Schlagwort: Ostern

Ostern

In den USA hat man einer Gruppe von Menschen einen kleinen Film gezeigt, ungefähr 30 Sekunden lang. In diesem Film spielten zwei Gruppen, eine im weißen und eine im schwarzen Trikot, Basketball.
Die Zuschauer bekamen folgende Aufgabe: „Zählt bitte genau, wie oft die weiße Mannschaft den Ball auf den Boden prellt. Und sie zählten gut. Fast alle hatten die richtige Zahl.
„Gut gemacht!“ sagte man ihnen, „aber habt ihr noch irgendwas anderes gesehen? Ist euch irgendetwas aufgefallen?“
„Nein! Was soll uns aufgefallen sein?“
„Es ist ein Mensch in einem Gorilla Kostüm einmal quer über den Platz gelaufen, hat euch angeschaut und sich auf die Brust geklopft!“
Die Beobachter schüttelten den Kopf: „Das kann gar nicht sein!“
Man zeigte ihnen den Film ein zweites Mal – und tatsächlich! Da war der Gorilla! Keiner von ihnen hatte ihn gesehen!
Dieses Experiment ist oft wiederholt worden, immer mit dem gleichen Ergebnis: Niemand hat den Gorilla gesehen – das heißt, so ganz stimmt das nicht: später hat man bei den Zuschauern die Augen beim Beobachten gemessen:
fast alle hatten den Gorilla mindestens eine Sekunde angeschaut – aber niemand hatte ihn gesehen.
Wenn wir uns auf eine Aufgabe konzentrieren, dann nehmen wir Fremdes nicht mehr wahr – selbst wenn wir es sehen.
Ob es uns mit Ostern auch so geht?
Ob wir vor lauter Erbsenzählerei nicht sehen, wo die Auferstehung uns begegnet?
In den Osterglocken, die gerade blühen, im Blau des Himmels, in den Augen eines Menschen?
Wir sehen, aber wir nehmen nicht wahr.
Doch es ist.
Frohe Ostern!

Es ist vollbracht

Es ist vollbracht
„Es ist vollbracht!“ ruft der Radio Reporter begeistert. „Das Spiel ist aus! Die Eintracht hat gewonnen!“
Früher habe ich mich immer geärgert, wenn ich das gehört habe.
Ich habe gedacht:
„Du meine Güte, weiß der eigentlich was er da redet?“
„Es ist vollbracht.“ Das sind die letzten Worte Jesu am Kreuz! Und der benutzt sie für das Ende eines schnöden Fußballspiels. Und keiner merkt´s.
Es ist vollbracht. Das ist zu einem geflügelten Wort geworden. Es begegnet mir an allen Ecken und Enden: Wenn jemand eine Prüfung bestanden hat, am letzten Tag vor dem Urlaub, immer wieder: „Es ist vollbracht.“
Früher habe ich gedacht: „So weit haben wir uns schon entfernt von unserer christlichen Tradition, dass dieses Wort so gedankenlos und sinnentleert benutzt wird!“
Inzwischen sehe ich das anders. Wo immer mir dieser Satz begegnet, höre ich den Wiederhall der Auferstehung. Die Sehnsucht nach Ostern.
Ein Sieg im Fußball ist nur ein kurzes Glück, der nächste Gegner wartet schon. Die Prüfung ist bestanden, gut. Aber jetzt kommt das Berufsleben, das wird auch kein Zuckerschlecken. Doch die Sehnsucht ist da. Ich will endlich ankommen. Will nicht mehr kämpfen, mich nicht mehr beweisen müssen; will sie spüren, die bedingungslose Liebe.
Es soll endlich vollbracht sein.
Doch das ist es längst.
Ich kann es sehen und fühlen, wenn ich achtsam bin.
Ein Freund erzählt vom Tod seiner alten Mutter. Er hat lange an ihrem Sterbebett gesessen.
Schließlich hat er sie gefragt:
„Möchtest du noch leben?“
Sie hat nickt: „O ja!“
„Hast du Angst vor dem Tod?“
Da hat sie gelächelt: „Aber nein!“
„Es ist vollbracht.“
Die letzten Worte Jesu am Kreuz singen sich in unser Leben, hinterlassen Spuren von Sehnsucht und Liebe.
Frohe Ostern!

Ostern

Direkt unter dem Nistkasten hängt ein Spiegel.
Und die Meise?
Sie fliegt hektisch hoch und runter, ist völlig irritiert, weiß nicht, was sie von ihrem Spiegelbild halten soll.
Der Eingang zu ihrem Nest liegt direkt vor ihr. Sie schaut kurz rein, kommt wieder raus. Sie kann nicht rein! Muss erst ihren imaginären Feind erst besiegen!

Matthias Claudius dichtet:

„So sind wohl machen Sachen,
die wir getrost belachen,
weil unsere Augen sie nicht sehen.“

– So sind wohl Illusionen,
die immer in uns wohnen,
weil unsere Augen nur sie sehn.

Scheingefechte und Spiegelbilder, die uns kaputt machen.
Wann ist Ostern? Wenn diese Scheingefechte aufhören; wenn wir aufhören uns zu spiegeln in unseren Illusionen, Selbstbildern; dem, was wir für die einzige Wirklichkeit halten. Ja, wenn auch die Zweifel am Ende sind, ein Ende haben.
Bei der Meise ist es einfach. Ich habe den Spiegel umgedreht. Der Feind, der nie da war, ist verschwunden.
Bei mir ist das schon schwerer. Ich kehre immer wieder in mein Spiegelkabinett zurück…