Epiphanias oder die Macht der Gewohnheit

Immer wenn ich an der Auffahrt Rüningen auf die Autobahn fahre, fahre ich Richtung Berlin. In die Innenstadt geht es über die Alte Frankfurter Straße. So einfach ist das.
Heute war ich in Rüningen noch kurz zur Bank. Jetzt will ich schnell über die Autobahn in die Innenstadt. Ich fädele mich ein und fahre – Richtung Berlin. Zehn Minuten Umweg! Ich bin so wütend! Ist ja schließlich nicht das erste Mal, dass mir das passiert!
Die Macht der Gewohnheit: Immer wenn ich in Rüningen auf die Autobahn fahre, fahre ich Richtung Berlin.
Es ist wohl so: Am häufigsten verirre ich mich auf meinen vertrauten Wegen. Ich denke nicht mehr nach und weil diese Wege mir so vertraut sind, glaube ich, dass ich auf ihnen jedes Ziel erreichen kann.
Heute feiern wir Epiphanias, den Tag der Weisen aus dem Morgenland.
Mutige Männer, die neue, unbekannte Wege gehen. Sie folgen einem unbekannten Stern, wollen dem Geheimnis des Lebens auf den Grund gehen. Dafür nehmen die Weisen viel auf sich. Sie ziehen in die Fremde. Sie wissen nicht, was sie erwartet und ob sie ihre Heimat jemals wiedersehen. Rein äußerlich gehen diese Männer ganz neue Wege.
Doch innerlich bleiben sie in ihren alten, vertrauten Mustern. Die Weisen können sich das Neue nur groß vorstellen. Es muss von den Mächtigen und Starken dieser Welt ausgehen. Wie sonst soll sich etwas ändern?
So suchen sie also einen mächtigen König und landen im Palast des Herodes. Doch dort finden sie nur Angst und Furcht vor dem Neuen. Die Weisen müssen weiter, nach Bethlehem, in eine kleine Stadt, zu einem kleinen Kind, arm und wehrlos. Erst da erkennen sie, was wirklich zählt und kehren nach Hause zurück, erfüllt von der Liebe – und auf neuen Wegen.

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Ein Gedanke zu “Epiphanias oder die Macht der Gewohnheit

  1. Lieber Friedhelm
    genau so geht es uns auch des öfteren. Wir erwarten Großes und Neues und vergessen total, daß wir doch schon wie Könige Leben und ein solches Leben führen dürfen.
    Wir haben alles uns geht es gut an Leib und Leben, erst wenn wir den Fernseher oder den Radio einschalter erfahren wir, dass es Millionen von Menschen nicht so gut geht. Morgen beginnt für viele im neuen Jahr der erste Schul oder Arbeitstag und sind wir glücklich dass das so ist, die liebe Gewohnheit hat uns wieder.
    LG Urs

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