen Menschen von heute leben in einer ganz anderen Welt als ihre Großeltern. Wissenschaftler sagen: „Der Umbruch, den wir gerade erleben, ist vergleichbar mit der Bronzezeit und der Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg. Und das alles in der unglaublich kurzen Zeitspanne von zwanzig, dreißig Jahren. „Sie werden in einer ganz anderen Welt leben als wir. Und sie werden eine bessere Welt schaffen“, schreibt – oder vielmehr hofft – Michel Serres.

Däumling und Däumelinchen.
Natürlich denke ich da an meine Konfirmandinnen und Konfirmanden.
Wie werden sie in Zukunft leben? Woran werden sie glauben?
Ich bin da nicht so zuversichtlich wie Michel Serres, aber es hilft nichts. Wenn ich mit meinen Konfis im Gespräch bleiben will, wenn ich wissen will, was sie denken und fühlen, dann muss ich mich auf die neuen Medien einlassen. So wie die Oma, die mit ihrer Enkelin einmal rund um den Erdball skypt.
Ich will es mit Paulus halten. Der schreibt in der Bibel: „Prüft alles. Das Gute aber behaltet.“

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