Schlagwort: Weihnachten

Advent ade

Sepp Blatter hat in einem Interview sagt: „Der Fußball ist einflussreicher als alle Religionen.“
Er hat Recht: Die Fifa hat den Advent für das Jahr 2022 mal eben abgeschafft.
„Nein, Papa kann nicht mit zum Weihnachtsmärchen. Er muss Fußball gucken, das verstehst du doch, oder?“
Bei Familienfeiern, Konzerten und auf den Weihnachtsmärkten wird es traurig zugehen.
Wenn ein christliches Fest unsere Gesellschaft zusammenhält, dann Advent und Weihnachten. Familien rücken zusammen, Freunde treffen sich, der Glanz in den Augen der Kinder – doch was bedeutet das schon, wenn die Fifa in ihrer Allmacht gutes Geld verdienen kann? Die einzigen, die kurz protestiert haben, waren die Vereine. Man hat sie schnell mit 200 Millionen Euro ruhig gestellt.
Doch die beiden großen Kirchen rühren sich nicht.
Man ist ihnen ja auch entgegengekommen: Das Endspiel findet nun doch nicht am 23. Dezember, sondern am 4. Advent statt. Wie gnädig! Der Fußballgott hat gesprochen und Sepp Blatter ist sein Prophet.

Echte Kerzen

Die Kerzen am Weihnachtsbaum meiner Kindheit waren natürlich aus Wachs.
Doch ich sehe sie nur noch selten. In den meisten Wohnzimmern sind die elektrischen Kerzen eingezogen. Die sind so praktisch. Du musst nicht ständig neue aufstecken. Ein kleiner Dreher und alle brennen. Den ganzen Tag. Elektrische Kerzen sind auch nicht so gefährlich. Du verbrennst dir die Finger nicht mehr und die Feuerwehr freut sich, dass unsere Wohnungen nun sicherer sind.
Aber bei uns zu Hause sind die Kerzen immer noch aus echtem Wachs. Ach, ich mag ihn sehr, den Weihnachtsbaum mit „echten“ Kerzen. Er riecht nach Wachs und manchmal auch nach verbrannter Tanne.
Echte Kerzen sind für mich ein Bild für den Glauben.
Sie wärmen und tauchen die Welt in ein warmes Licht. Aber du kannst dir nie ganz sicher sein. Du kannst dich auch verbrennen, kannst irre werden am Leben und an Gott. Weil Gott so anders ist, als du ihn mit deinem kleinen Verstand begreifen kannst. Weil er dir nicht im Scheinwerfer begegnet, sondern in so einem kleinen, flackernden Licht.
Und manchmal ist es tatsächlich so: Ein Windhauch und dein Glaube erlischt. Plötzlich stehst du in der Finsternis, wie Maria und Joseph: „Wie kann Gott das zulassen? Was hat das alles für einen Sinn?“
Dann wieder begegnet dir das Wunder des Lebens: ein kleines, zartes Kind – verletzlich und hilflos. Und dir wird warm und licht ums Herz. Und du weißt, worum es geht in diesem Leben: Licht und Wärme in die Finsternis bringen. Dich selbst verschenken. So wie dieses Kind. So wie alle Kinder.

Kinder, Geschenke und Dankbarkeit

Wir reden über Weihnachten, Kinder und Geschenke.
Frau M. sagt: „Früher waren die Kinder viel dankbarer. Ich weiß noch, wie meine Tochter vor mir stand: mit einem Paar selbstgestrickter Handschuhe in der Hand – und sie strahlte mich an! So was gibt es doch heute gar nicht mehr.“
Ist das so?
Ich will es nicht wahrhaben, aber ja: Das ist so.
Frau B. erzählt von einer Freundin, die bei ihren Enkeln zu Weihnachten eingeladen ist. Sie freut sich sehr auf Heiligabend im Kreis der Familie – bis auf die Bescherung. Das Urenkelkind bekommt von jedem ein Geschenk. Die Erwachsenen stehen mit ihren Päckchen Schlange. Der Kleine reißt eins nach dem anderen begeistert auf – und legt das Geschenk achtlos beiseite. Das nächste wartet ja schon. Und der nächste Erwachsene auch. Will sehen, was der Kleine zu „seinem“ Geschenk sagt.
„Diese Bescherungen sind mir ein Greul!“ sagt die Urgroßmutter, „das Kind kann sich doch gar nicht mehr freuen.“
Kann es schon. Es darf nur nicht. Muss ja auspacken.
Und dann sitzt das Kind eine halbe Stunde später und baut aus all den wunderschönen roten Schleifen von all den Paketen einen Zaun für die Schafe an der Krippe. Hingebungsvoll und mit strahlenden Augen.
Und die Erwachsenen?
Ach die. Die bekommen das gar nicht mit. Ist ja vorbei, der Geschenkemarathon.
Jetzt wird gegessen.

Gott

Mein Sohn Johannes hat am Telefon einer Frau „Frohe Weihnachten“ gewünscht.
Die hat schnippisch geantwortet: „Wir haben damit nichts am Hut. Wenn Sie einen Gott haben, der sich für Sie interessiert, dann wünschen ich Ihnen eine gute Zeit“
Wenn es einen Gott gibt, der sich für dich interessiert.
Das ist in der Tat die entscheidende Frage.
Wenn wir Christen sagen: „Gott ist Mensch geworden,“ dann beginnt das im Stall von Bethlehem. Wenn alle anderen denken du bist am Ende, ist er da. In der Gestalt derer, die nicht lange fragen. Die einfach da sind. Gott ist Vater und Mutter geworden; Hirte, der beisteht, König, der schenkt.
So ist es bis heute. Im Hospiz, wo Verwandte und Schwestern nicht mehr fragen. Einfach da sind. Bei der Weihnachtsfeier für die, die heute Abend kein Zuhause haben. Wo Menschen Brötchen schmieren, den Baum schmücken, Kerzen anzünden. In den Familien, die es schwer haben, aber füreinander da sind, trotz allem. Der Gott, der sich für dich interessiert. Da kannst du ihn erleben. Mittendrin im Leben. Denn er ist Mensch. Geworden.