Advent
Weiß leuchtet die große Fichte.
Raureif auf dem Vogelhaus.
Starr die Welt im ersten Lichte
Leben hält viel Kälte aus.
Advent
Weiß leuchtet die große Fichte.
Raureif auf dem Vogelhaus.
Starr die Welt im ersten Lichte
Leben hält viel Kälte aus.
Ich habe bei der Autorin Susanne Niemeyer einen Adventskalender bestellt. Sie schickt mir jetzt jeden morgen eine Email, ein„freudenwort.“
Heute schreibt Susanne:
Am Nachmittag tut sich plötzlich eine Lücke auf. Passanten schauen neugierig hinein. „Was ist da?“ „Nichts.“ Enttäuscht gehen sie weiter.
Warum eigentlich?
Wenn dir heute eine Stunde geschenkt würde, was würdest du tun?
Und was, wenn es 12 Minuten wären?
Ich fühle mich ertappt. Sie kommt gern mal zu spät. Ruft aber nie an. Hat ihr Handy meist nicht mal dabei. Und ich werde dann stinksauer: “ Wenn ich wüsste, wann du kommst – in drei, zwölf oder dreißig Minuten – dann könnte ich ja was damit anfangen. Aber so? Verlorene Zeit!
Doch wenn die Lücke ein Geschenk ist? Ich könnte ein schönes Lied hören, das mich zu Tränen rührt (ist mir schon passiert). Aus dem Fenster gucken, was die Vögel am Futterhaus so treiben. Jemandem eine richtig nette SMS schreiben. Träumen. Vom Strand auf Sylt. Und von den Bergen in Südtirol.
Wenn wir uns berühr’n
gibt das Glück uns ’n Kuss
und Schluss
(Silly, Findelkinder)
Ein cooles Motto für Advent und Weihnachten.
Lass dich berühren
wie Maria und Joseph, die Hirten, die Weisen
und das Glück gibt dir nen Kuss.
und Schluss.
Wofür stehst du?
Im Jahr 2010 tummelten sich 800 Lutherfiguren auf dem Marktplatz in Wittenberg. Sie waren aus Plastik und nur einen Meter groß. Eine tolle Installation. Das große Luther Denkmal wurde vom Sockel geholt und auf ein Metermaß reduziert. Die Figuren waren bunt: es gab rote, blaue schwarze und grüne Plastik-Reformatoren.
Martin Luther hätte das gefallen. Er war ja kein Heiliger und wollte das auch nie sein. Heilige machen keine Fehler. Mit Heiligen kann man nicht reden, denen kann man nur zuhören, die wissen alles.
Nach der Aktion konnte man die Figuren kaufen, leider war ich zu spät dran. Ich hätte gern so einen kleinen roten Plastik Luther gehabt, einen der mich immer wieder an die entscheidenden Fragen erinnert:
Wofür stehst du?
Was treibt dich an, was ist dein Credo?
Schwierige Fragen. Die Antwort kann dir keiner abnehmen, die musst du dir selber geben, mit Herz und Verstand. Jeder Mensch ist für sich selbst verantwortlich. Das hat Martin Luther immer wieder betont.
Also, was ist mein Credo?
Ich glaube, dass ich mich um meine Mitmenschen kümmern muss, um meine Mitwelt und um Gott. Humanität, Ökologie und Spiritualität sind drei in eins wie Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Ich glaube, als Kind Gottes bin ich frei, ich kann mein Leben genießen. Aber ich bin auch gefesselt. Ich darf die nicht verletzen, die ich liebe – und die anderen auch nicht. Ich glaube, dass ich aus der Liebe komme und in sie zurückkehre, wie immer das sein mag.
Gut, mein „Credo“ ist eher klein und ein bisschen schräg, wie der Reformator aus Plastik. Aber es ist ein Versuch – und ich werde es weiter versuchen.
Wofür stehst du?
Eine spannende Frage, nicht nur für das Reformationsjahr 2017
Ich sitze frühmorgens im Garten.
Himmlische Ruhe.
Nicht mal die Vögel singen. Die Schwalben sind schon wieder gen Süden unterwegs.
Und die Amseln? Ab und zu sitzt eine unterm Baum, grau und zerrupft. Sie pickt an einem heruntergefallenen Apfel. Sonst hört und sieht man sie nicht.
Fast alle erwachsenen Amseln sind jetzt in der Mauser. Ihre Federn haben sich abgenutzt, müssen ersetzt werden. Sie brauchen jetzt Ruhe, können nicht hoch hinaus.
*
Was bist du für ein komischer Vogel!
Glaubst, du brauchst das nicht: Ruhe für die Seele. Doch auch ihre Kräfte nutzen sich ab. Du kannst nicht immer hoch hinaus, brauchst Zeiten der Erneuerung; bist dann verletzlich, musst neue Kräfte sammeln.
Zeit für dich.
Himmlische Ruhe.
„Lasst uns einander liebhaben“ heißt es im 1. Johannesbrief.
Was für ein schöner, schlichter Satz. Keine großen, aufwallenden Gefühle, kein stürmisches Meer, eher die ruhige See; schön, einfach und selbstverständlich.
Seit füreinander da. Einfach so. Nicht mehr und nicht weniger.
Der barmherzige Samariter hat den Schwerverletzten lieb, ist im entscheidenden Moment für ihn da, mehr nicht. Er wird ihn wohl nie wiedersehen. Doch das ist nicht wichtig.
Einander liebhaben. Das klingt so einfach. Doch warum will uns das so oft nicht gelingen?Ein Grund ist sicher: Wir meinen, keine Zeit zu haben.
„Wir sollten uns mal wieder treffen!“
„Komm doch mal vorbei.“
„Wenn du Zeit hast…“
Floskeln einer höflichen Gleichgültigkeit.
Einander Liebhaben braucht Zeit und Aufmerksamkeit. Einander Liebhaben hütet sich aber auch vor zu großen Erwartungen.
In den Charts steht zurzeit ein Lied gerade ganz oben:
„I only miss you when I’m breathing,“
„Ich vermiss dich nur, wenn ich atme.“
In der deutschen Übersetzung klingt das so:
„Ich vermiss dich nur, wenn ich atme.
Ich brauch dich nur, wenn mein Herz schlägt.
Du bist die Farbe, die ich blute.
Du bist das Einzige, an das ich glaube.
Ich weiß, du kommst zurück zu mir und
ich werde hier auf dich warten, bis zum Ende.
Ohne deine Liebe weiß ich nicht, wie ich überleben soll.
Du bist, was mich am Leben erhält.
Ich vermiss dich nur, wenn ich atme.
Du bist die Droge, die ich brauche,
das Paradies nach dem ich suche.
Ich lebe und hoffe, dass da ein Grund ist.
Kann meine Lippen nicht bewegen, aber mein Herz schreit:
Ich vermiss dich nur, wenn ich atme.
Ich schreie deinen Namen, aber du antwortest mir nicht.
Schlage Alarm, erzähle es jedem.
Ich vermiss dich nur, wenn ich atme…
Dieser Schlager klingt wie ein Psalm: Der Beter drängt, er hofft, er setzt alles auf eine Karte. Der Beter will in den Arm genommen werden, es soll ihm gutgehen. Er will sich verlieren, will das Gefühl: Ich bin etwas Besonderes, meine Liebe ist heilig. Er richtet sich an einen Menschen. Er kann und darf nur das Schöne an ihm sehen, alles andere wird ausgeblendet.
Doch was, wenn die Geliebte unter die Räuber fällt? Wo bleibst du dann mit deiner reinen, unbefleckten Sehnsucht?
Aber selbst wenn ich dieses Gebet als an Gott gerichtet verstehen wollte, wäre es mir unheimlich.
Nein, Gott, ich vermiss dich nicht, wenn ich atme, du bist ja immer da. Ich vermiss dich nur, wenn mir die Luft ausgeht, wenn ich nicht mehr weiterweiß.
Und was, wenn du, Gott unter die Räuber fällst? Wenn du ans Kreuz genagelt wirst? Ist das dann Gotteslästerung, eine Verletzung meiner religiösen Gefühle? Muss ich mir dann ein neues Objekt für meine Liebe suchen, ein heiliges, unantastbares?
„Wer liebt kennt Gott.“
Wir Christen sagen: Gott ist ein leidender, geschundener Mensch geworden, verlassen von allen; einer, der Hilfe braucht.
Der barmherzige Samariter hat das verstanden. Er ist einfach da, als er gebraucht wird. Er fragt ganz schlicht: „Was kann ich für diesen Menschen tun?“
„Lasst uns einander liebhaben, lasst uns für die Verfolgten, Geschundenen da sein und wir werden verstehen, was das heißt:
Gott ist die Liebe.
Ja, wir schaffen das.
Im Radion höre ich zurzeit am liebsten ein Lied Andreas Bourani: „Der Astronaut.“ Bouranis Lied „Ein hoch auf uns“ macht ja schon gute Laune, aber der „Astronaut“ hat Tiefgang. Da steckt alles drin: die Freude an der Schönheit unserer Welt und die Klage über ihren Zustand.
Das Lied nimmt uns mit ins Weltall:
„Im Dunkel der Nacht, hier oben ist alles so friedlich, doch da unten gehts ab, / Wir alle tragen dazu bei, doch brechen unter der Last, / Wir hoffen auf Gott, doch haben das Wunder verpasst, / Wir bauen immer höher bis es ins Unendliche geht, / Fast acht Milliarden Menschen, doch die Menschlichkeit fehlt.“
Ja, manchmal ist es zum Verzweifeln. Ich muss aufpassen, dass ich nicht verbittere. Aber ich weiß genau: ich halte das nur aus, ich kann nur etwas ändern, wenn ich auch die Schönheit dieser Welt noch sehe:
Ein Astronaut hat es gut. Er sieht die Welt von oben. Wenn er aus dem Fenster schaut, zieht unser wunderschöne blaue Planet an ihm vorbei. Der Astronaut Rusty Schweickart erzählt: „Es ist unbeschreiblich. Du schaust aus dem Fenster und siehst das alles an dir vorüberziehen: Kalifornien, Florida … Dann freust du dich auf die Westküste von Afrika, auf den Sinai, auf Europa… Und plötzlich fällt es dir wie Schuppen von den Augend. Dir wird klar: Seit deiner Schulzeit hast die Erde immer mit Linien gesehen. Auf den Landkarten sieht immer Linien! Sie markieren die Grenzen zwischen den Staaten, oft tödliche Grenzen. Doch von da oben siehst du: Diese Grenzen gibt es gar nicht! Sie sind nichts als eine Einbildung von uns Menschen.“
Tja, so ist das, wenn man den Blickwinkel Gottes einnimmt. Dann sieht die Welt anders aus. Dir wird klar: Wir Menschen gehören alle zusammen, wir sind Kinder der Schöpfung. Ich würde ja auch mal gerne von oben auf die Erde blicken, wie der Astronaut von Andreas Bourani. Aber in den Weltraum werde ich wohl nicht mehr kommen. Schade.
Aber auf der anderen Seite ist das auch ganz egal. Ich muss nämlich gar nicht so weit weg. Die grenzenlos Schönheit dieser Welt liegt vor mir, direkt vor meinen Augen. Ich muss nur hinschauen.Ich bin seit neuestem stolzer Opa, meine Enkeltochter heißt Ada. Sie ist fünf Monate alt. Und wenn die mich anlächelt, dann ist es passiert! Dann geht es mir genau so wie dem Astronauten von Sido und Andreas Bourani:
Ich heb ab. Nichts hält mich am Boden…
„Ich seh‘ die Welt von oben / Der Rest verblasst im Grau /
Ich hab Zeit und Raum verloren hier oben / Wie ein Astronaut.“
Andacht für NDR 1 „Himmel und Erde“
Artischocken gebacken, Tomatensugo, Pamesan… Die Speisekarte klingt fantastisch. Aber die Preise sind es auch, soll ich wirklich…?
Da weht vom Nachbartisch ein Gesprächsfetzen herüber: „Ich schlafe jede Nacht acht Stunden“ sagt jemand. „Brauchst du das?“ fragt sein Gesprächspartner mit ernster Stimme. „Nö“ ist die fröhliche Antwort, „ich gönne mir das!“
„Wie schön!“ denke ich, „das habe ich ja lange nicht mehr gehört! Einer, der sich was gönnt, einfach so.
Mir begegnet oft genau das Gegenteil: Alles was der Mensch tut, ist ungeheuer sinnvoll. Und alles ist medizinisch oder sportwissenschaftlich abgesichert. Sonst geht gar nichts. Einen mächtigen Schub kriegt diese Art zu leben durch die digitaleTechnik.
Im Moment sind Fitnessarmbänder sehr in Mode. Du kannst ganzen Tag kontrollieren, wie viele Schritte du gehst, wie viele Kalorien du verbrennst, wie hoch dein Puls ist. Und am Abend weißt du dann genau, ob du ein richtig gutes und gesundes Leben geführt hast. Aber das ist noch nicht alles. Du kannst das Ding auch nachts tragen. Und morgens, das ist der Clou, kannst du ablesen, wie gut du geschlafen hast. Und wenn du dann wirklich mal acht Stunden schläfst, kannst du das fein begründen: „Weißt du, ich brauche das, weil meine Tiefschlafphase ist viel zu kurz.“
Aber will ich das? Will ich wirklich so leben? Will ich alles kontrollieren und alles immer nur richtigmachen? Klar, manchmal schlafe ich schlecht. Aber das spüre ich morgens auch so, dafür brauche ich kein Messgerät. Sicher, es kann sinnvoll sein, genauen Regeln und Gesetzen zu folgen: Mönche halten einen genauen Tagesablauf ein, mit festen Zeiten für die Arbeit und fürs Gebet. Künstler geben für ihre Musik alles, üben jeden Tag stundenlang. Junge Sportler leben absolut asketisch. Wenn wir ein Ziel haben, dann müssen wir das auch verfolgen. Sonst bleibt es ein Traum. Das ist sinnvoll, doch es nicht der Sinn des Lebens.
Ich brauche auch das andere, ich brauche auch den freien Blick zum Himmel, dieses Gefühl: Das Leben ist schön! Einfach so! Du musst es dir nicht verdienen.
„Ich gönn mir das!“ hat der Mann am Nachbartisch gesagt. Recht hat er. Ich schaue noch mal in die Speisekarte: Ahrenhorster Edelwaller, glasiert, an chinesischem Blätterkohl.. Lecker!
Das gönn ich mir jetzt. Einfach mal so.
Andacht für NDR 1 „Himmel und Erde“
Jennifer ist schlau. Sie klemmt ihren Scheitel immer hinters linke Ohr, trägt eine kluge Brille wie man sie gerade so trägt, liest anspruchsvolle Bücher und kommt immer pünktlich zum Konfirmandenunterricht. Und sie stellt kluge Fragen. Neulich hat sie mich gefragt. „Warum sind an so vielen Kirchtürmen Uhren?“ „Das hat einen guten Grund“ habe ich ihr geantwortet. Die Kirchen stehen meistens mitten im Ort, oft am Marktplatz. Man kann sie von überall sehen und vor allem hören. Die Menschen hatten früher noch keine Armanduhren. Aber so wusste trotzdem jeder im Ort, wie spät es ist. Die Kirchturmuhren waren nicht besonders genau. Ob es nun in Braunschweig zehn Minuten früher oder später war als in Hannover – was spielte das für eine Rolle? Jeder Ort hatte seinen eigenen Rhythmus.
„Cool!“ meinte Jennifer. „Warum ist das heute nicht mehr so?“
Das wurde anders mit der Erfindung der Eisenbahn. Die Orte rückten näher zusammen, man kam schnell von A nach B. Jetzt brauchte man eine genauere Zeit, eine, die für alle Orte galt. Und nach und nach wurde aus dem Zeitrhythmus der Takt: immer gleichmäßiger und immer genauer.
„Und jetzt ist Pünktlichkeit eine Tugend“ habe ich Jennifer erklärt. „Es ist ganz wichtig, dass man nicht zu spät kommt..“
Jennifer schüttelt den Kopf. „Also das ist bei uns nicht mehr so schlimm,“ sagt sie. „Ich habe ja schließlich mein Handy dabei. Wenn es später wird, schick ich meiner Freundin eine SMS und fertig.“
„Aber wenn ich Sonntag Abend den Tatort kucken will, dann muss ich immer noch absolut pünktlich sein,“ kontere ich, „sonst verpasse ich den Anfang!“
„Aber Herr Pastor!“ sagt Jennifer und lächelt „haben Sie noch nie was von der Mediathek gehört? Im Internet können Sie Ihren Tatort kucken wann sie wollen!“
Jennifer hat Recht. Es ist ja wirklich so: Unsere Generation war genau getaktet. Morgens pünktlich am Zug abends pünktlichst vor der Tagesschau, immer auf die Minute genau! Pünktlichkeit war eine große Tugend: „Wer nicht pünktlich ist, verpasst das Leben!“
Das ändert sich gerade.
Fast jeder hat ein Handy in der Tasche. Das Nachteile. Du bist immer erreichbar. Wenn du nicht aufpasst, wirst du ständig gestört, kannst nicht mehr in Ruhe arbeiten. Auf der anderen Seite: Wenn du zu etwas zu spät kommst, ist das mehr nicht mehr so schlimm – ein kurzer Anruf oder eine SMS genügt: „Bin in zehn Minuten da.“ Und wenn du am Sonntag den Tatort nicht pünktlich schaffst, dann schaust du ihn dir halt in der Mediathek an.
Wie wird das weitergehen?
Bin ich bald nur noch fremdbestimmt?
Oder kann ich wieder stärker meinem eigenen Rhythmus folgen, schauen, was jetzt gerade für mich dran ist?
Ich bin gespannt.
Aber eins gilt nach wie vor:
Wenn du Gott zum Lachen bringen willst – erzähl ihm von deinen Plänen.
Andacht für NDR 1 „Himmel und Erde“
Der Rasenroboter stoppt vor meinen Füßen, dreht sich um die eigene Achse und holpert quer über unseren Sportplatz. Ich schaue ihm eine Weile zu. Und staune:
Ich dachte immer, die Dinger arbeiten systematisch, Bahn für Bahn. Aber so ist das ist gar nicht. Als die selbstfahrende Mähmaschine an der Eckfahne anlangt, fährt sie plötzlich in Richtung Mittelkreis. So geht es weiter: Der Rasenroboter brummt chaotisch kreuz und quer über den Platz. „Wie kriegt das Teil den Rasen ohne System so kurz?“ frage ich mich.
Ich muss an meinen Tageslauf denken. Der ist oft genug genau so wie der Weg vom Rasenroboter: Morgens, bevor es losgeht, mache ich immer erst mal einen Plan: „Als erstes beantwortest du deine Emails. Dann räumst du deinen Schreibtisch auf und dann … In dem Moment klingelt das Telefon – und mein ganzer schöner Plan ist über den Haufen geworfen. Ab jetzt laufe ich kreuz und quer durch meinen Tag, wie so ein Rasenroboter, laufe in Sackgassen, mache Kehrt, stundenlang. Wenn ich dann endlich Feierabend habe, denke ich oft: „O Mann! War das ein Chaos! Hast heute wieder überhaupt nichts geschafft.“ Aber das stimmt nicht. Ich habe nur das nicht geschafft, was ich mir vorgenommen hatte. Mein schöner Plan hat nicht funktioniert.
Unsere Fußballer sagen übrigens, „Wir hatten noch nie so einen gepflegten Rasen wie mit diesem Mähroboter.“ Das ist mir ein Rätsel! „Wie kann das funktionieren, dass bei diesem Ding, das acht Stunden am Tag planlos über das halbe Hektar Grün holpert so ein super Ergebnis herauskommt? Wie kommen die Ingenieure bloß auf so eine Idee?“ Also, ich habe nachgelesen. Die Entwickler sagen: „ Das war ganz einfach! Wir haben uns das bei den Schafen abgeguckt. Die laufen auch nicht in Reih und Glied über die Wiese, sie knabbern mal hier und mal da. Aber am Ende ist die Wiese kurz.“
Seit ich das weiß, muss ich schmunzeln, wenn ich den Mähroboter sehe:
Im Grunde ist es ja genau das, was der Jesus uns immer wieder rät: Sorge dich nicht, was der Tag bringen wird. Lass dich ruhig ablenken! Bleib einfach mal stehen! Staune über der Lilien auf dem Felde. Sie sind so schön! Und wirf alle deine Pläne sofort über den Haufen, wenn ein Mensch deine Hilfe braucht – so wie der barmherzige Samariter. Pläne sind gut. Aber ein sattes, buntes, reiches Leben wirst du nur haben, wenn du dich auch mal um die eigene Achse drehst, kreuz und quer durch den Tag holperst.