Autor: Friedhelm Meiners

Von den Talenten

Meine Predigt vom letzten Sonntag

Die anvertrauten Talente
9. Sonntag nach Trinitatis

Er ist der Älteste von drei Geschwistern.
Als er dreizehn ist stirbt sein Vater.
Er sagt: „Bei der Beerdigung, auf dem Friedhof, spürte ich das erste Mal, dass ich die Hand meiner Mutter hielt und sie nicht mehr die meine.“
Von nun an ist das Geld in der Familie knapp.
Neue Klamotten gibt es nur selten. Stattdessen geht es regelmäßig in die Kleiderkammer der Caritas. Da entwickelt der Junge einen Kniff: er sucht sich immer irgendwelche besonderen Accessoires aus und kombiniert sie auf die irrsten Weisen und erzählt seinen Mitschülern: „Das ist der neueste Schick!“ – Ja klar.
Sein Faible für extravagante, in den Augen der Anderen oft unmögliche Kleidung wird sein Leben lang bleiben.
Er liebt die Musik, lernt Klavier und Querflöte. Doch es ist ihm sehr schnell klar: zum Musiker wird es nicht reichen.
In der Schule läuft es quälend. Er gehört zu den null Bock Schülern, hört den ganzen Nachmittag Radio und muss mehrere Klassen wiederholen.
Schließlich schafft er dann doch mit Müh und Not das Abitur.
Seine Mutter drängt auf ein Studium, aus dem Jungen soll was Anständiges werden.
Er beginnt ein Lehramtsstudium.
Bricht es ab.
Er sagt von sich selbst: „Ich wollte eigentlich immer nur eins. Menschen unterhalten.“
Und das kann er gut. Schon in der Schule.
Aber was ist das schon?
*
Jesus erzählt seinen Jüngern folgende Geschichte:
Ein Mann hatte eine lange Reise vor. Bevor er sich auf den Weg machte, vertraute er einen Teil seines Vermögens seinen Sklaven an. Dem einen gab er fünf Talente Silber, dem zweiten zwei und dem dritten schließlich eines, je nach ihren Fähigkeiten.
Als er nach langer Zeit zurückkam, rief er seine Sklaven zu sich und fragte sie, was sie aus dem ihn anvertrauten gemacht hatten.
„Du hast mir fünf Talente Silber anvertraut – ich habe fünf weitere dazu gewonnen“ sagte der erste.
„Das hast du sehr gut gemacht!“ sagte der Mann, „Ich will dir noch mehr anvertrauen! Und ich lade dich ein zu meinem großen Fest!“
Mit dem zweiten war es ebenso. Er hatte aus seinen zwei Talenten vier gemacht.
Der dritte aber sagte: „Ich weiß, dass du ein harter Mann bist. Du forderst viel und du erntest, wo du nicht gesät hast. Darum habe ich das Talent vergraben. Hier hast du es zurück!“
Da wurde der Mann zornig und sagte: „Du fauler Sklave! Wenn du weißt, dass ich hart und unbarmherzig bin, dann hättest du das Geld wenigstens zur Bank bringen können und ich hätte Zinsen gekriegt! Jagt ihn hinaus!“

*

Der „faule“ Knecht hat Recht.
Das Leben ist nicht gerecht. Den einen fällt alles zu und die, die sowieso schon nichts können, können sich gleich begraben.
Wir sorgen uns unendlich um unsere Kinder:
„Mach was aus deinem Leben!
Sei fleißig und zielstrebig!
Lern was Anständiges!
Lass deine Talente bloß nicht verkümmern!“
Das führt zu den verrücktesten Blüten:
„Unser Junge ist in der Schule zappelig und hat überhaupt keinen Bock auf das Ganze?
Nein, das liegt nicht daran, dass er den ganzen Nachmittag am PC sitzt und kaum Bewegung hat! Der Junge ist hochbegabt, der langweilt sich!“
Die Bewertung fängt im Kindergarten an und schon in der Grundschule streiten Eltern um die Beurteilung ihrer Kinder. Und die Lehrer sichern sich ab, wo sie nur können.
Das ist verrückt, aber eigentlich können sie sich doch auf diese Geschichte von Jesus berufen, oder?
Wer viel hat, dem wird viel gegeben. Wer nichts hat, dem wird das bisschen auch noch genommen, was er hat.
Aber Vorsicht!
So einfach ist das nicht.
Ich kenne genug Leute mit irrsinnig vielen Talenten, die absolut nichts daraus machen. Menschen, die ihre Gaben verschleudern, weil ihnen immer alles zugefallen ist – und weil sie meinen, dass müsste immer so bleiben.
Nach dem Einser Abitur nichts mehr auf die Reihe gekriegt.
Die anderen sind unzufrieden, weil ihnen ihre Gaben, ihre Talente nie reichen. Sie benehmen sich wie einer, der im Lotto fünf Millionen gewinnt und sich ärgert – im Jackpot letzte Woche waren schließlich zehn Millionen.
Jesus wird für diese Geschichte oft kritisiert. Weil sie scheinbar die herrschenden Verhältnisse zementiert.
Doch hier geht es nicht um die Menge der Fähigkeiten und Talente.
Hier geht es um die Frage, an welchen Gott du glaubst.
Glaubst du an den Gott der Härte, an den, der dich bestraft für jeden kleinen Fehler? Glaubst du an den Gott, der dir nichts verzeiht und dich gnadenlos aussortiert, wenn du nicht funktionierst?
Dann wirst du immer den vernünftigen Weg gehen, den sicheren. Dann wirst du dein Talent begraben, im Grunde dich selbst:
Dein Talent ist nicht wichtig.
Du bist nicht wichtig.
Hauptsache du funktionierst.
Dabei ist es ganz egal, ob du ein, drei oder fünf Talente anvertraut bekommst.
*
Was ist aus diesem Jungen geworden, der so früh seinen Vater verloren hat, dem jungen Mann, der nur ein Talent hatte?
Er läuft immer noch in schrägen Klamotten rum und unterhält die Menschen, mehr kann er ja nicht.
Er ist einer der bekanntesten Männer dieses Landes:
Thomas Gottschalk.
Nein, es geht nicht um die Menge der Gaben und Talente, die du mitbekommst.
Es geht in dieser Geschichte darum, an welchen Gott du glaubst:
den harten, unbarmherzigen, den „so ist das Leben nun mal“ Gott –
oder glaubst du an den Gott der Liebe, der dir deine Gaben schenkt,
der will, dass du lebst, dass du deine Gaben wachsen lässt; der an dich glaubt, auch wenn du es selbst nicht kannst – der dir wieder aufhilft, auch wenn du mal richtig krachen gehst – und der dich am Ende einlädt zu seinem großen Fest.
Amen.

Liebe?

Pep Guardiola hat gesagt:
„Alles, was ich in meinem Leben tue, tue ich, um geliebt zu werden.“
Wer wollte leugnen, dass das stimmt? Ich strebe nach Anerkennung, nach Liebe.
Die anderen sollen mich toll finden, bewundern, lieben für das, was ich tue.
Sollen sie?
Einerseits schon.
Aber es ist schrecklich, wenn das alles ist.
„Alles was ich tue, tue ich um geliebt zu werden.“
Dieser Satz allein ist eine Tragödie.
Ich brauche auch den zweiten:
„Alles, was ich tue, kann ich nur tun, weil ich geliebt werde.“
Ich gebe zurück? Nein, das wäre zu wenig. Ich mache was draus.
Das Leben ist beides. Balzen um Liebe und geliebt werden, einfach so.

Glücklich?

Glücklich?
Was macht uns glücklich?
Zu diesem Thema kann man unglaublich viel lesen. Jetzt habe ich endlich mal einen Ansatz gefunden, der mich überzeugt. Der Verhaltensforscher Paul Dolan sagt: Das Glück hat zwei Flügel: etwas Sinnvolles tun und Freude haben. Du brauchst beides: Aufgaben, die dich erfüllen und Dinge, die du einfach nur so tust, aus Spaß an der Freud. Nur Spaß haben macht das Leben hohl. Aber nur arbeiten eben auch.
Wir sind glücklich, wenn wir eine sinnvolle Arbeit haben, etwas Gutes tun können – und wenn wir feiern, schöne Musik hören, uns an der Natur freuen…
Das ist auch das Fundament unseres Glaubens: Sorgt euch nicht – und sorgt euch sehr.
Im Grunde sagt Jesus immer beides. Nehmt dankbar an, was euch geschenkt wird. Und gebt, was ihr könnt.
Bei uns im Dorf haben wir Jugendlichen damals beim Stroheinfahren geholfen. Jeden Tag bei einem anderen Bauern. Das war harte Arbeit. Aber jeden Abend wurde gefeiert. Wieder hatte eine Familie die Ernte unter Dach und Fach. Es war eine glückliche Zeit.
Wer nichts Sinnvolles zu tun hat ist arm dran. Wer keine Freude hat auch.
Jesus erzählt ständig Geschichten, die beides betonen, Pflicht und Freude:
„Seht die Schwalben am Himmel,“ sagt er, „sie sähen nicht, sie ernten nicht – und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Macht euch keine Sorgen.“
Und auf der anderen Seite erzählt er das Gleichnis vom barmherzigen Samariter: Ein Mann lässt alles stehen und liegen, um einem zu helfen, der unter die Räuber gefallen ist.
Wer glücklich sein will braucht die richtige Mischung aus sorglos und sinnvoll, aus Arbeit und Freude.

Himmelfahrt oder Leben kann man nicht alleine

Andacht für die Braunschweiger Zeitung

Leben kann man nicht alleine

Ich sitze im Garten. Schaue versonnen einer Pusteblume hinterher. Wie leicht sie in den Himmel schwebt. Schon ist sie entschwunden. Wo sie wohl landet, Wurzeln schlägt, Früchte trägt…
So mögen die Jünger Christi Himmelfahrt erlebt haben. Alles Schwere ist abgefallen. Seine Liebe wirkt; wird Wurzeln schlagen, Früchte tragen. Doch er selbst ist nicht mehr zu sehen.
Die Jünger dürfen noch einen Moment verweilen, den Himmel schauen. Doch dann stehen zwei Männer in weißen Gewändern neben ihnen: „Was schaut ihr nach oben? Geht zurück in euer Leben! Dort wird er euch begegnen und Kraft schenken.“
Ich senke meinen Blick auch wieder und lese weiter. Mein Buch ist gerade so spannend. Es trägt den Titel „Die Herrscher der Welt.“ Doch es handelt nicht von Menschen, sondern von Einzellern, Bakterien und Mikroben. Wir können sie nicht sehen, oft nicht einmal unter dem Mikroskop, doch ohne sie wäre das Leben auf dieser Erde nicht möglich. Ich lese von Ameisen, die seit Millionen Jahren Landwirtschaft betreiben. Kleine Tintenfische halten sich Bakterien wie Kühe im Stall. Die schenken ihnen keine Milch, sondern Licht für die Nacht. Am Morgen kehren sie zurück ins Meer.
Die Welt ist voller Wunder und wir können sie nicht sehen. Wir brauchen Bilder, um uns ihnen zu nähern.
Himmelfahrt ist so ein Bild für mich. In Jesus ist den Jüngern die Liebe Gottes begegnet. Sie können diese Liebe nicht festhalten. Doch sie wirkt, unsichtbar und kraftvoll.
Der Biologe Bernhard Kegel fasst seine Erkenntnisse in einem Satz zusammen:
„Leben kann man nicht alleine.“
Nicht ohne Menschen, nicht ohne Liebe. Du brauchst sie wie die Luft zum Atmen.
Die Jünger schauen einen Moment versonnen in den Himmel. Dann kehren sie froh zurück in ihren Alltag. Das will ich auch tun.
Friedhelm Meiners, Pastor an St. Martini

Heilig

Monolith.
Ruht in sich.
Fester Standpunkt.
Alles prallt ab.
Keiner kann ihm was.
Ein Ideal.
Ab und zu mein Ideal.
Schrecklich eigentlich:
Will Stein sein.
St. Ein.

Glück

„Ohne jemanden glücklich machen zu können,
kann man selbst natürlich auch nicht glücklich sein.“

Haruki Murakami

Dich Wiedersehen.

Einige Gedanken zum Gedenkgottesdienst im Hospiz

„Siehe, ich mache alles neu.“ (Offenbarung 21)

be ich mich nach dem Frühling gesehnt! Endlich wieder Sonne! Endlich wieder Grün! Die Störche sind wieder da – und die Schwalben, meine Lieblingsvögel. Das kann alles so schön sein. Und unglaublich trostlos.
Was nutzt mir das Neue, wenn du nicht da bist? Was soll das Grün der Bäume, wenn du es nicht siehst, der Gesang der Vögel, wenn du ihn nicht hörst?
Das Neue wischt die Tränen nicht ab. Der Schmerz bleibt. Und dass das Leben einfach so weiter geht ist nicht tröstlich. Es ist brutal.
Siehe, ich mache alles neu.
Wie soll mich das trösten, wenn ich dich verliere?
Wenn der Tod noch ist und Tränen und Geschrei?
Uns wird ja ständig Neues versprochen – Ablenkung, Tröstung, aber kein Trost. Uns wird gesagt: Das Leben hat doch noch so viel zu bieten! Jetzt mal los!
Doch das ist Vertröstung, kein Trost.
All das Neue wird helfen, dass die Wunde vernarbt. Doch sie wird bleiben. Und tief in mir wird der Schmerz bleiben und die Traurigkeit wird bleiben.
Nein, es wird nicht alles gut.
Und wenn alles neu wird, dann nur mit dir.
Kein Leid. Kein Geschrei. Keine Tränen.
Das kann nur sein, wenn du wieder da bist.
Das Neue ist nur gut, wenn du nicht vergessen wirst. Wenn du bleibst. Mit deinen Wunden. Aber ohne Schmerz. Wenn ich erkenne, dass dein Leben nicht umsonst war; dass du geliebt bist. Stärker, als ich dich je lieben kann.
Das Neue ist nur gut, wenn ich dich aufgehoben weiß. Und erkannt. Wie ich dich nie erkannt habe.
Du wirst nicht vergessen. Du gehst und bleibst.
Wir werden uns wiedersehen. Ohne Tränen. Ohne Leid.

Der betende Mensch

Der Homo sapiens, der intelligente Mensch, ist nicht die Krone der Schöpfung.
Der Gipfel der Evolution ist der Homo orans, der betende Mensch.
Er hat die Fähigkeit, nach seiner eigenen spirituellen Existenz zu suchen, sich zu weiten, über sich selbst hinaus zu gehen.
Wenn du betest, kehrst du dich nach innen, löst dich von den materiellen Dingen und begegnest Gott, wie immer du ihn jetzt verstehst.
Im Idealfall öffnest du dich nach dieser Reise allen Menschen.
Im Gebet bist du liebend unterwegs:
zu dir selbst, zu einem Menschen, zur Schöpfung – und machst zwischendurch kurz Halt bei Gott.

Ostern

In den USA hat man einer Gruppe von Menschen einen kleinen Film gezeigt, ungefähr 30 Sekunden lang. In diesem Film spielten zwei Gruppen, eine im weißen und eine im schwarzen Trikot, Basketball.
Die Zuschauer bekamen folgende Aufgabe: „Zählt bitte genau, wie oft die weiße Mannschaft den Ball auf den Boden prellt. Und sie zählten gut. Fast alle hatten die richtige Zahl.
„Gut gemacht!“ sagte man ihnen, „aber habt ihr noch irgendwas anderes gesehen? Ist euch irgendetwas aufgefallen?“
„Nein! Was soll uns aufgefallen sein?“
„Es ist ein Mensch in einem Gorilla Kostüm einmal quer über den Platz gelaufen, hat euch angeschaut und sich auf die Brust geklopft!“
Die Beobachter schüttelten den Kopf: „Das kann gar nicht sein!“
Man zeigte ihnen den Film ein zweites Mal – und tatsächlich! Da war der Gorilla! Keiner von ihnen hatte ihn gesehen!
Dieses Experiment ist oft wiederholt worden, immer mit dem gleichen Ergebnis: Niemand hat den Gorilla gesehen – das heißt, so ganz stimmt das nicht: später hat man bei den Zuschauern die Augen beim Beobachten gemessen:
fast alle hatten den Gorilla mindestens eine Sekunde angeschaut – aber niemand hatte ihn gesehen.
Wenn wir uns auf eine Aufgabe konzentrieren, dann nehmen wir Fremdes nicht mehr wahr – selbst wenn wir es sehen.
Ob es uns mit Ostern auch so geht?
Ob wir vor lauter Erbsenzählerei nicht sehen, wo die Auferstehung uns begegnet?
In den Osterglocken, die gerade blühen, im Blau des Himmels, in den Augen eines Menschen?
Wir sehen, aber wir nehmen nicht wahr.
Doch es ist.
Frohe Ostern!

Karfreitag – Der Kreuzschlepper

Der Kreuzschlepper
In Franken in der Nähe von Volkach führt mitten durch die Weinberge der sogenannte „Bildstockweg.“
Bildstöcke sind sehr alte Denkmäler aus Stein, manchmal auch aus Holz.
Mitten in der wunderschönen Landschaft mit Blick auf den Main stehen sie am Wegesrand als Orte der Meditation und des Gebetes für die Weinbauern. Sie laden ein zu einem Moment der Ruhe mitten in der harten Arbeit.
Auf all diesen Bildstöcken sind Szenen aus dem Leiden Jesu dargestellt: die Kreuzigung, die Abnahme vom Kreuz, Maria mit ihrem toten Sohn im Arm.
Diese Bildstöcke erinnern an etwas, das wir allzu schnell vergessen:
Das Leiden gehört zum Leben.
Unser Glaube geht noch weiter: das Leiden gehört zur Geschichte Gottes mit uns Menschen. Es ist kein Webfehler, den wir nur endlich beseitigen müssen, damit sich unser Leben endlich richtig und glücklich anfühlt.
Es ist unsere Aufgabe als Christinnen und Christen, das Leiden durch Ungerechtigkeit, Lieblosigkeit, Krankheit und Krieg, zu bekämpfen, so wie Jesus das getan hat.
Aber wir müssen auch aushalten, ertragen. Wir müssen mitgehen mit denen, die zu tragen haben. Manchmal einfach nur da sein.
Die Bildstöcke in den Weinbergen erinnern daran.
Auf einem dieser Bildstöcke ist Christus unter der Last des Kreuzes gestürzt und stemmt sich gerade wieder hoch, die rechte Hand auf einen Stein gestützt.
Es ist das Lieblingsmotiv der Weinbauern. Sie nennen ihn den Kreuzschlepper. Sie sagen: „Er ist wie wir. Muss schleppen.“
Der Kreuzschlepper.
Jesus schleppt sein Kreuz nach Golgatha.
Und ich frage mich: Warum tut er das?
Warum rafft er sich wieder auf? Er weiß doch, was komm!
Sie werden ihn ans Kreuz nageln. Er wird unerträgliche Schmerzen leiden und zuletzt ersticken.
Warum schleppst du dein Kreuz weiter?
Warum bleibst du nicht einfach liegen?
Weil du musst.
Du hast keine Wahl.
Du wirst nicht gefragt.
Du musst.
Leben.
Kämpfen.
Bis zum bitteren Ende.
Wenn wir einen Menschen begleiten, ist das nicht anders.
Wir schleppen.
Schleppen seine Krankheit mit.
Schleppen, wenn das Alter zur Last wird.
Schleppen den Schmerz.
Die Last der Trauer.
Die Einsamkeit.
Jesus hatte ein reiches und erfülltes Leben, war immer für andere da.
Jetzt findet sich jemand, der ihm tragen hilft.
Ein Fremder, Simon aus Kyrene. Der will nicht, sie müssen ihn zwingen.
So geht es uns ja manchmal auch, wenn wir einen Menschen begleiten müssen. Wir haben Angst, wollen nicht.
Doch unsere Motivation ist nicht wichtig.
Wir müssen. Sind da. Schleppen mit.
Manchmal helfen wir wie Veronica. Sie wischt Jesus mit ihrem Tuch den Schweiß aus dem Gesicht.
Ein kurzer Moment. Eine Geste. Und das Leiden geht weiter. Doch macht das ihr Tun sinnlos?
Der Kreuzschlepper.
Er muss.