Autor: Friedhelm Meiners

Freudensteigerung

Der Schriftsteller Hanns-Josef Ortheil ist erst neun Jahre alt, als er sich Gedanken über das Kirchenjahr macht. Er schreibt: „Das Kirchenjahr fängt ja nicht am 1. Januar an, sondern am 1. Advent. Das ist, damit die Christen sich auf Weihnachten freuen können. Dann geht es auf Ostern zu. So haben die Christen immer ein Fest, auf das sie sich freuen können.
Man sagt dann: „Nur noch zwei Wochen bis Himmelfahrt oder nur noch gut drei Wochen bis Pfingsten.“  Man kann sich freuen, bis das Fest dann endlich da ist.
„Das Kirchenjahr“ schreibt der Junge, „ist eine Einteilung der Zeit zur allmählichen Freudensteigerung. Die Christen haben auf diese Weise immer etwas vor Augen, auf das sie sich freuen können.“
Was für ein schöner Gedanke!
Darauf können nur Kinder kommen. Sie freuen sich einfach. Kinder denken nicht: „O Gott! Schon bald wieder Pfingsten! Wir wollen doch wegfahren und ich muss noch so viel machen! Wie soll ich das bloß schaffen?“ Klar, Kinder haben es gut. Wir machen uns für sie den Kopf. Aber trotzdem.
Jesus sagt: „Werdet wie die Kinder. Freut euch einfach!“
Übrigens: die Kinder in Niedersachsen freuen sich jetzt schon auf den 5. Sonntag nach Trinitatis. Das ist nämlich der erste Sonntag in den Sommerferien.

für NDR 2, „Moment mal“ am 16.4. 2016

Geben

Er ist nicht mehr der jüngste und er ist vermögend.
Sein Geld gibt er für den Erhalt alter Gebäude aus. Und er fördert Künstler, hat immer wieder Ideen für neue Projekte.
Wir haben gemeinsam eine Ausstellung in unserer Kirche organisiert. Es war wie immer eine Menge Arbeit, aber nun ist es geschafft. Die Ausstellung ist toll geworden: riesige Gemälde vom Meer, Wellen und Strand.
Nach der Eröffnungsfeier sitzen wir noch eine Weile zusammen.
„Warum tun Sie sich das eigentlich an?“ fragt ihn einer der Gäste. „Dieser ganze Stress! Sie haben doch genug gearbeitet! Jetzt könnten Sie es doch endlich mal ein bisschen ruhiger angehen lassen, das Leben genießen.“
Er lächelt: „Ich mache das, um Sie kennenzulernen.“
Der Gast runzelt die Stirn.
„Schauen Sie“ fährt er fort: „Ich habe Sie in die Ausstellung eingeladen und Sie sind gekommen.
Was meinen Sie, hätten Sie das auch gemacht, wenn ich Ihnen gesagt hätte: Kommen Sie mal zu mir nach Hause, ich will Ihnen mein tolles Sparbuch zeigen?“
Wer teilt, hat mehr vom Leben.
Oder, wie Jesus sagt: Geben ist seliger denn nehmen.

 

Von E-Bike und Gebet

 

Seit gut drei Jahren habe ich ein schnelles Elektrofahrrad. Und ich bin begeistert. Auf der kurzen Strecke ist das E-bike unschlagbar. Seit ich es habe, mich keiner mehr überholt.Und ich muss nie mehr einen Parkplatz suchen!
E-bike fahren ist wie Cabrio fahren. Nur schöner. Ich habe immer Rückenwind.
Aber was ich mir alles anhören muss: „Herr Meiners, so alt sind Sie doch noch gar nicht!“ „Nein, ich trete lieber selbst…“ „E-bike? Auf keinen Fall! Ich schummle doch nicht!“ Spricht´s und steigt in seinen Geländewagen.
Na ja, inzwischen habe ich eingesehen: Mein Elektrofahrrad hat das Image eines Rollators. Lieber nicht – oder nur wenn es unbedingt sein muss.
Mit dem Gebet ist es für viele von uns genau so. Ganz oft sagen Menschen zu mir: „Beten? Das ist doch nur was für Leute, die es nötig haben. Das kann ich immer noch, wenn es mir mal schlecht geht.“
Dabei: Beten ist viel mehr als Bitten, vielmehr als ein Rollator für die Seele. Es gibt mir zusätzliche Kraft.
Wenn ich durch den Park radle, die Sonne scheint, der Kuckuck ruft und ich kaum weiß wohin mit meiner Freude – dann ist das ein Gebet:
Antrieb für die Seele!

für NDR 2 „Moment mal am 7.4.

 

Wer bin ich?

Wenn wir Menschen kreativ sind, was richtig Gutes schaffen, dann stellen wir vorher zwei Fragen:
Wer bin ich?
Und: Was ist meine Aufgabe, was ist mein Ding? Das hat der Wissenschaftler Otto Scharmer gesagt.

Wer bin ich?
Also ich bin seit neuestem Großvater. Die kleine Ada ist da! Das ist so schön! Ich darf dabei sein, wenn ein kleiner Mensch diese Welt entdeckt, laufen lernt und träumen.

Und was ist meine Aufgabe, mein Ding?
Erst mal muss ich sie nur im Arm halten, mich freuen, wie sie wächst und gedeiht. Ich darf den Kinderwagen schieben.
Später werde ich heimlich mit ihr Pommes essen gehen, werde ihr verrückte Sachen kaufen, bis ihre Eltern mit den Augen rollen. Als Opa will ich sie einfach nur liebhaben. Und vor allem: Ich will Zeit für sie haben.
Das wird das Schwerste.
Ich komme ja jetzt schon kaum rum. Es gibt immer so viel zu erledigen, Sachen, die auch wichtig sind… glaub ich zumindest. Die Tage sind viel zu kurz.
Der Philosoph Martin Buber sagt:
„Du lässt dich von vielen Dingen bestimmen. Doch das ist nicht deine Bestimmung. Frag nach den Quellen, aus denen du lebst, frag nach dem tieferen Willen. Sonst verlierst du dich im Allerlei.“
So und jetzt nochmal: „Wer bin ich – und was ist meine Aufgabe?“

(für NDR 2, „Moment Mal“

 

Taufe oder: Wie ist das Wasser heute?

Schwimmen zwei junge Fische des Weges und treffen zufällig einen älteren Fisch, der in die Gegenrichtung unterwegs ist.
Er nickt ihnen zu und sagt: „Morgen Jungs, wie ist das Wasser heute?“
Die zwei jungen Fische schwimmen eine Weile weiter, und schließlich wirft der eine dem anderen einen Blick zu und sagt:
„Was zum Teufel ist Wasser?“
(David Foster Wallace)

Ihr Lieben!
In der Osternacht haben wir Euch drei in St. Martini getauft und bald werdet Ihr konfirmiert.Das erste, geheime Zeichen der Getauften war der Fisch. Er steht auch für das Wasser, mit dem Ihr getauft seid. Es ist lebendiges Wassers, ein Meer der Liebe, stärker als der Tod. Diese Liebe umgibt Euch wie das Wasser die Fische. Ihr könnt sie nicht sehen, nehmt sie oft nicht einmal wahr; habt euch an sie gewöhnt, so wie wir alle.
Manchmal fühlt die Liebe sich an wie das Wasser in einer wohltemperierten Badewanne; doch sie wird Euch auch mitreißen wie ein kalter Gebirgsbach, durcheinanderwirbeln wie die stürmische See.
Die Liebe trägt Euch wie das Wasser die Fische. Sie ist tief und weit wie das Meer.
Was wäre, wenn ein Fisch im Meer auf den Gedanken käme, das Wasser hat Grenzen und es reicht nur für ihn und seinesgleichen? Wir würden nur milde über ihn lächeln.
Liebe Konfis, ich wünsche Euch, dass Ihr Euch immer wieder an das Wasser Eurer Taufe erinnert als Zeichen der Liebe, aus der wir alle leben.
Und so wie hier der ältere Fisch die jungen fragt „Na Jungs, wie ist das Wasser heute?“ so fragt Euch hoffentlich auch ab und zu mal jemand:
„Na Leute, wie fühlt sich die Liebe heute an?“
Herzlichst
Euer Pastor Friedhelm Meiners

(Wort zum Sonntag für die Braunschweiger Zeitung)

Brauchst du das?

Eine kleine Szene aus der Kneipe:
Am Nachbartisch erzählt ein junger Mann:
„Ich schlafe jede Nacht acht Stunden.“
„Brauchst du das?“ fragt sein Gegenüber.
„Nö. Ich gönn mir das.“
Das ist wahre Freiheit!
In einer Gesellschaft, in der du dir alles verdienen, alles begründen musst, gönnt sich einer acht Stunden Schlaf. Einfach so. Weil er Spaß dran hat.

Was gönn ich mir heute mal?

Die Freude am Kirchenjahr

 

Der Schriftsteller Hanns-Josef Ortheil ist neun Jahre alt, als er sich Gedanken über das Kirchenjahr macht. Der Junge entdeckt: Das Kirchenjahr beginnt nicht am 1. Januar, sondern am 1. Advent. Es ist nicht durch die Jahreszeiten gegliedert, sondern durch die Feiertage: auf Weihnachten folgt Ostern, schließlich kommen Himmelfahrt und Pfingsten. Er findet das schön. Der Junge notiert:
„Im Leben der Gläubigen führen diese Gliederungen dazu, dass sie sich präziser auf ein hohes Fest vorbereiten und darauf freuen können. Man sagt dann zum Beispiel: „Nur noch ein paar Wochen bis Ostern!“ Tag für Tag spürt man, wie der zeitliche Abstand geringer wird, entsprechend steigert sich die Vorfreude und führt hin zur eigentlichen und endgültigen Festtagsfreude. Das Kirchenjahr ist also eine Einteilung der Zeit zur allmählichen Freudensteigerung. Die Gläubigen haben auf diese Weise immer etwas vor Augen, auf das sie sich freuen können.“
Was für ein kluger Gedanke. Darauf können wohl nur Kinder kommen. Für mich sind Feiertage immer auch etwas, worauf ich „hinarbeite“. Ich muss viel erledigen, alles gut vorbereiten. Kurz vor dem Fest ist es immer am schlimmsten: ich habe dann noch so viel zu tun, dass ich mich kaum noch freuen kann.
Für Kinder ist das anders. Sie können Ostern kaum erwarten, sind gespannt, was sie geschenkt bekommen.
Ich kann mich schlecht beschenken lassen – glaube, ich muss mir die Freude erst erarbeiten. Wenn ich nicht vorher alles schaffe, wird das nichts mit der Freude. Was für ein Unsinn!
Bis Ostern dauert es es noch eine ganze Weile. Aber die Tage werden langsam wieder länger, die Winterlinge blühen schon. An Ostern wird es wärmer sein, die Buschwindröschen werden blühen. Das ist alles geschenkt!
Wie ich mich darauf freue!

Friedhelm Meiners, Pastor an St. Martini

Ruhe

Winter.
Unsere Bäume haben sich von allem getrennt:
von ihren Blättern, vom Wasser in Stamm und Ästen.
Ruhe.
Nichts geschieht.

Kann man das nicht ändern?
Was passiert, wenn du eine Eiche
in einen schönen warmen Raum mit viel Licht stellst?
Sie treibt das ganze Jahr, wird immergrün –
und stirbt nach kurzer Zeit.

Unsere Bäume brauchen den Winter.
Zeit zum Loslassen, Abwerfen.

Jesus geht allein auf einen Berg.
Immer wieder.
Was tut er dort?
Nichts.
Gönnt sich Ruhe.
Lässt los.

„Und alles, was uns groß und wichtig erscheint –
ist plötzlich nichtig und klein…“

Wir brauchen den Winter.

 

Der verborgene Gott

Er sagt: „Es ist zu viel passiert. Ich kann nicht mehr glauben.“Ich kann nichts antworten, sein Leid ist zu groß. Er hatte immer geglaubt, dass das Leben gerecht ist, irgendwie. Wenn du gesund lebst, dich an die Regeln hältst, wird alles gut. Doch so ist es nicht.
Wir sollen Gott lieben und fürchten.
Warum fürchten?
Weil wir ihn nie „verstehen,“ weil das, was wir mit dem Wort „Gott“ bezeichnen höher ist als unsere Vernunft.
„Im echten Leben ähnelt Gott dem, wie wir ihn uns vorstellen ungefähr so wie der Leopard der Hauskatze.
Er ist größer, ja. Aber er ist auch furchterregender und viel, viel seltener zu sehen. Gott ist der Gott der tiefen Wälder – nicht der Gärten – ist der geheimnisumwitterte Gral der Sucher. Du kannst dein Leben in einem Wald voller Gott verbringen und ihn nie zu Gesicht bekommen, höchstens Spuren seiner Anwesenheit wahrnehmen:
Eine plötzliche Stille, gefolgt von den Rufen zu Tode erschrockener Menschen, das Gefühl, dass sich etwas knapp außerhalb deines Gesichtsfeldes bewegt.
Oder du hast Glück: gehst im nebligen Morgengrauen spazieren, schaust dich um und siehst für den Bruchteil einer Sekunde etwas Wildes, Erschreckendes, Wunderschönes.
In diesem Sekundenbruchteil prägt sich das Bild unauslöschlich in dein Gedächtnis ein und lässt dich begierig nach mehr zurück.
Die Suche nach Gott ist wie die Suche nach Gnade: Sie wird einem gewährt, aber nicht oft, und man weiß nie, wann oder wie.“

(Ich habe diese Passage in Helen Macdonald`s Roman „H wie Habicht“ gefunden und umgeschrieben.)

 

3. Advent

Ameisen?

  1. Advent
  2. Predigt über Kor. 4, 1-5 in St. Martini Braunschweig

Die Schriftstellerin Susanne Niemeyer erzählt folgende kleine Szene:
Ein kleines Mädchen hockte am Rand des Spielplatzes und sah sehr vertieft aus. „Was machst du?“, fragte ich. „Schau“, sagte es, „die Ameisen.“ Ich konnte nichts Besonderes entdecken. „Sie laufen umher und tragen Sachen und wissen nicht, dass ich sie angucke. Ist das nicht komisch?“ Nachdenklich fügt sie hinzu: „Für die Ameisen könnte ich Gott sein.“
„Wir sind Haushalter über Gottes Geheimnisse“ sagt Paulus.
Was heißt das? Sind wir die, die wissen, dass sie beobachtet werden? Immer? Wie wir hier rumkrabbeln, irgendwelche sinnlosen Dinge tun, uns abmühen mit wer weiß was?
Was sieht Gott, wenn er mich jetzt, in diesem Moment, beobachtet?
Ich bin in der Kirche. Auf der Suche nach… Ja, wonach?
Nach Gewissheit?
Nach der adventlichen Stimmung in all dem Trubel? Suche ich Kraft für meinen Alltag – oder will ich da einfach mal raus?
Was sieht Gott, wenn er mich beobachtet – wie das kleine Mädchen die Ameisen?
Ich kann das nicht sagen. Das ist sein Geheimnis. Gott sieht mehr als ich.
Das ist gar nichts besonderes. Ein Vogel, ein Habicht, sieht schon mehr als ich. Er kann eine Biene genauso scharf erkennen wie ich einen Baum – er sieht auch die aufsteigende Luft, die ihn nach oben trägt. Seine Augen sind den meinen weit überlegen. Er sieht, was mir verborgen ist.
Haushalter, Verwalter der Geheimnisse Gottes.
Das sollen wir sein, sagt Paulus.
Was hüten wir da?
Können wir etwas ahnen, etwas sehen von den Geheimnissen Gottes?
Der Habicht hat vier statt drei Rezeptoren in seinen Augen. Darum kann er mehr sehen als wir. Das ist sein Geheimnis.
Doch was ist das Geheimnis Gottes?
Schauen wir noch einmal auf das kleine Mädchen. Wie sie da hockt und auf die Ameisen schaut:
„Eigentlich könnte ich ihr Gott sein.“
Nein, nicht könnte…
In diesem Moment ist sie ihr Gott. Sie lässt sie in Ruhe. Doch sie könnte auch ganz anders. Ich denke noch mit Grausen an die Experimente, die wir als Kinder mit Ameisen, mit Schnecken, mit Fröschen getrieben haben.
Der Gott kann mit den Ameisen machen was er will.
Kann sie laufen lassen – kann aber auch mal eben mit dem Zeigefinger…
Und die Ameise kann nichts tun – außer im Bau, im Dunkel verschwinden. Sich verbergen vor den Augen ihres Gottes, vor den Augen dieses kleinen Mädchens, Herrin über Leben und Tod.
Doch das kleine Mädchen sagt ja ganz zu Recht:
„Die Ameisen wissen gar nicht, dass sie beobachtet werden.“ Es sei denn, etwas Schreckliches geschieht, die Herrin schlägt zu. Dann wissen die Ameisen, dass ihre Göttin grausam ist, unbarmherzig. Dann wissen sie, dass sie halt nur Ameisen sind. Unbedeutend, eine von vielen. Spielball des Schicksals.
Opfer der Willkür eines kleinen Mädchens.
Ich glaube, dass ist das Lebensgefühl vieler Menschen.
Wir haben Angst vor dem, was wir Schicksal nennen.
Wollen gar nicht wissen, was die Zukunft bringt.
Das Schicksal ist blind.
Doch wenn wir die Angst vor dem Schicksal halbwegs gebannt haben, dann kommt noch eine weitere hinzu:
Die Angst vor den anderen.
Was sollen die Leute sagen?
Ein harmloses Beispiel:
Ich kaufe mir ein neues Auto, einen Touran.
„Ein cooles Teil,“ sagt ein Freund, „ist praktisch und fährt super. Du musst nur wissen, welches Image du dir damit einkaufst.“
Ein Touran ist langweilig. Du bist ein Langweiler.

Nein, du brauchst keinen Gott, der von außen draufschaut.
Die anderen reichen.
Sie sehen dich.
Sie warten nur drauf, dich zu beurteilen – zu verurteilen.
Langweiler ist da noch harmlos.
Du bist immer auf der Hut vor ihrer Meinung. Kannst nicht mal eine Meinungsumfrage machen wie die Politiker. Sie werden dir nicht sagen, was sie wirklich von dir denken. Außerdem ist ihre Meinung nur von kurzer Haltbarkeit – eben noch Hosianna…
Der Gott ist der, der dich beobachtet, von außen betrachtet.
Was sieht er?
Auf jeden Fall mehr, als du ihm zeigen willst.
Der Richtergott sitzt neben dir.
Und du bis es selbst für deinen Nächsten.
Paulus sagt: „Das ist mir völlig egal. Was ihr von mir haltet, interessiert mich überhaupt nicht.“
Doch er sagt das ohne Überheblichkeit. Er sagt: Ihr seid viel zu schnell mit eurem Urteil. Das erste, was ihr tut, wenn ihr einem Menschen begegnet, ist ihn taxieren: hübsch oder hässlich – gut oder schlecht…
Lasst das sein!
Euer ewiges Urteilen und Beurteilen führt euch in den Zynismus: „Der ist ja auch nicht besser…“ und in die Angst:
„Was, wenn die anderen?“
Fragt lieber nach dem, der euch so geheimnisvoll begegnet – der euch leben lässt. Jeden Tag, mit jedem Atemzug. Fragt nach dem, was euch wirklich trägt.
Was ist die Quelle meines Lebens?
Woraus speist sich alles, was in mir lebendig ist?
Ich bin in der Kirche. Auf der Suche nach dem Geheimnis Gottes.
Ich kann es fühlen, doch es fällt unendlich schwer, es auszudrücken.
Das Geheimnis findest du im kleinen Kind – verletztlich, hilflos. Du findest es in dem, der leidet für die anderen – du findest es in dem, der neu beginnt in all dem Leid. Der es durschreitet, überwindet.
Geheimnis Gottes. Ich kann seiner gewahr werden. Und ich soll es hüten wie einen kostbaren Schatz.
Mehr wird nicht von mir erwartet.

Amen.