Kategorie: Allgemein

Reich?

Wort zum Sonntag für die Braunschweiger Zeitung.

Reich?
Der kleine Junge steht mit strahlenden Augen vor mir, hält mir sein Sparschwein hin. Ich darf es füttern. Dann nehme ich es vorsichtig in beide Hände: „Das ist aber schwer!“, sage ich bewundernd. „Ja!“ sagt der kleine Mann ganz stolz, „Ist auch schon fast voll!“ Und dann flüstert er mir mit heiligem Ernst ins Ohr: „Sind bestimmt hundert Euro drin!“
Hundert Euro! Was er davon alles kaufen könnte…
O Mann, viel zu oft bin ich wie ein fünfjähriger. Dann bilde ich mir eine Menge ein auf mein ganz persönliches Sparschwein: auf meinen Schatz an Wissen, an Erfahrungen, auf meinen Glauben. Ich denke dann wirklich das reicht, um anderen die Welt zu erklären.
Doch was weiß ich schon? Wenn es eng wird, reicht mein Schatz kaum über den Tag.
Sie hat ihren Mann verloren, nach über fünfzig Jahren. Was soll ich ihr sagen?
„Das Leben geht weiter“? „Seien Sie dankbar für all die Jahre“? Ist ja beides richtig, aber es ist auch die ganz kleine Münze. Sie weiß es ja selbst. Nur hilft es ihr kein bisschen weiter.
Ich stehe ratlos da. Weiß, dass der Schatz meiner Erfahrungen nicht reicht. Ich schweige. Und ich spüre: dieses Schweigen tut uns beiden gut.
Später können wir dann reden. Über ihren Schmerz und ihre Trauer, aber auch über ihre Kraft und ihre Hoffnung: „Ich werde hier noch gebraucht“, sagt sie. „Und er wartet auf mich.“
Martin Luther hat am Ende seines Lebens geschrieben:
„Wir sind Bettler, das ist wahr.“
Es ist nicht schlimm, mit leeren Händen dazustehen.

Friedhelm Meiners, Pastor an St. Martini

Auswendig lernen und der 121. Psalm

Radioandacht für NDR 1 Niedersachsen Freitag, 14.02.14

Meine Konfirmandinnen und Konfirmanden haben inzwischen fast alle ein Smartphone. Sie lieben diese Dinger und können sich ein Leben ohne kaum noch vorstellen. Und ja, die neuen Medien haben auch den Konfirmandenunterricht verändert. Früher habe ich mit meinen Konfis immer ein „Bibelquiz“ gespielt. Das ging so:
Jeder hatte seine Bibel in der Hand und ich stellte ihnen eine Aufgabe, zum Beispiel: Mit welchen Worten beginnt der 121. Psalm?
Die Konfis begannen zu blättern und wer den Psalm als erstes gefunden hatte, hatte gewonnen. Das konnte schon mal ein paar Minuten dauern. Dann rief die erste: „Hier! Ich habe es!
Psalm 121: Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen.“

Heute ist das anders. Wenn ich ihnen erlaube, ihr Smartphone zu benutzen, brauchen sie höchstens zehn Sekunden. Sie tippen auf ihre Handys und schon haben sie den ganzen Text vor Augen. Sie können mir auch sofort sagen, wann Martin Luther geboren wurde oder wo in der Bibel die Bergpredigt steht. Faszinierend! Alles Wissen ist in Sekunden verfügbar. Also wenn ich damals in der Schule so ein Ding gehabt hätte…
Die Last des ewigen Blätterns und Suchens haben meine Konfirmanden nicht mehr. Es bleibt mehr Zeit, sich in einen Text vertiefen, ihn für das eigene Leben fruchtbar machen.
Und genau das versuchen wir mit unseren Konfirmanden.
Dafür ein Beispiel: Auf der Freizeit im Harz beten wir mit den Konfirmanden jeden Morgen den 121. Psalm. Ich spreche vor, die Konfirmanden sprechen nach. Am ersten Tag nur die ersten beiden Zeilen:
„Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?“
Wir sind einen Moment still.
Können nachdenken: Woher kommt mir Hilfe?
Am nächsten Morgen kommt die nächste Zeile dazu:
Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
So kommt jeden Tag ein Vers dazu und am Ende der Woche haben unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden den ganzen Psalm auswendig gelernt, im Herzen bewegt.
Sie können etwas mitnehmen von der Glaubensgewissheit dieses Psalms, von dem Segen, der trägt: Der Herr behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele. Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit. Und wenn sie einige Formulierungen vergessen? Das ist nicht schlimm. Sie können ja nachlesen. Denn sie haben den uralten Psalm in weniger als zehn Sekunden wieder auf dem Display. Vielleicht gibt es ja doch – den „Segen der Technik“.

Segen der Technik

Andacht auf NRD 1 Niedersachsen Donnerstag, 13.02.14

Als Christine zum Studium nach München geht, ist ihre Oma in Braunschweig sehr traurig. „So weit weg! Da hören wir ja gar nichts mehr von einander!“ „Ach Oma“, sagt Christine, „das ist doch heute kein Thema mehr! Wir skypen!“
Und so ist es gekommen. Jeden Mittwochabend schaltet die Oma ihren PC an, klickt auf ein Programm – und schon sieht sie ihre Enkelin auf dem Bildschirm und kann mit ihr reden, manchmal stundenlang. „Ist schon verrückt“, denkt Christines Oma. „Wir sind uns näher als früher – dabei ist sie so weit weg.“ Ihr Mann schaut ihr nur ab und zu misstrauisch über die Schulter. „Dieser neumodische Kram!“, sagt er: „Das ist nichts mehr für mich.“

„Erfindet euch neu! Eine Liebeserklärung an die vernetzte Generation.“
So heißt ein Buch des französischen Philosophen Michel Serres.
Serres ist 83 Jahre alt und er ist begeistert von den Möglichkeiten, die das Internet den jungen Menschen von heute bietet.
Er nennt die Kinder der vernetzten Generation „Däumlinge.“ Ich habe sofort an das Märchen vom Däumling gedacht, doch Serres meint etwas anderes. Er schreibt: „Voller Bewunderung habe ich gesehen, wie sie, schneller als ich mit meinen steifen Fingern es je könnte, mit ihren beiden Daumen SMS verschicken. Da habe ich sie mit der größten Zuneigung, die ein Großvater zum Ausdruck bringen kann, Däumelinchen und Kleiner Däumling getauft.“

Die jungen Menschen von heute leben in einer ganz anderen Welt als ihre Großeltern. Wissenschaftler sagen: „Der Umbruch, den wir gerade erleben, ist vergleichbar mit der Bronzezeit und der Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg. Und das alles in der unglaublich kurzen Zeitspanne von zwanzig, dreißig Jahren. „Sie werden in einer ganz anderen Welt leben als wir. Und sie werden eine bessere Welt schaffen“, schreibt – oder vielmehr hofft – Michel Serres.

Däumling und Däumelinchen.
Natürlich denke ich da an meine Konfirmandinnen und Konfirmanden.
Wie werden sie in Zukunft leben? Woran werden sie glauben?
Ich bin da nicht so zuversichtlich wie Michel Serres, aber es hilft nichts. Wenn ich mit meinen Konfis im Gespräch bleiben will, wenn ich wissen will, was sie denken und fühlen, dann muss ich mich auf die neuen Medien einlassen. So wie die Oma, die mit ihrer Enkelin einmal rund um den Erdball skypt.
Ich will es mit Paulus halten. Der schreibt in der Bibel: „Prüft alles. Das Gute aber behaltet.“

Gott spielen

Andacht auf NDR 1 Radio Niedersachsen – Mittwoch, 12.02.14 – Gott spielen

Ich habe mit meinen Konfirmandinnen und Konfirmanden eine kleine Phantasiereise gemacht. Dabei müssen alle für einen Moment still sitzen und – wenn möglich – die Augen schließen. Dann beginnt die Phantasiereise:
Stell dir vor, es ist Sonntagnachmittag. Das Wetter ist schön und dir ist langweilig. Du checkst über das Internet kurz, wo alle deine Freunde sind, dann rufst du sie zu einem kleinen Grillen im Park zusammen. Jeder bringt was mit und ihr habt eine Menge Spaß. Nur Melanie nicht. Die sitzt die ganze Zeit nur da. Sie sieht auch ganz verheult aus. Du fragst sie, was los ist. Sie fängt an zu weinen. Sven, ihr Freund, ist in letzter Zeit so komisch. Hat kaum noch Zeit für sie. Du gehst kurz beiseite, ziehst dein Smartphone heraus und überprüfst das mal eben. Tatsächlich! Sven hat sich in den letzten Tagen vier Mal mit dieser Mona aus der Parallelklasse getroffen! Du nimmst ihn sofort beiseite: „Hör zu! Wenn du Melanie verarschst, bist du hier raus, ist das klar?“ Sven senkt sofort schuldbewusst den Kopf und nickt: „Entschuldige! Wird nicht wieder vorkommen!“ Er geht ganz schnell zu Melanie und nimmt sie in den Arm. Die beiden sind wieder glücklich. „Wie schön ist das Leben!“ denkst du, „Ich habe alles im Griff und alle sind glücklich.“

Soweit die kleine Phantasiereise. „Wenn das ginge, das wäre doch super!“ meinen die Konfirmanden. Mit der Vorstellung, Sven zu überwachen und ihn zur Not auch aus der Clique zu schmeißen, haben sie kein Problem. „Wieso? Der hat hoch selber Schuld! Wer sich nichts zu Schulden kommen lässt…“

Ich frage nach: „Wie würdet ihr euch denn in Svens Situation fühlen?“
„Na ja, toll wäre das nicht. Ich würde mich irgendwie gestalkt fühlen“, sagt Hannah. „Aber das geht doch sowieso nicht!“, sagt Ben. „Ist ja alles nur Phantasie.“

„Von wegen!“, sagt Dennis, „das ist überhaupt kein Problem! Das ist technisch schon lange möglich. Wir müssen uns nur alle bei einer `Freunde App` anmelden. Das ist kostenlos. Und schon weiß jeder von uns, was der andere tut!“

Meine Konfis werden nachdenklich.
Wir reden lange über die Frage: Darf man das? Alles über einen anderen wissen? Ihm alles sagen, was er zu tun und zu lassen hat? Dürfen wir — Gott spielen? 

10 Smartphone Gebote

Andacht für NDR 1 Niedersachsen.
Dienstag, 11.02.14 gegen 9.20 Uhr

„Was wirst du dir von deinem Konfirmationsgeld kaufen?“, frage ich Lukas. Ein Lächeln geht über sein Gesicht: „Ganz klar! Ein Smartphone!“
Lukas ist einer der wenigen in unserer Konfirmandengruppe, die noch keins haben. Und er freut sich sehr drauf. „Ist doch toll, wenn man mit seinen Freunden immer Kontakt haben kann“, sagt er. „Sie verabreden sich fast nur noch über WhatsApp und ich bin dann außen vor. Und es gibt so viele tolle Möglichkeiten: Fotos, Videos, Musik. Alles kannst du verschicken!“

Ja, meine Konfis lieben ihre Smartphones. Sie können kaum noch ohne. Aber sie sind nicht naiv im Umgang mit der neuen Technik.
Wir haben im Konfirmandenunterricht lange über ihre Erfahrungen mit dem Internet gesprochen, auch über die schlechten. Sie haben erzählt vom Mobbing im Netz und wie schwer man sich dagegen wehren kann; vom Ärger mit den Eltern, wenn sie nur noch vor dem Gerät hocken und nichts mehr mitkriegen. Einige dürfen ihr Smartphone nicht mit in die Schule nehmen. Das finden sie zwar lästig, aber sie sehen es auch ein – irgendwie.
Wir haben viel geredet, und dann haben meine Konfirmandinnen und Konfirmanden ihre10 Gebote zum Umgang mit Smartphones formuliert.
Hier sind sie:
Du sollst nicht mobben.
Gib nicht zu viel von dir preis.
Du sollst nicht stalken.
Du sollst keine fremden Seiten manipulieren.
Unterscheide öffentliches und privates.
Lass auf Feiern und in Gruppen dein Smartphone aus.
Kenne deine Grenzen
Hab Respekt vor den anderen.
Sei verständnisvoll.
Sei nicht feige, sondern mutig und ehrlich.

Sei nicht feige, sondern mutig und ehrlich. Das ist für mich das schönste ihrer Gebote. Und ich wünsche ihnen, dass sie das immer beherzigen. Nicht nur im Internet, auch sonst im Leben.

Ganz – oder falsch?

„In unserer Sicht der Welt ist jeder schon ganz,
selbst wenn wir ein Problem oder eine Krankheit haben.
Und deshalb sagen wir den Menschen:
Solange Sie atmen, ist mit Ihnen mehr richtig als falsch,
egal, was falsch zu sein scheint.“

Jon Kabat-Zinn, Achtsamkeit für Anfänger, S. 74.

Epiphanias oder die Macht der Gewohnheit

Immer wenn ich an der Auffahrt Rüningen auf die Autobahn fahre, fahre ich Richtung Berlin. In die Innenstadt geht es über die Alte Frankfurter Straße. So einfach ist das.
Heute war ich in Rüningen noch kurz zur Bank. Jetzt will ich schnell über die Autobahn in die Innenstadt. Ich fädele mich ein und fahre – Richtung Berlin. Zehn Minuten Umweg! Ich bin so wütend! Ist ja schließlich nicht das erste Mal, dass mir das passiert!
Die Macht der Gewohnheit: Immer wenn ich in Rüningen auf die Autobahn fahre, fahre ich Richtung Berlin.
Es ist wohl so: Am häufigsten verirre ich mich auf meinen vertrauten Wegen. Ich denke nicht mehr nach und weil diese Wege mir so vertraut sind, glaube ich, dass ich auf ihnen jedes Ziel erreichen kann.
Heute feiern wir Epiphanias, den Tag der Weisen aus dem Morgenland.
Mutige Männer, die neue, unbekannte Wege gehen. Sie folgen einem unbekannten Stern, wollen dem Geheimnis des Lebens auf den Grund gehen. Dafür nehmen die Weisen viel auf sich. Sie ziehen in die Fremde. Sie wissen nicht, was sie erwartet und ob sie ihre Heimat jemals wiedersehen. Rein äußerlich gehen diese Männer ganz neue Wege.
Doch innerlich bleiben sie in ihren alten, vertrauten Mustern. Die Weisen können sich das Neue nur groß vorstellen. Es muss von den Mächtigen und Starken dieser Welt ausgehen. Wie sonst soll sich etwas ändern?
So suchen sie also einen mächtigen König und landen im Palast des Herodes. Doch dort finden sie nur Angst und Furcht vor dem Neuen. Die Weisen müssen weiter, nach Bethlehem, in eine kleine Stadt, zu einem kleinen Kind, arm und wehrlos. Erst da erkennen sie, was wirklich zählt und kehren nach Hause zurück, erfüllt von der Liebe – und auf neuen Wegen.

Heiligabend

Wissen Sie, was mir in diesem Jahr an der Weihnachtsgeschichte besonders wichtig ist?
Niemand gibt kluge Ratschläge!
Zwei Menschen gehen in die Dunkelheit. Getrieben von finsteren Mächten. Ein Akt der Willkür. Sie können sich nicht wehren.
Die ganze Weihnachtsgeschichte atmet Respekt und Achtung vor dem Schicksal dieser beiden Menschen.
Die Hirten kommen und sehen sie in ihrem tiefen Elend.
Doch sie wahren Abstand.
Es fällt kein Satz wie „Jetzt müsst ihr aber…“ oder „Wie konntet ihr nur?“
Die Hirten überschreiten niemals die Grenze, die Menschen beschämt und noch tiefer ins Elend stürzt.
Kein Vorwurf. Kein Ratschlag.
Die Hirten sind einfach nur da, nehmen die Situation an.
Dann kommen die Weisen aus dem Morgenland.
Weitgereiste Männer mit viel Erfahrung und einem reichen Wissensschatz.
Hier schweigen auch sie.
Geheimnis der Heiligen Nacht.

(Auszug aus meiner Heiligabend Predigt)

Ihnen und Euch allen: Frohe Weihnachten!

Kinder, Geschenke und Dankbarkeit

Wir reden über Weihnachten, Kinder und Geschenke.
Frau M. sagt: „Früher waren die Kinder viel dankbarer. Ich weiß noch, wie meine Tochter vor mir stand: mit einem Paar selbstgestrickter Handschuhe in der Hand – und sie strahlte mich an! So was gibt es doch heute gar nicht mehr.“
Ist das so?
Ich will es nicht wahrhaben, aber ja: Das ist so.
Frau B. erzählt von einer Freundin, die bei ihren Enkeln zu Weihnachten eingeladen ist. Sie freut sich sehr auf Heiligabend im Kreis der Familie – bis auf die Bescherung. Das Urenkelkind bekommt von jedem ein Geschenk. Die Erwachsenen stehen mit ihren Päckchen Schlange. Der Kleine reißt eins nach dem anderen begeistert auf – und legt das Geschenk achtlos beiseite. Das nächste wartet ja schon. Und der nächste Erwachsene auch. Will sehen, was der Kleine zu „seinem“ Geschenk sagt.
„Diese Bescherungen sind mir ein Greul!“ sagt die Urgroßmutter, „das Kind kann sich doch gar nicht mehr freuen.“
Kann es schon. Es darf nur nicht. Muss ja auspacken.
Und dann sitzt das Kind eine halbe Stunde später und baut aus all den wunderschönen roten Schleifen von all den Paketen einen Zaun für die Schafe an der Krippe. Hingebungsvoll und mit strahlenden Augen.
Und die Erwachsenen?
Ach die. Die bekommen das gar nicht mit. Ist ja vorbei, der Geschenkemarathon.
Jetzt wird gegessen.

Advent

Advent
In der Tradition ist der Advent auch eine harte Zeit: die kleine Fastenzeit.
Ich habe lange gebraucht, um das zu verstehen.
Dabei ist es so naheliegend:
Zwei Menschen müssen in die Dunkelheit. Gemeinsam und jeder für sich allein. Eine unsinnige Reise. Befohlen von einer fremden Macht.
Ein gefährlicher Weg liegt vor dir.
Was tust du in so einer Situation?
Du hältst inne. Wappnest dich für das, was vor dir liegt.
Du kannst nur mitnehmen, was du tragen kannst. Wähle es sorgfältig aus.
Besinn dich auf deine Kräfte. Besinn dich auf den Mut und die Liebe, die in dir wohnen. Du weißt nicht, ob du das Ziel erreichst. Es hängt nicht nur von dir ab.
Bald geht es los. Du wirst Abschied nehmen von deinen Verwandten und Freunden. Dabei wirst du manche schöne und manche böse Überraschung erleben. Wer ist dein Freund? Wer hat Angst und keine Zeit? Du bist auf dich allein gestellt. Und bist es nicht. Sammle deine Kräfte für den Weg in die Dunkelheit. Oder durch die Dunkelheit? Am Anfang des Weges weiß man das nie.
Es wird keinen Raum geben in der Herberge. Die Gefahren sind groß, die Menschen hartherzig. Du wartest. Fassungslos. Wehrlos. Auf den Fluren der Krankenhäuser. In den Mühlen der Bürokratie.
Sei klug bei jedem Schritt, den du tust. Doch bleib auch offen: Du wirst überrascht sein, wie viel Liebe und Sympathie dir begegnen.
Es ist Raum in der Herberge, im Stall. Und sie sind da: Fremde mit großen, offenen Herzen. Sie können dir nichts abnehmen. Aber sie sind behutsam. Sie achten dich in deiner Angst und in deiner Not. Sie werden dir beistehen. Sie werden deinem Körper Gutes tun und deiner Seele Kraft schenken. Sie werden die besten Kräfte in dir wecken. Sie begleiten dich nur einen Moment. Ganz und gar. Und können dir schenken, was du am nötigsten brauchst:
Hoffnung.
Advent.