Predigt am Ewigkeitssonntag
In Franken in der Nähe von Volkach führt mitten durch die Weinberge der sogenannte Bildstockweg.
Bildstöcke sind sehr alte Denkmäler aus Stein, manchmal auch aus Holz.
Mitten in der wunderschönen Landschaft mit Blick auf den Main stehen sie am Wegesrand als Orte der Meditation und des Gebetes für die Weinbauern. Sie laden ein zu einem Moment der Ruhe mitten in der harten Arbeit.
Auf all diesen Bildstöcken sind Szenen aus dem Leiden Jesu dargestellt: die Kreuzigung, die Abnahme vom Kreuz, Maria mit ihrem toten Sohn im Arm.
Diese Bildstöcke erinnern an etwas, das wir allzu schnell vergessen:
Das Leiden gehört zum Leben.
Unser Glaube geht noch weiter: das Leiden gehört zur Geschichte Gottes mit uns Menschen. Es ist kein Webfehler, den wir nur endlich beseitigen müssen, damit sich unser Leben endlich richtig und glücklich anfühlt.
Sicher, es ist unsere Aufgabe als Christinnen und Christen, das Leiden durch Ungerechtigkeit, Lieblosigkeit, Krankheit und Krieg, zu bekämpfen so wie Jesus das getan hat.
Aber wir müssen auch aushalten, ertragen. Wir müssen mitgehen mit denen, die zu tragen haben. Manchmal einfach nur da sein. So heute, am Ewigkeitssonntag, wenn vielen von uns schwer ums Herz wird.
Die Bildstöcke in den Weinbergen erinnern daran.
Auf einem dieser Bildstöcke ist zu sehen, wie Christus sein Kreuz nach Golgatha trägt. Er ist unter der Last gestürzt und stemmt sich gerade wieder hoch, die rechte Hand auf einen Stein gestützt.
Es ist das Lieblingsmotiv der Weinbauern. Sie nennen ihn den Kreuzschlepper. Sie sagen: Er ist wie wir. Muss schleppen.
Der Kreuzschlepper. Ja, er ist ein Bild für das Leben: Wie viele schleppen sich ab mit dem, was ihnen auferlegt ist.
Jesus schleppt sein Kreuz nach Golgatha.
Und ich frage mich: Warum tut er das?
Warum rafft er sich wieder auf? Er weiß doch, was komm! Nichts wird besser! Sie werden ihn ans Kreuz nageln. Er wird unerträgliche Schmerzen leiden und zuletzt ersticken. Das ist die Todesursache bei der Kreuzigung.
Warum schleppst du dein Kreuz weiter?
Warum bleibst du nicht einfach liegen?
Weil du musst.
Du hast keine Wahl.
Du wirst nicht gefragt.
Du musst.
Musst leben.
Musst kämpfen.
Bis zum bitteren Ende.
Wenn wir einen lieben Menschen verlieren, ist es ja nicht anders.
Wir schleppen. Wir schleppen seine Krankheit mit. Wir schleppen, wenn das Alter zur Last wird. Schleppen den Schmerz. Schleppen an der Last der Trauer. Schleppen die Einsamkeit.
Jesus hatte ein reiches, erfülltes, gesegnetes Leben. Er war immer für andere da, wenn er gebraucht wurde.
Und jetzt, in seiner letzten Stunde, findet sich jemand, der tragen hilft.
Ein Fremder, Simon aus Kyrene. Der will gar nicht, sie müssen ihn zwingen.
So geht es uns ja manchmal auch, wenn wir einen Menschen auf seinem letzten Weg begleiten. Wir haben Angst, wir wollen nicht.
Doch unsere Motivation ist nicht wichtig.
Wir müssen. Sind da. Schleppen mit.
Manchmal helfen wir wie Veronica. Sie wischt Jesus mit ihrem Tuch den Schweiß aus dem Gesicht.
Ein kurzer Moment. Eine Geste. Und das Leiden geht weiter. Doch macht das ihr Tun sinnlos?
Der Kreuzschlepper.
Er muss.
Warum?
Was ist der Sinn des Ganzen?
*
Dieser Frage möchte ich mich mit einer Filmfigur nähern:
Forrest Gump.
Er ist der Titelheld des gleichnamigen Films mit Tom Hanks in der Hauptrolle.
Forrest Gump ist fast debil. Er hat einen Intelligenzquotienten von 75. Aber er ist extrem erfolgreich. Was er anfasst, gelingt. Am Ende des Films ist er sehr vermögend. Doch Geld spielt für ihn keine Rolle. Er mäht den Rasen in seiner Heimatgemeinde und ist glücklich und zufrieden.
Jenny, seine Ehefrau, erkrankt schwer. Forrest pflegt sie rührend.
Am Ende des Films steht Forrest an ihrem Grab
Er hat sie an ihrem Lieblingsplatz begraben: unter einer uralten Eiche mit weitem Blick in die Landschaft von Alabama.
Er erzählt von ihrem kleinen Sohn, wie gut er sich macht.
Er weint. Schließlich sagt er: Ich weiß nicht ob Mama Recht hatte, oder ob Leutnant Dan Recht hatte, ich weiß nicht… ob jeder von uns sein Schicksal hat oder nur zufällig dahin treibt wie ein Blatt im Wind. Aber ich denke, es stimmt vielleicht beides. Vielleicht passiert ja beides zur selben Zeit. Du fehlst mir so, Jenny.“
Ich sehe einen neuen Himmel und eine neue Erde.
Ist es das?
Eine Welt, in der ich nicht nur zu den Verstorbenen reden kann, sondern mit ihnen? Eine Welt, in der wir wieder vereint sind?
Eine Welt, in der wir Antworten bekommen auf die Fragen, die uns umtreiben und quälen?
Auf Fragen wie diese: Wer bin ich? Zu was ist mein Leben gut, hat es einen Sinn?
Ist es Schicksal?
Oder bin ich ein Blatt im Wind?
Ein Nanoteilchen im großen Plan der Evolution? Erfülle meine Aufgabe und verschwinde wieder?
Forrest Gump hat keinen großen Verstand. Aber ein großes Herz.
Er beantwortet diese Fragen mit seinem Leben.
Er nimmt das Leben wie ein Blatt im Wind. Bei ihm ist es fast immer ein Aufwind.
Sein Freund legt Forrest Geld an. Irgendwas mit Obst sagt Forrest. Es sind Apple Aktien.
Der Freund schreibt ihm: Um Geld musst du dir nie wieder Sorgen machen.
Prima! denkt Forrest, eine Sorge weniger.
Forrest Gump macht sich scheinbar keine Gedanken.
Doch wenn er gebraucht wird, ist er da.
Er kommt nicht mal auf die Idee, die beste pflegerische Hilfe zu kaufen, die es gibt. Er sitzt selbstverständlich selbst an ihrem Bett. Er ist es auch, der seinen kleinen Sohn an seinem ersten Schultag zum Schulbus bringt.
Weil er muss. Und weil er will.
Schicksal und Blatt im Wind.
Ja, es ist wohl beides gleichzeitig. Da beginnt für mich der neue Himmel und die neue Erde: Mensch sein in guten wie in schlechten Zeiten. Miteinander lachen und weinen. Aufhören, seine Trauer und seinen Schmerz zu verstecken.
*
Jesus schleppt sein Kreuz. Er lebt. Bis zuletzt.
Michael Knobel, der frühere Leiter unseres Hospizes, hat immer gesagt:
Im Hospiz wird nicht gestorben. Sterben ist nur ein kurzer Moment. Im Hospiz wird gelebt. Bis zuletzt.
So ist es auch bei Jesus.
Er lebt. Bis zum Schluss. Er sorgt noch dafür, dass sein Lieblingsjünger in Zukunft für Maria da ist und sie für ihn.
Und er wird wiederkommen. Seine Jünger werden ihn nicht als strahlenden Helden sehen. Sie werden ihn an seinen Wunden erkennen an dem, was das Leben, was das Leiden ihm angetan hat.
Doch alles, sein ganzes Leben, ist aufgehoben in der Liebe Gottes.
Möge er unseren Glauben stärken: den Glauben, dass es die Liebe und das Licht sind, die uns erwarten. Uns und unsere Lieben.
Amen.
Autor: Friedhelm Meiners
Schicksal oder Blatt im Wind?
Ich weiß nicht ob Mama Recht hatte,
oder ob Leutnant Dan Recht hatte,
ich weiß nicht…
ob jeder von uns sein Schicksal hat
oder nur zufällig dahin treibt wie ein Blatt im Wind.
Aber ich denke, es stimmt vielleicht beides.
Vielleicht passiert ja beides zur selben Zeit.
Du fehlst mir so, Jenny.“
Forrest Gump am Grab seiner Frau
Hundert Jahre?
Wort zum Sonntag für die Braunschweiger Zeitung
Hundert Jahre?
Sarah und Abraham, unsere Urgroßeltern im Glauben, sind schon sehr alt, als sie losziehen: in ein neues, unbekanntes Land. Sie lernen eine neue Sprache, leben ein neues Leben. Sie lernen ihren Glauben ganz neu.
Mein Auto ist durch. Hat über 300.000 km auf dem Buckel. Die Reparaturen werden immer teurer. Das ist eigentlich noch keine Leistung sagt ein Freund. Man könnte heute Autos bauen, die hundert Jahre halten.
Autos werden hundert Jahre alt? Wenn das ginge… Würde ich dann jetzt das Auto meines Urgroßvaters fahren? Oder meinen ersten Käfer, Baujahr 1960? Ein schmuckes Teil, keine Frage. Aber mit Heckmotor und einem Kofferraum, der seinen Namen nicht verdiente. Ohne Sicherheitsgurte und mit einer Heizung, die nur an oder aus konnte. Entweder es wurde heiß und stickig im Wagen oder ich musste frieren. Im Winter sind immer mal die Scheiben zugefroren von innen, versteht sich.
Autos, die hundert Jahre alt werden, ohne sich zu verändern? Das ist kein Versprechen. Das ist eine Drohung.
Alt werden ist nur schön, wenn die Dinge sich verändern. Ein Auto hat immer noch vier Räder, ein Lenkrad und zwei Bremsen. Doch die Erfahrung, die Liebe und der Fleiß vieler Ingenieure sind eingeflossen. Ich bin froh, dass mein Auto eine Klimaanlage hat und ein Radio, das nicht nur die Mittelwelle empfängt.
Älter werden ist schön, wenn nicht alles beim Alten bleibt. Nein, ich will nicht hundert Jahre lang derselbe bleiben.
Ich will meinen Erfahrungen trauen. Ich weiß, die Dinge sind im Fluss. Älter werden ist schön, wenn ich dem Leben traue. Wer weiß, wie mein Glaube sich verändert – in dem unbekannten Land, das auf mich wartet.
Pastor Friedhelm Meiners, St. Martini
Irgendwas mit großem L
Wort zum Sonntag für die Braunschweiger Zeitung.
Irgendwas mit großem L
Glaubst du an ein Leben nach dem Tod?
Das fragt die 16jährige Hazel Grace ihren 18jährigen Freund Augustus in dem Roman
Das Schicksal ist ein mieser Verräter
Augustus ist ein kühler Kopf und er überrascht sie mit seiner Antwort: Ja, absolut. Nicht an einen Himmel, wo wir auf Einhörnern herumreiten, Harfe spielen und in einem Schloss aus Wolken leben. Aber trotzdem: ja. Ich glaube an Irgendwas mit großem I. Habe immer daran geglaubt.
Irgendwas mit großem I. Das klingt wie eine Stimme aus dem dem Nebel. Du kannst sie nicht fassen und doch: Sie ist da.
Einhörner, Harfen, Schlösser aus Wolken. Damit kann ich auch nichts anfangen. Aber Irgendwas mit großem I reicht mir auch nicht. Ich brauche Bilder, moderne Bilder:
Hazel Grace hat nächtelang mit ihrem Liebsten telefoniert. Sie sagt: Wir waren dann in einem geheimen überirdischen dritten Raum. Ein Ort, der weder bei ihm noch bei mir war. Ein unsichtbarer Ort.
Diese junge Frau würde das so nie sagen, doch sie glaubt an irgendwas mit großem L.
Sie glaubt an die Liebe.
Die Liebe, die so weh tut, wenn ein Mensch uns für immer verlässt – die uns aber auch in Räume entführt, von denen wir vorher nicht mal ahnen, dass es sie geben könnte.
Der Himmel ist ein Sehnsuchtsort. Ein Ort der Schönheit. Mitten unter uns.
Glaubst du an ein Leben nach dem Tod?
Ja, absolut. Ich glaube an irgendwas mit großem L.
Friedhelm Meiners, Pastor an St. Martini
Leben nach dem Tod?
Ich lese gerade Das Schicksal ist ein mieser Verräter.
Die Liebesgeschichte zweier krebskranker Jugendlicher.
Das Mädchen, Hazel Grace, ist 16 t, Augustus, der Junge, 18 Jahre alt.
Natürlich fragt Hazel Grace ihren Freund irgendwann:
Glaubst du an ein Leben nach dem Tod?
Augustus überrascht sie mit seiner Antwort:
Ja, absolut. Nicht an einen Himmel, wo wir auf Einhörnern herumreiten, Harfe spielen und in einem Schloss aus Wolken leben. Aber trotzdem: ja.
Ich glaube an Irgendwas mit großem I. Habe immer daran geglaubt.
Augustus glaubt an irgendwas. Aber natürlich nicht an das Paradies.
Ich auch nicht. Aber ich glaube auch, dass es weiter geht. Irgendwie.
Was mich stört an den gängigen Bildern vom Paradies?
Es ist dieser perfekte Stillstand: Die ewig gleichen Harfenklänge, alles freut sich, alles lacht. Der ewig gleiche, perfekte, bewegte Stillstand. Das kann es doch nicht sein, oder?
Die Frage der Fragen
Die Frage der Fragen
Gestern haben wir in einem Gottesdienst unsere Wackelzähne aus dem Kindergarten verabschiedet. Sie kommen nach den Sommerferien in die Schule. Wir wünschen Euch, liebe Kinder, Gottes Segen für Euren weiteren Lebensweg! Geht Eure Wege mutig und fröhlich!
Und wir wünschen Ihnen, liebe Eltern, dass Sie Ihre Kinder dabei mutig und mit viel Liebe unterstützen. Das ist nicht immer einfach.
Es gibt so viele falsche Träume: Der Vater, der will, dass sein Sohn so gut Fußball spielt wie Mario Götze. Die Mutter, die ihre Tochter schon auf dem Laufsteg sieht… Kinder werden viel zu oft auf Rollen und Vorbilder festgelegt. Sie jagen Idealen hinterher, die sie niemals erreichen können.
Es dauert dann oft lange, bis sie ihre Gaben erkennen und den Mut finden, ihren eigenen Weg zu gehen.
Darum, liebe Eltern: Verwechseln Sie Liebe nicht mit falschen Träumen. Haben Sie den Mut, Ihre Kinder ihre eigenen Wege gehen zu lassen, auch wenn es weh tut. Erinnern Sie sich immer wieder daran:
Ihre Kleinen sind vor allem eins: Geliebte Kinder Gottes. So gewollt, wie sie sind.
Dabei mag Ihnen diese alte jüdische Weisheit helfen. Martin Buber hat sie aufgeschrieben. Er nennt sie die Frage der Fragen:
Vor dem Ende sprach Rabbi Sussja: In der kommenden Welt wird man mich nicht fragen: Sussja, warum bist du nicht Mose gewesen? Man wird mich auch nicht fragen: Warum bist du nicht David gewesen?
In der kommenden Welt wird man mich fragen: Sussja, warum bist du nicht Sussja gewesen?
Pastor Friedhelm Meiners, St. Martini
(Wort zum Sonntag für die Braunschweiger Zeitung
Ein Gedanke zu Pfingsten
Der französische Anthropologe Philippe Descola sagt, dass die ganze Menschheit ein gemeinsames Unterscheidungssystem verbindet:
das Bewusstsein, dass ich, ebenso wie die anderen Entitäten meiner Umwelt, von einem immateriellen inneren Fluss beseelt bin…
(Philippe Descola, Die Ökologie der anderen, 107)
Wir Christen nennen diesen immateriellen inneren Fluss Geist und verwechseln ihn gern mit dem Verstand.
Doch der ist materiell.
Frohe Pfingsten!
Seufzen
Können Vögel beten?
Wer weiß…
Können Menschen beten?
Paulus scheint das nicht zu glauben. Er spricht vom Seufzen und Stöhnen. Davon, dass wir nicht in der Lage sind, unsere Bitten vernünftig vor Gott zu bringen.
Aber wie sollten wir auch? Sprechen zu dem, der die Welt erschaffen hat. Uns an ihn wenden mit unserem Kleinkram.
Was sollst du beten?
Wie sollst du es in Worte fassen?
Mag sein, dass die Tiere nicht beten jedenfalls nicht bewusst. Aber ist mein Gestammel wirklich besser? Habe ich irgendeinen Grund, mich über sie zu erheben?
Wir leben in einer merkwürdigen Welt. Haben eine seltsame Sicht auf alles, was uns umgibt. Trennen zwischen Mensch und Nichtmensch. Bilden uns was darauf ein.
Dabei ist alles nur ein Stöhnen.
Unaussprechlich. Verworren. Ungeordnet.
Manchmal verstehe ich die Vögel besser als die Menschen. Dann kommen mir solche Gedanken wie von ihrem Klagen und Flehen. Sie teilen mit uns den Atem. Den Atem, den die Bibel den Geist nennt, den Ruach, den Wind. In guten Momenten weiß ich das.
Und in guten Momenten weiß ich auch, dass ich keinen Menschen wirklich verstehe dass ich mir nicht einmal anmaßen sollte, das zu glaube – jemanden zu verstehen; nicht mal mich selbst.
Was treibt mich?
Warum bin ich so wie ich bin?
Oft ist es die Angst, das Seufzen:
Was soll bloß werden?
Das Seufzen. Verworren. Unaussprechlich. Tief aus mir.
Ich bin ein Mensch des Wortes.
Mache mir Sorgen, wenn ich es nicht in Sätze packen kann. Wenn ich nichts zustande bringe außer einem tiefen Seufzer.
Und das, sagt Paulus, ist der Heilige Geist.
Er seufzt. Tief in die dir.
Wie sollte er nicht?
Das Leben ist Leiden. sagt der neugewordene Buddhist ganz stolz. Für ihn eine völlig neue Erkenntnis.
Ach ja?
Was denkst du, warum das Kreuz in der Kirche hängt?
Bruder Vogel. Schwester Buddhistin.
Wir gehören zusammen. Im Seufzen. In der Klage über das, was uns quält. Was wir nicht verstehen.
Gedanken zu Römer 8,26
Sehnsucht
Gebet
Der Gesang der Vögel
an einem Morgen im März.
Es ist kalt. Und dunkel.
Sie singen laut, bedrohlich,
schreien fast:
nach Licht, nach Wärme, nach Leben.
Ihr Gebet wurde erhört.
Die Rosen blühen.
Sie singen anders:
Entspannt, irgendwie.
Die jungen Meisen schwirren durch den Garten.
Sie lernen
Das Fliegen und den Gesang.
Ich glaube…
Mai.
Alles blüht und gedeiht. Einfach so. Es braucht mich nicht. Aber ich darf dabei sein.
Sich selbst nicht so wichtig nehmen. Wird mir immer wichtiger. Irgendwo schwirrt eine kleine Meisen rum. Ich höre sie. Da sitzt sie plötzlich vor mir. Kuckt mich an. Fliegt wieder ab. Spinnweben am Strandkorb. Der Fingerhut fängt an zu blühen. Der Mohn war heutemorgen noch fast geschlossen. Jetzt blüht er in seiner ganzen Pracht. Das braucht mich alles nicht. Aber ich darf dabei sein. Die Sonne auf der Haut spüren. Sehen. Gott meine Augen leihen. Morgenlicht.
Ich glaube an Gott, den Schöpfer…
Über den Glauben reden ist im Mai wie Wasser am Fluss verkaufen.