Kategorie: Allgemein

Die Kirchturmuhr

Jennifer ist schlau. Sie klemmt ihren Scheitel immer hinters linke Ohr, trägt eine kluge Brille wie man sie gerade so trägt, liest anspruchsvolle Bücher und kommt immer pünktlich zum Konfirmandenunterricht. Und sie stellt kluge Fragen. Neulich hat sie mich gefragt. „Warum sind an so vielen Kirchtürmen Uhren?“ „Das hat einen guten Grund“ habe ich ihr geantwortet. Die Kirchen stehen meistens mitten im Ort, oft am Marktplatz. Man kann sie von überall sehen und vor allem hören. Die Menschen hatten früher noch keine Armanduhren. Aber so wusste trotzdem jeder im Ort, wie spät es ist. Die Kirchturmuhren waren nicht besonders genau. Ob es nun in Braunschweig zehn Minuten früher oder später war als in Hannover – was spielte das für eine Rolle? Jeder Ort hatte seinen eigenen Rhythmus.
„Cool!“ meinte Jennifer. „Warum ist das heute nicht mehr so?“
Das wurde anders mit der Erfindung der Eisenbahn. Die Orte rückten näher zusammen, man kam schnell von A nach B. Jetzt brauchte man eine genauere Zeit, eine, die für alle Orte galt.  Und nach und nach wurde aus dem Zeitrhythmus der Takt: immer gleichmäßiger und immer genauer.
„Und jetzt ist Pünktlichkeit eine Tugend“ habe ich Jennifer erklärt. „Es ist ganz wichtig, dass man nicht zu spät kommt..“
Jennifer schüttelt den Kopf. „Also das ist bei uns nicht mehr so schlimm,“ sagt sie. „Ich habe ja schließlich mein Handy dabei. Wenn es später wird, schick ich meiner Freundin eine SMS und fertig.“
„Aber wenn ich Sonntag Abend den Tatort kucken will, dann muss ich immer noch absolut pünktlich sein,“ kontere ich,  „sonst verpasse ich den Anfang!“
„Aber Herr Pastor!“ sagt Jennifer und lächelt „haben Sie noch nie was von der Mediathek gehört? Im Internet können Sie Ihren Tatort kucken wann sie wollen!“
Jennifer hat Recht. Es ist ja wirklich so: Unsere Generation war  genau getaktet. Morgens pünktlich am Zug  abends pünktlichst vor der Tagesschau, immer auf die Minute genau!  Pünktlichkeit war eine große Tugend: „Wer nicht pünktlich ist, verpasst das Leben!“
Das ändert sich gerade.
Fast jeder hat ein Handy in der Tasche. Das Nachteile. Du bist immer erreichbar. Wenn du nicht aufpasst, wirst du ständig gestört, kannst nicht mehr in Ruhe arbeiten. Auf der anderen Seite: Wenn du zu etwas zu spät kommst, ist das mehr nicht mehr so schlimm – ein kurzer Anruf oder eine SMS genügt: „Bin in zehn Minuten da.“ Und wenn du am Sonntag den Tatort nicht pünktlich schaffst, dann schaust du ihn dir halt in der Mediathek an.
Wie wird das weitergehen?
Bin ich bald nur noch fremdbestimmt?
Oder kann ich wieder stärker meinem eigenen Rhythmus folgen, schauen, was jetzt gerade für mich dran ist?
Ich bin gespannt.
Aber eins gilt nach wie vor:

Wenn du Gott zum Lachen bringen willst – erzähl ihm von deinen Plänen.

Andacht für NDR 1 „Himmel und Erde“

Rasenroboter

Der Rasenroboter stoppt vor meinen Füßen, dreht sich um die eigene Achse und holpert quer über unseren Sportplatz. Ich schaue ihm eine Weile zu.  Und staune:
Ich dachte immer, die Dinger arbeiten systematisch, Bahn für Bahn. Aber so ist das ist gar nicht. Als die selbstfahrende Mähmaschine an der Eckfahne anlangt, fährt sie plötzlich in Richtung Mittelkreis. So geht es weiter: Der Rasenroboter  brummt chaotisch kreuz und quer über den Platz. „Wie kriegt das Teil den Rasen ohne System so kurz?“ frage ich mich.
Ich muss an meinen Tageslauf denken. Der ist oft genug genau so wie der Weg vom Rasenroboter: Morgens, bevor es losgeht, mache ich immer erst mal einen Plan: „Als erstes beantwortest du deine Emails. Dann räumst du deinen Schreibtisch auf und dann … In dem Moment klingelt das Telefon – und mein ganzer schöner Plan ist über den Haufen geworfen. Ab jetzt laufe ich kreuz und quer durch meinen Tag, wie so ein Rasenroboter, laufe in Sackgassen, mache Kehrt, stundenlang. Wenn ich dann endlich Feierabend habe, denke ich oft: „O Mann! War das ein Chaos! Hast heute wieder überhaupt nichts geschafft.“ Aber das stimmt nicht. Ich habe nur das nicht geschafft, was ich mir vorgenommen hatte. Mein schöner Plan hat nicht funktioniert.
Unsere Fußballer sagen übrigens, „Wir hatten noch nie so einen gepflegten Rasen wie mit diesem Mähroboter.“ Das ist mir ein Rätsel! „Wie kann das funktionieren, dass bei diesem Ding, das acht Stunden am Tag planlos über das halbe Hektar Grün holpert so ein super Ergebnis herauskommt? Wie kommen die Ingenieure bloß auf so eine Idee?“ Also, ich habe nachgelesen. Die Entwickler sagen: „ Das war ganz einfach! Wir haben uns das bei den Schafen abgeguckt. Die laufen auch nicht in Reih und Glied über die Wiese, sie knabbern mal hier und mal da. Aber am Ende ist die Wiese kurz.“
Seit ich das weiß, muss ich schmunzeln, wenn ich den Mähroboter sehe:
Im Grunde ist es ja genau das, was der Jesus uns immer wieder rät: Sorge dich nicht, was der Tag bringen wird. Lass dich ruhig ablenken! Bleib einfach mal stehen! Staune über der Lilien auf dem Felde. Sie sind so schön! Und wirf alle deine Pläne sofort über den Haufen, wenn ein Mensch deine Hilfe braucht – so wie der barmherzige Samariter. Pläne sind gut. Aber ein sattes, buntes, reiches Leben wirst du nur haben, wenn du dich auch mal um die eigene Achse drehst, kreuz und quer durch den Tag holperst.

Lieder

Martin Luther hat gesagt: „Musik muss in der Schule Pflichtfach werden!“
Ist das wirklich so?  Kann man mit Liedern jemandem etwas beibringen? Wenn das damals mein Mathelehrer gehört hätte – er hätte die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. „Musik ist etwas zur Entspannung, für die Freizeit“ hätte er gesagt. „Mit Musik kannst du Kraft tanken für die wirklich wichtigen Dinge des Lebens. Aber Menschen mit Liedern etwas lehren? So ein Unsinn!“
Und so ist es bis heute: Musik ist in der Schule ein Nebenfach. Wenn es ausfällt, ist das nicht so schlimm. Dabei ist es doch sonnenklar!  Es springt ins Auge! Wir lernen durch Lieder! Ich bin grade Großvater geworden. Ich sehe meinen Sohn mit Ada, meiner Enkeltochter durch die Wohnung laufen. Er wiegt sie im Arm und singt: „Weißt du wieviel Sternlein stehen.“ Alles ist gut. Sie ruht in seinen Armen. Bis er stehen bleibt. Und aufhört zu singen. Dann schreit sie wieder aus Leibeskräften. Er singt weiter: „Kennt auch dich und hat dich lieb.“ Und meine Enkelin schläft selig wieder ein.
Mit diesem alten Abendlied lehrt mein Sohn seine Tochter das Allerwichtigste, bevor sie überhaupt sprechen kann: „Es gut ist auf dieser Welt. Wir freuen uns so, dass du da bist!“
Er lehrt sie die Melodie des Lebens. Und sie will sie hören und sie will sie spüren: „Wiege mich in diese Welt. Wiege mich in den unsichtbaren Armen der Musik.“ Musik führt dich zurück in die Liebe Gottes. Erinnert dich daran: Alles ist gut. Du bist geborgen. Die Musik, das Lied, ist größer als dein Geschrei.
Ja, Martin Luther hat Recht! Der erste und wichtigste Lehrer der Liebe ist die Musik. Und nichts, wirklich nichts hält so lange wie die Musik unserer Kindheit. Wenn wir alt werden, mögen wir vieles vergessen – aber niemals die Lieder unserer Kindheit. Lehrt einander in aller Weisheit – mit Liedern. Ja, fangen wir damit an, wenn unsere Kinder klein sind – und hören wir nie damit auf.
(Andacht für „Himmel und Erde“ NDR 1)

Ich bin getauft

 

Ich bin getauft
Meine Eltern haben mich taufen lassen, als ich ein Baby war. Hat das heute noch eine Bedeutung für mich?
Der Schriftsteller David Foster Wallace schildert in „Für immer ganz oben“, wie ein 13jähriger Junge das erste Mal vom 10 m Turm springt.
Er steht im Freibad in der Schlange am Sprungturm: „Von einem bestimmten Punkt an sind in der Schlange mehr Menschen hinter dir als vor dir.“
Schließlich steht er auf der Leiter: „Auf der Leiter wiegst du wirklich etwas. Die Erde will dich wieder.“
Es geht langsam nach oben. Es ist windig hier. „Wenn du erst mal auf der Leiter stehst, gibt es kein zurück mehr.“ Er steht ganz oben. Vor ihm noch eine ältere Frau, dann ist er dran. Er sieht sie abspringen. Sie verschwindet aus seinem Blickfeld.
Er horcht. Viel zu lange hört er nichts. Dann klatscht sie ins Wasser.
Ein Geräusch, ein paar Spritzer, Wellen, Luftblasen, die aufsteigen, dann ist das Wasser wieder ruhig. Als sei nichts gewesen.
„Hey! Junge! Was ist los? Ich will hier nicht ewig warten!“ Die Stimme hinter ihm. Jetzt ist er dran.
Klar, der Sprung ist schwer. Lass dich fallen. Vertrau darauf, dass die Liebe dich umfängt wie das Wasser der Taufe. Lebe. Und stirb. Lass deine Ängste sterben. Auch die vor dem großen Tod. Egal, ob sie dich schubsen oder ob du springst, es wird dich umfangen, aufnehmen. Wichtig ist nur: das Wasser, das Leben, macht dir keine Angst mehr. Im Wasser bist du fast nackt. Nichts unterscheidet dich von den anderen und doch bist du einzigartig.

Du bist getauft.

(Wort zum Sonntag für die Braunschweiger Zeitung)

Godspot?

Godspot
Meine Haut ist so trocken. Ich brauche dringend eine Gesichtscreme. „Geh mal ins Reformhaus“ sagt meine Frau und nennt mir auch gleich den Namen der Creme: „die ist ganz gut.“ Als ich vor dem Regal stehe, habe ich den Namen natürlich vergessen. Hilflos vor gefühlten 1000 Cremes nehme ich eine in die Hand: „Anti-Aging Creme.“
Die wird es ja wohl nicht sein. Ich will gerade resignieren, da steht die Verkäuferin neben mir: „Kann ich Ihnen helfen?“
„Ja, ich suche eine Gesichtscreme…“
„Meinen Sie vielleicht die, die Ihre Frau immer für Ihre Söhne kauft?“ fragt sie lächelnd.
Ich strahle sie an: „Ja, die muss es sein!“
Wir plaudern noch einen Moment, dann bezahle ich und ziehe glücklich meiner Wege.

Das war sie mal wieder, die gute alte Zeit. Eine Verkäuferin, die dich kennt, die dir aus der Patsche hilft und auch noch Zeit hat für einen kurzen Schnack. Das gibt es ja kaum noch.
Die Kirche in Berlin-Brandenburg lässt gerade alle ihre Kirchen mit W-LAN ausstatten. Dann kann jeder, der in der Kirche sitzt, frei ins Internet. Sie nennen diesen Zugang „Godspot“ statt „Hotspot,“ weil es in der Kirche installiert ist.
Die Idee mag ja gar nicht so schlecht sein – aber bitte! Godspot?
Wenn ich in Zukunft eine Gesichtscreme brauche kann ich mich ja einfach in die Kirche setzen. Ich suche auf meinem Smartphone das richtige Produkt aus und lasse es mir nach Hause schicken. Wie praktisch! Ich muss mit niemandem mehr reden, keinem mehr in die Augen schauen.
In der Kirche sollte das doch wohl anders sein. Sie ist ein Ort der Begegnung. Hier begegne ich Gott und den Menschen. Wir teilen Freud und Leid, sind füreinander da. Das Internet kann da ganz hilfreich sein, aber nötig ist es nicht – und göttlich schon gar nicht.

Friedhelm Meiners, Pastor an St. Martini

 

 

Leichtes Gepäck

NDR 2 „Moment mal“ 20.4. 2016

 

Jesus und Buddha, Franz von Assisi und Mutter Theresa: Alle großen spirituellen Lehrerinnen und Lehrer sagen dasselbe:
„Wir schleppen viel zu viel Kram mit uns rum; belasten unsere Seele.“
Genau davon singt auch Silbermond:

„Eines Tages fällt dir auf
dass du 99% nicht brauchst
Du nimmst all den Ballast
und schmeißt ihn weg
Denn es reist sich besser
mit leichtem Gepäck.“

Reisen mit leichtem Gepäck.
Reinhold Messner hat auf diese Weise das Bergsteigen revolutioniert. Er hat auf alles unnötige Gepäck verzichtet, nur das Allernotwendigste mitgenommen. So hat er viel Kraft gespart, war schneller und hat geschafft, was alle vorher für unmöglich erklärt haben: er war als erster Mensch ohne Sauerstoffflasche auf dem Mount Everest.
Jesus sagt: Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr als ein Reicher in den Himmel. Es gibt viele Auslegungen für dieses Gleichnis. Eine Erklärung ist:  Es gab in Jerusalem ein sehr enges Stadttor. Man nannte es das Nadelöhr.
Wenn ein Reisender mit seinem Kamel da durchwollte, musst er erst alles abladen. Nur ohne Gepäck kam er in die gelobte Stadt.
Mit anderen Worten: Es ist gar nicht so schwer. Du kommst durchs Nadelöhr ins gute Leben, du schaffst, was andere für unmöglich halten – es reist sich besser mit leichtem Gepäck.

 

Freudensteigerung

Der Schriftsteller Hanns-Josef Ortheil ist erst neun Jahre alt, als er sich Gedanken über das Kirchenjahr macht. Er schreibt: „Das Kirchenjahr fängt ja nicht am 1. Januar an, sondern am 1. Advent. Das ist, damit die Christen sich auf Weihnachten freuen können. Dann geht es auf Ostern zu. So haben die Christen immer ein Fest, auf das sie sich freuen können.
Man sagt dann: „Nur noch zwei Wochen bis Himmelfahrt oder nur noch gut drei Wochen bis Pfingsten.“  Man kann sich freuen, bis das Fest dann endlich da ist.
„Das Kirchenjahr“ schreibt der Junge, „ist eine Einteilung der Zeit zur allmählichen Freudensteigerung. Die Christen haben auf diese Weise immer etwas vor Augen, auf das sie sich freuen können.“
Was für ein schöner Gedanke!
Darauf können nur Kinder kommen. Sie freuen sich einfach. Kinder denken nicht: „O Gott! Schon bald wieder Pfingsten! Wir wollen doch wegfahren und ich muss noch so viel machen! Wie soll ich das bloß schaffen?“ Klar, Kinder haben es gut. Wir machen uns für sie den Kopf. Aber trotzdem.
Jesus sagt: „Werdet wie die Kinder. Freut euch einfach!“
Übrigens: die Kinder in Niedersachsen freuen sich jetzt schon auf den 5. Sonntag nach Trinitatis. Das ist nämlich der erste Sonntag in den Sommerferien.

für NDR 2, „Moment mal“ am 16.4. 2016

Geben

Er ist nicht mehr der jüngste und er ist vermögend.
Sein Geld gibt er für den Erhalt alter Gebäude aus. Und er fördert Künstler, hat immer wieder Ideen für neue Projekte.
Wir haben gemeinsam eine Ausstellung in unserer Kirche organisiert. Es war wie immer eine Menge Arbeit, aber nun ist es geschafft. Die Ausstellung ist toll geworden: riesige Gemälde vom Meer, Wellen und Strand.
Nach der Eröffnungsfeier sitzen wir noch eine Weile zusammen.
„Warum tun Sie sich das eigentlich an?“ fragt ihn einer der Gäste. „Dieser ganze Stress! Sie haben doch genug gearbeitet! Jetzt könnten Sie es doch endlich mal ein bisschen ruhiger angehen lassen, das Leben genießen.“
Er lächelt: „Ich mache das, um Sie kennenzulernen.“
Der Gast runzelt die Stirn.
„Schauen Sie“ fährt er fort: „Ich habe Sie in die Ausstellung eingeladen und Sie sind gekommen.
Was meinen Sie, hätten Sie das auch gemacht, wenn ich Ihnen gesagt hätte: Kommen Sie mal zu mir nach Hause, ich will Ihnen mein tolles Sparbuch zeigen?“
Wer teilt, hat mehr vom Leben.
Oder, wie Jesus sagt: Geben ist seliger denn nehmen.

 

Von E-Bike und Gebet

 

Seit gut drei Jahren habe ich ein schnelles Elektrofahrrad. Und ich bin begeistert. Auf der kurzen Strecke ist das E-bike unschlagbar. Seit ich es habe, mich keiner mehr überholt.Und ich muss nie mehr einen Parkplatz suchen!
E-bike fahren ist wie Cabrio fahren. Nur schöner. Ich habe immer Rückenwind.
Aber was ich mir alles anhören muss: „Herr Meiners, so alt sind Sie doch noch gar nicht!“ „Nein, ich trete lieber selbst…“ „E-bike? Auf keinen Fall! Ich schummle doch nicht!“ Spricht´s und steigt in seinen Geländewagen.
Na ja, inzwischen habe ich eingesehen: Mein Elektrofahrrad hat das Image eines Rollators. Lieber nicht – oder nur wenn es unbedingt sein muss.
Mit dem Gebet ist es für viele von uns genau so. Ganz oft sagen Menschen zu mir: „Beten? Das ist doch nur was für Leute, die es nötig haben. Das kann ich immer noch, wenn es mir mal schlecht geht.“
Dabei: Beten ist viel mehr als Bitten, vielmehr als ein Rollator für die Seele. Es gibt mir zusätzliche Kraft.
Wenn ich durch den Park radle, die Sonne scheint, der Kuckuck ruft und ich kaum weiß wohin mit meiner Freude – dann ist das ein Gebet:
Antrieb für die Seele!

für NDR 2 „Moment mal am 7.4.

 

Wer bin ich?

Wenn wir Menschen kreativ sind, was richtig Gutes schaffen, dann stellen wir vorher zwei Fragen:
Wer bin ich?
Und: Was ist meine Aufgabe, was ist mein Ding? Das hat der Wissenschaftler Otto Scharmer gesagt.

Wer bin ich?
Also ich bin seit neuestem Großvater. Die kleine Ada ist da! Das ist so schön! Ich darf dabei sein, wenn ein kleiner Mensch diese Welt entdeckt, laufen lernt und träumen.

Und was ist meine Aufgabe, mein Ding?
Erst mal muss ich sie nur im Arm halten, mich freuen, wie sie wächst und gedeiht. Ich darf den Kinderwagen schieben.
Später werde ich heimlich mit ihr Pommes essen gehen, werde ihr verrückte Sachen kaufen, bis ihre Eltern mit den Augen rollen. Als Opa will ich sie einfach nur liebhaben. Und vor allem: Ich will Zeit für sie haben.
Das wird das Schwerste.
Ich komme ja jetzt schon kaum rum. Es gibt immer so viel zu erledigen, Sachen, die auch wichtig sind… glaub ich zumindest. Die Tage sind viel zu kurz.
Der Philosoph Martin Buber sagt:
„Du lässt dich von vielen Dingen bestimmen. Doch das ist nicht deine Bestimmung. Frag nach den Quellen, aus denen du lebst, frag nach dem tieferen Willen. Sonst verlierst du dich im Allerlei.“
So und jetzt nochmal: „Wer bin ich – und was ist meine Aufgabe?“

(für NDR 2, „Moment Mal“