Reichtum

Bittere Armut macht unglücklich. Das weiß man.
Aber man hat inzwischen auch festgestellt: Reichtum macht nicht glücklich. Ab einer bestimmten Summe Geldes – ungefähr 3500 € Monatseinkommen – steigt die Zufriedenheit der Menschen nicht mehr an. Mehr Geld hat keinen Einfluss mehr auf ihr Glück.
Woran mag das liegen?
Ein Professor hat folgendes Experiment gemacht. Er hat seine Studenten in zwei Gruppen eingeteilt. Die einen bekamen folgenden Traum erzählt:
„Stellen Sie sich vor, Sie haben im Lotto gewonnen. Die zwölf Millionen Euro aus dem Lotto Jackpot am Mittwoch. Das Geld ist ihrs! Sie können damit machen was Sie wollen!
Was würden Sie sich als erstes kaufen?
Ein neues Auto vielleicht?
Oder ein großes Haus mit Pool und riesigem Park?
Würden Sie eine Reise unternehmen?
Wo würde sie hingehen?
In die Karibik vielleicht? Oder doch eher zum Tauchen ans Barrier Reef ?
Träumen Sie noch ein wenig! Was könnten Sie sich ein schönes Leben machen!“
*
Dann bekam jeder Student eine Tafel Schokolade und durfte sie sofort essen.
Der Professor machte dabei folgende Beobachtung:
Die Studenten, die gerade vom großen Reichtum geträumt hatten, stopften die Schokolade gedankenlos in sich rein. Die anderen aßen mit Begeisterung und großem Appetit.
Er zog aus seinem Versuch folgende Schlussfolgerung:
Wer reich ist, ist nicht mehr empfänglich für die kleinen Freuden des Lebens. Er nimmt sie einfach so hin. Knabbert sie weg wie eine Tafel Schokolade. Alles wird selbstverständlich – es „steht mir zu.“
Mir fallen gleich zwei Worte Jesu ein:
„Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr geht als das ein Reicher in den Himmel kommt.“
Und:
„Seht die Lilien auf dem Felde: Sie arbeiten nicht und sie spinnen nicht – und ich sage euch: Salomon in all seiner Herrlichkeit war nicht so gekleidet wie eine von ihnen.“

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13 Gedanken zu “Reichtum

      1. Nun, der Ansicht bin ich ganz und gar nicht, sondern ich bin froh, wenn ein Pastor sich Gedanken macht darüber und ich gehöre ja auch vielleicht eher zu den unbequemen Gläubigen, die finden, dass sich die Kirche gerade sozialpolitisch nicht aus dem Geschehen halten darf.

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        Ich bin auch überzeugt, dass ab einer gewissen Einkommenshöhe sich etwas sehr entscheidendes verändert. Ich hatte auch einst in einem Buch über Trennungen gelesen, dass sich Väter (und sicher auch Mütter) mit jedem 1000er mehr Einkommen, weiter von den Kindern entfernen und mehr abwesend wären und auch so wahrgenommen würden.

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      2. Nein, nachdenken soll und darf jeder.

        Nur die profane Erkenntnis, dass wer (im übertragenen oder wörtlichen Sinn) satt ist, weniger Hunger, weniger Appetit hat ist eine Binsenweisheit.
        Wer sich für eine Patorenstelle mit allen ihren Annhemlichkeiten entschieden hat, wird materielle Armut sehr wahrscheinlich nie mehr erfahren.
        Es mag für sie ein wärmendes Gedankenspiel sein, über die Vorteile der Armut zu philosophieren, welche offensichtlich so weit entfernt ist, dass Sie sogar auf einen ziemlich platten Versuch eines Professors (hat der auch einen Namen?) zurückgreifen müssen, um ein Beispiel zu erzählen anstatt auf ein reales Beispiel Bezug zu nehmen. Ich lese daraus, dass Armut für Sie etwas scheinbar exotisches ist, über das sich sich philosophieren lässt.

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      3. Sie wissen nichts über meine soziale Herkunft – insofern wäre ich vorsichtig mit solchen Äußerungen.
        Im Übrigen schreibe ich in diesem Eintrag überhaupt nichts zum Thema Armut – außer dass bittere Armut unglücklich macht. Und das erfahre ich in meiner Arbeit regelmäßig.

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  1. Lieber Friedhelm,
    ich denke nicht daß sich Glück an Einkommensgrenzen festmachen läßt.
    Ich denke in diesem Artikel geht es um Wahrnehmung nicht um Glück.Wobei zu unterscheiden ist, ob es sich um lebensnotwendige oder um Luxusartikel handelt.
    Ob ich in Reichtum hineingeboren wurde, ob ich mir das habe erarbeiten müssen oder geerbt oder gewonnen habe.
    Ich denke, daß Menschen die in Reichtum hineingeboren wurden in einer gewissen Selbstverständlichkeit mit Luxus umgehen.Es bleiben ja keine Wünsche offen.
    Bei Menschen die sich haben „krummlegen“ müssen sieht das doch ganz anders aus.Einer der immer für seinen Wohlstand gearbeitet hat, weiß das doch ganz anders zu schätzen und auch anders damit umzugehen.
    Wie Menschen mit einem Erbe oder einem Gewinn umgehen vermag ich nicht zu beurteilen, doch auch hier hat man nicht selbst dafür arbeiten müssen.
    Und was ist eigendlich “ GLÜCK“ . Woran macht man das fest?

    Mein Mann und ich sind übrigens ein Rentnerehepaar und liegen weit unterhalb der Einkommensgrenze von 3500 Euro.
    Ist nicht Zufriedenheit das eigendliche Glück ?
    Liebe Grüße
    Angelika

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  2. Ich hab nochwas vergessen –

    Die Formulierung “ Bittere Armut macht unglücklich müßte eigendlich heißen Bittere Armut ist ein großes Unglück für alle Menschen.
    Daß ein armer Mensch eine Tafel Schokolade anders genießt als jemand der jeden Tag Schokolade essen kann das weiß man auch ohne wissenschaftliche Versuche.
    Wenn man die Zeit dafür verwenden würde für soziale Gerechtigkeit zu sorgen, könnte man auf diese unnötigen Versuche wohl verzichten.

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    1. Es ist natürlich gerade für Menschen die an der sozialen Ungerechtigkeit leiden sehr schwierig nachvollziehen zu können, was solche wissenschaftlichen Versuche für einen Nutzen haben sollen. Das geht mir allzuoft so. Ich denke auch immer, dass es all die Versuche und Studien nicht braucht und die doch nur genau beobachten müssten.

      Ich habe lernen müssen, das Vieles was für mich aus Zusammenhängen so deutlich zu erkennen ist, ich scheinbar nur deshalb so selbstverständlich erkenne, weil ich zu den 15% der Weltbevölkerung gehöre, die hochsensibel sind.

      Es gab schon Studien, wo ich nur den Kopf schütteln konnte, weil ich nicht begreifen konnte, warum man dies oder das erforschen musste, wenn man doch identlisch die gleiche Antwort bekäme, würde man sich die Zeit nehmen etwas intensiv in der Realität zu beobachten.

      Doch leider ist es so, dass eine Wissenschaft und wie oben, auch psychologische Erkenntnisse nur akzeptiert werden, wenn sie an einer Universität erforscht und erkannt werden.

      upss. ich muss los, später vielleicht mehr

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      1. Stimmt. Oft würde der gesunde Menschenverstand reichen. Und wenn der durch Versuche bestätigt wird, umso besser. Und wenn Forschung den Menschen zugewandt ist, hilft sie mir schon, das ein oder andere besser zu verstehen. Meine Beobachtung ist halt nur meine Beobachtung. Geprägt durch meine Weltsicht. Da hilft es mir schon, einen anderen Blickwinkel einzunehmen.
        Liebe Grüße und einen schönen Tag
        Dein
        Friedhelm

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  3. Liebe Angelika!
    Danke für Deinen Hinweis. Du hast Recht. Bittere Armut ist ein großes Unglück und es gehört bekämpft.
    Es ging in diesem Versuch gar nicht um arme und reiche Menschen, sondern um Studenten, die man auf Geld „geeicht“ hatte. Und ich finde diesen Versuch nützlich und gut, weil er eins sehr deutlich zeigt: Wer nur über das große Geld nachdenkt, davon träumt, verliert den Zugang zu den „kleinen Freuden“ des Lebens. Das fand ich sehr erhellend. Und mehr wollte ich gar nicht sagen 😉
    Liebe Grüße
    Friedhelm

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  4. Also ich hatte mal Geld.
    War aber auch recht lange arm.
    Es spielt auch ein grosse Rolle, aus welcher sozialen Schicht man kommt….zB lese ich immer häuffiger, daß Menschen aus dem Mittelstand verarmen.Der Trend hält auch an. Wer z.B Kunst, Literatur, Musik, Philosophie usw gewöhnt ist, findet sich plötzlich in Verhältnissen wieder, in denen solche Interessen keine Rolle spielen…Man hat ja nicht nur Geld verloren, man hat Umfeld und damit auch Freunde verloren, mit denen man sich bis dahin indentifizierte!
    Es geht dann nicht nur um die prekären Jobs an sich, die man dann machen muss, sondern es geht auch um die soziale Isolation, in der man sich wiederfindet. Die Armen mistrauen einem, weil man sich anders benimmt, und redet, wie sie. Die besser Gestellten wollen plötzlich mit einem nichts mehr zu tun haben, weil sie fürchten „angesteckt“ zu werden….viel schlimmer als alles andere ist die totale Desillionierung die man dann durchleben/durchleiden muss.
    Das wünsche ich niemand,.. denn der Blick, den man früher auf seine Mitmenschen hatte, verändert sich um 180 grad.
    ….das kannst du mir ruhig so glauben. Mach mal den versuch, wie G.Walraff den häuffig gemacht hat, verkleide dich, und lebe und arbeite eine Zeitlang unter solchen Bedingungen. Das wird dein Weltbild für immer verändern….
    Diese total Respektlosigkeit, die man erlebt, auf allen Ämtern, von Vorgesetzten, und Mitarbeitern, Mobbing, Beschimpfungen, ständige Abzocke, Betrug usw usw, der pure Horror….

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    1. Danke für Deinen Kommentar!
      Es ist leider genau so, wie du das beschreibst.
      Ich habe das als junger Mann „im Kleinen“ erlebt: zwei Mal die Woche in dreckigen Klamotten mit einem alten LKW durch die Fußgängerzone – und „gute Freunde“ gucken weg…
      Hagen Rether sagt: „Was soll eigentlich das Gerede von den sozial Schwachen? Die sind nicht sozial schwach. Die sind ökonomisch schwach. Sozial schwach sind ganz andere.“
      Dem ist nichts hinzuzufügen.
      Liebe Grüße
      Friedhelm

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  5. Stimmt. sozial schwach sind sie meist nicht, sondern bei dem einen oder anderen können sich die „Bürgerlichen“ noch eine dicke Scheibe abschneiden…
    Loyales verhalten ist „Unten“ aber auch eine Überlebensfrage, während sich der Mittelstand aufs Geld verlässt.Die Frage ist nur, wie lange das Vertrauen ins Geld noch anhält, und was dann passiert, wenn das nicht mehr der Fall ist…?

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