Gibt es die Hölle?

Eine Szene im Himmel:

„Und die Hölle?“ fragte ich.
„Was ist damit?“
„Gibt es eine Hölle?“
„Ach nein,“ antwortete sie, „das war nur notwendige Propaganda.“
„Das hat mich nämlich beschäftigt. Weil ich Hitler begegnet bin.“
„Das tun viele. Er ist so eine Art … Touristenattraktion, im Grunde genommen. Wie fanden Sie ihn?“
„Oh, ich habe ihn nicht kennengelernt,“ sagte ich bestimmt. „Er ist ein Mann, dem ich nicht die Hand geben würde. Ich hab ihn hinter einem Gebüsch beobachtet, wie er vorbeigegangen ist.“
„Ach, ja. Ziemlich viele machen es so.“
„Und da habe ich mir gedacht, wenn der hier ist, kann es keine Hölle geben.“
„Ein einleuchtender Schluss.“

aus: Julian Barnes, Eine Geschichte der Welt in 10 1/2 Tagen

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Genie oder Verbundenheit?

Der Musiker und Schriftsteller Thomas Meinecke im Interview mit der SZ von heute auf die Frage, was ihn als Autor antreibt:
„Meine Lust am Sekundären, am Nachgestellten, Nicht-Eigenen, am abhängigen Autorsubjekt.
Das Genie ist eine Männerchimäre, ich glaube nicht daran.
Hat sich eigentlich jemals eine Frau selbst als Genie bezeichnet?“