Autor: Friedhelm Meiners

Taqwacore – oder: Zweifel am Glauben

Michael Muhammed Knight beschreibt in seinem Roman „Taqwacore“ das Leben in einer Kommune islamischer Punks: junge Amerikaner, die versuchen, ihren Glauben zu leben. Eine Szene:

Lynn, eine junge Muslima mit tiefen Zweifeln, sagt zu Yusuf, einem Freund:

„Ich bin ein spiritueller Mensch,
„Ich glaube an Allah, auch wenn ich Ihn nicht immer Allah nenne, und ich bete so, wie ich beten will. Manchmal sehe ich nur rauf zu den Sternen und mir wird ganz bang vor lauter Liebe, weißt du? Und manchmal sitze ich in einer Kirche und höre zu, wie sie über Isa (Jesus) reden, und habe statt des Gesangbuchs ein Buch von Hafiz in der Hand.
Und weißt du was, Yusuf?
Manchmal, nicht sehr oft, hole ich meinen alten Teppich heraus und bete, so wie Mohammed gebetet hat. Ich den Kram nie auf Arabisch gelernt und meine Knie sind nicht bedeckt, aber wenn Allah ein Problem damit hat, an was für einen Allah glauben wir dann?“
„Ich weiß es nicht.“
Michael Muhammed Knight, Taqwacore, S. 52f

PS
Es fällt leicht, der Zweiflerin zuzustimmen. Geht ja um den Islam. Nur: Junge Christinnen haben ähnliche Fragen…

Ostern

Direkt unter dem Nistkasten hängt ein Spiegel.
Und die Meise?
Sie fliegt hektisch hoch und runter, ist völlig irritiert, weiß nicht, was sie von ihrem Spiegelbild halten soll.
Der Eingang zu ihrem Nest liegt direkt vor ihr. Sie schaut kurz rein, kommt wieder raus. Sie kann nicht rein! Muss erst ihren imaginären Feind erst besiegen!

Matthias Claudius dichtet:

„So sind wohl machen Sachen,
die wir getrost belachen,
weil unsere Augen sie nicht sehen.“

– So sind wohl Illusionen,
die immer in uns wohnen,
weil unsere Augen nur sie sehn.

Scheingefechte und Spiegelbilder, die uns kaputt machen.
Wann ist Ostern? Wenn diese Scheingefechte aufhören; wenn wir aufhören uns zu spiegeln in unseren Illusionen, Selbstbildern; dem, was wir für die einzige Wirklichkeit halten. Ja, wenn auch die Zweifel am Ende sind, ein Ende haben.
Bei der Meise ist es einfach. Ich habe den Spiegel umgedreht. Der Feind, der nie da war, ist verschwunden.
Bei mir ist das schon schwerer. Ich kehre immer wieder in mein Spiegelkabinett zurück…

Gesang

Die Amsel
singt am lautesten
kurz vor Sonnenaufgang
und kurz nachdem sie wieder untergegangen ist.

Wenn ich es nicht besser wüsste,
würde ich gern denken:
Sie singt das Licht in die Welt.
Und sie verabschiedet es wieder.

Genieße!

 

P1060962
„Nimm dir Zeit, 
so lange dir welche bleibt.
Ganz egal, wozu du dich entschließt,
wer das Leben genießt, 
der kann kein Versager sein.“

Annett Louisan

Bist du…?

 

Jesus im Mauerpark
„Bist du der König?“
„Du sagst es.“
„Oder bist du nur einfach einer, der unter die Räder gekommen ist, aus der Zeit gefallen? Einer von den vielen?“
„Du sagst es.“

Segelschiffe, Dampfer und das Leben…

„Ein Segelschiff ist dem Leben näher als ein Dampfer: Es reicht nicht zu wissen, wohin du willst, denn das Leben besteht wie der Kurs eines Segelschiffs fast nur aus Umwegen, für die mal Windstille und mal Sturm verantwortlich sind.“
schreibt Carsten Jensen in „Wir Ertrunkenen.“

Bleibt die Frage, ob wir unser Leben nicht immer stärker an das Dampfschiffideal anpassen.
Es muss immer unter Dampf stehen, immer gleichmäßig vor sich her stampfen, muss immer dasselbe Tempo haben, egal, wie das Wetter ist.
Es ist laut, du hörst immer dasselbe Wummern aus dem Bauch des Schiffes.
Und die Richtung soll immer dieselbe sein. Umwege verboten.
Was für ein trostloses Dasein.

Grau

Grau.
Ich habe mit dieser „Färb“e immer negative Assoziationen verbunden. Depressionen, schlechtes Wetter, November. Grau eben. Bis wir in der Gerhard Richter Ausstellung in Berlin waren. Der hat irgendwann angefangen, misslungene Bilder grau zu übermalen. Und ist dabei auf das Geheimnis von Grau gestoßen: Es ist eben nicht immer gleich, ganz im Gegenteil. Grau ist keine Farbe, Grau ist eine Welt. Seit dem schaue ich anders, interessierter, in den verhangenen Himmel. Und fange an, grau zu mögen.

Wort zum Sonntag

Mein Wort zum Sonntag für die Braunschweiger Zeitung:

Sie haben Ihre Stimme verdient.
Kirchenvorstände arbeiten mit viel Liebe, aber geräuschlos. Sie treten kaum öffentlich in Erscheinung. Es ist nicht unbedingt ein Amt, mit dem man sich schmücken kann. Die Parteien spielen gar keine Rolle.
Diesen Sonntag werden die Kirchvorstände in unserer Landeskirche neu gewählt, doch es gab keinen Wahlkampf. Die ganze Sache verläuft so still, dass viele es fast vergessen haben: „Ach ja, morgen ist ja Kirchenvorstandswahl. Na ja, die werden das schon machen.“
Dabei haben unsere Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher Ihre Stimme verdient. Sie leiten ein vielseitiges Unternehmen: Sie kümmern sich um Kindergärten und Friedhöfe, um alte und um junge Menschen, sorgen für die Bewahrung der Tradition und gehen gleichzeitig ganz neue Wege. Sie beraten über die diakonische Arbeit in unseren Gemeinden genau so wie über die Ziegeln auf dem Dach vom Gemeindehaus. Unsere Kirchenvorstände sorgen dafür, dass die Kirche im Dorf bleibt – und in der Stadt. Sie bestimmen über viel Geld und ihre Arbeit ist oft mühsam. Längst nicht alles von dem, was sie säen, geht auf. Kirche ist oft langsam und behäbig. Du kannst an ihr verzweifeln. Sie ist mitten im Umbruch, das macht es auch nicht leichter.
Doch man hört nur selten von Streit und Missgunst, von Verunglimpfung und Richtungskämpfen. Die Dinge werden in Ruhe diskutiert, man hört einander zu und entscheidet gemeinsam. Trotz all der Mühe und Plackerei, es macht Spaß, im Kirchenvorstand mitzuarbeiten. Das mag auch darin liegen, dass unsere Kirchenvorsteher und Kirchenvorsteherinnen dem Gott der Liebe verpflichtet und darum den Menschen nahe sind.
Wenn Sie sich morgen aufmachen und Ihre Stimme abgegeben, zeigen Sie auch Ihre Wertschätzung für Menschen, die sich ehrenamtlich für uns alle engagieren.
Friedhelm Meiners, Pastor an St. Martini

Wenn Religion meine Sprache wär…

Aus einem Interview der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung mit Daniel Radcliffe, dem Harry Potter Darsteller:

FAS:
„Ihr Vater ist ein nordirischer Protestant, ihre Mutter ist jüdisch. Sind Sie religiös?“

Daniel Radcliffe:
„Überhaupt nicht. Meine Mutter ist jüdischer Abstammung, aber sie praktiziert ihren Glauben nicht wirklich. Meine Großmutter lebt noch koscher. Und mein Vater, ich denke, ich denke, meine Eltern glauben beide an Gott, aber ich bin nicht sicher. Wir reden nicht wirklich drüber.“