Zuversicht II

Der Dichter Sten Nadolny schreibt:
„Wenn Dir die Zuversicht ausgeht, erfinde sie.“
Der Satz gefällt mir.

*

Als ich das einer Freundin erzähle, sagt sie:
„Weißt du was? Ich bin Profi im Erfinden von Zuversichten.
Aber irgendwann schlägt dir der Selbstbetrug gnadenlos ins Gesicht.“
Ich erschrecke.
Ja, zur Zuversicht gehört Verletzlichkeit.
Sonst verkommt sie zu diesem hemdsärmeligen, gnadenlosen Optimismus, der mich den ganzen Tag anschreit, aus dem Radio, im Fernsehen. Die drehen sogar den Ton höher, damit ich es auch bloß nicht überhöre:
„Wenn es dir schlecht geht, bist du selber schuld! Du musst doch bloß…“
*
Zuversicht.
Ein schönes, altmodisches Wort.
„Sehen“ steckt drin; und „sich auf die Zukunft freuen.“
Zuversicht ist leise.

*

Sie ist Profi im (er)finden von Zuversichten.
Und sie ist verletzlich.
Hoffentlich bleibt sie beides.

*

Heute Morgen im Garten leuchtet der erste Mohn.

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Ein Gedanke zu “Zuversicht II

  1. In der Zuversicht, anders als in der Zusicht, steckt auch schon eine Erfüllung, ein über-das-Jetzt-hinaus – so wie versorgen mehr ist als sorgen, verwechseln mehr als wechseln, verschlafen mehr als schlafen, vergeben mehr als geben.

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