Autor: Friedhelm Meiners

Pfingsten oder: Tauben und Wellensittiche

Mein Wort zum Sonntag für die Braunschweiger Zeitung.
Frohe Pfingsten!

Von Tauben und Wellensittichen
Auf einem Spaziergang steht plötzlich eine Frau vor mir. Sie streckt mir ihren Arm entgegen und bittet mich freundlich aber bestimmt: „Bitte warten Sie einen Moment!“
Ich halte an. Mitten auf dem Weg steht ein Vogelkäfig. Von außen flattert ein knallgelber Wellensittich verzweifelt gegen die Gitterstäbe. Er findet den Eingang nicht. Irritiert schauen wir zu. Nach einer ganzen Weile hat er es endlich geschafft. Er ist im Käfig!
Gerettet?
Du meine Güte!
Manchmal lebe ich genau so, vermesse nur die Größe meines Käfigs, bin gefangen in den Grenzen meiner Erfahrungen: „Das haben wir schon immer so gemacht!“
Ich verstecke mich hinter den Gitterstäben meiner Vorurteile und Ängste:
„Das darf man nicht!“ „Das klappt doch nie!“
An Pfingsten feiern wir den Heiligen Geist.
Sein Symbol ist die Taube.
Die Taube ist frei. Sie ist ausdauernd, kann unglaublich weite Strecken fliegen. Keiner weiß wie, aber sie findet immer wieder nach Hause zurück. Die Taube gilt als scheu und treu.
Bei der Taufe Jesu erscheint sie am Himmel und es ist eine Stimme zu hören: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“ Ich höre darin eine Verheißung an jeden Menschen, ein Versprechen auf Freiheit und Heimat. „Du kannst loslassen. Verlass den Käfig deiner Ängste und Vorurteile. Folge deiner Bestimmung. Lebe in Freiheit und du wirst dein Ziel erreichen.“
Pfingsten ist das Fest der Freiheit.

Friedhelm Meiners, Pastor an St. Martini

Zuversicht II

Der Dichter Sten Nadolny schreibt:
„Wenn Dir die Zuversicht ausgeht, erfinde sie.“
Der Satz gefällt mir.

*

Als ich das einer Freundin erzähle, sagt sie:
„Weißt du was? Ich bin Profi im Erfinden von Zuversichten.
Aber irgendwann schlägt dir der Selbstbetrug gnadenlos ins Gesicht.“
Ich erschrecke.
Ja, zur Zuversicht gehört Verletzlichkeit.
Sonst verkommt sie zu diesem hemdsärmeligen, gnadenlosen Optimismus, der mich den ganzen Tag anschreit, aus dem Radio, im Fernsehen. Die drehen sogar den Ton höher, damit ich es auch bloß nicht überhöre:
„Wenn es dir schlecht geht, bist du selber schuld! Du musst doch bloß…“
*
Zuversicht.
Ein schönes, altmodisches Wort.
„Sehen“ steckt drin; und „sich auf die Zukunft freuen.“
Zuversicht ist leise.

*

Sie ist Profi im (er)finden von Zuversichten.
Und sie ist verletzlich.
Hoffentlich bleibt sie beides.

*

Heute Morgen im Garten leuchtet der erste Mohn.

Himmelfahrt?

Eine nette Geschichte zum Thema.
Einen schönen Himmelfahrtstag wünscht Euch
Euer Friedhelm

Der Rabbi oder: Die Reise in den Himmel

In einem kleinen Dorf lebte einmal ein Rabbi. Er lebte so, wie es sich für einen Rabbi gehört:
Er las jeden Tag in der Thora, ging jeden Sabbat in die Synagoge und hielt hier und da ein Schwätzchen mit den Dorfbewohnern.
So weit so gut. Alles war in bester Ordnung. Wenn da nicht… Ja, wenn der Rabbi nicht von Zeit zu Zeit verschwunden wäre. Er war dann einfach weg! Für einen ganzen Tag! Er war nicht in seiner Wohnung, auch in der Synagoge war er nicht zu finden. Wie vom Erdboden verschluckt! Für einen ganzen Tag!
Und am nächsten Morgen tauchte er wieder auf – gut erholt und bester Dinge – so, als ob nichts geschehen wäre.
So ging das eine ganze Zeit: Monate, Jahre…
Und je länger das so ging, desto neugieriger wurden die Dorfbewohner. Was machte ihr Rabbi bloß an diesem Tag?
Wo ging er hin?
Aber sie trauten sich auch nicht, ihn zu fragen.
„Nu,“ sagte Menasse eines Tages und lächelte verschmitzt, „wo soll er hingehen? Ins Städtchen wird er gehen, ein bisschen Zerstreuung suchen.“
Da wurden die anderen böse.
„Unser Rabbi? Ins Städtchen?“ rief Sarah, „Das glaubst du doch wohl selber nicht! Wirst am Ende noch behaupten, er trinkt Alkohol und vergnügt sich mit leichten Mädchen!“
„Nu, warum nicht,“ sagte Menasse, „ein Rabbi ist auch nur ein Mensch…“
„Nein! Niemals“ sagte Sarah und die anderen stimmten ihr zu, „unser Rabbi würde das nie tun!“
„Ja wo ist er denn dann?“ fragte Menasse. „Im Wald? Beeren suchen? Im Winter?“
„Das wissen wir auch nicht,“ meinte Jakob, „aber wenn unser Rabbi überhaupt irgendwo hingeht dann… dann in den Himmel! Jawohl!“
„Ja, unser Rabbi geht in den Himmel!“ stimmten die anderen zu und sie waren sehr froh.
„So, so… In den Himmel wird er gehen“ grinste Menasse „und was wird er dort machen, im Himmel?“
„Na, er wird Gott um Rat fragen, wie er den Menschen besser helfen kann. Und wie er die Thora noch besser auslegen kann für uns“ meinte Jakob.
„Ach nein“ sagte Sarah, „ich glaube, unser Rabbi wird im Himmel ein bisschen die Füße hochlegen und sich erholen. Hat ja schließlich genug mit uns zu tun, oder? Wird den himmlischen Chören zuhören und die Zeit genießen.“
„Ja, so wird es sein. Unser Rabbi ist ab und zu im Himmel.“ Stimmen die anderen noch ein mal zu.
Da waren alle Dorfbewohner so froh. Endlich hatten sie eine Erklärung für das Verschwinden ihres Rabbis.
Nur Menasse schüttelte den Kopf, brummte „in den Himmel – was für Kindsköpfe!“ und ging seiner Wege.
Doch die ganze Sache ließ ihm keine Ruhe. Als es mal wieder an der Zeit war, dass der Rabbi verschwinden würde, da hielt er ganz früh am Morgen vor seinem Haus Wache.
Tage lang. Er wollte schon fast aufgeben, denn es war Winter und draußen bitterkalt.
Da, endlich, eines Morgens kommt der Rabbi noch vor Sonnenaufgang aus dem Haus. Und merkwürdig: Er trägt Arbeitskleidung und hat eine Axt in der Hand.
„Was hat der denn vor?“ fragt sich Menasse „na, für den Himmel ist der aber nicht gekleidet. Und heimlich folgt er dem Rabbi.
Nach einer guten Stunde Fußmarsch kommen sie in ein kleines Wäldchen.
Der Rabbi nimmt seine Axt, schlägt einen Baum, macht ihn zu Brennholz Inzwischen ist es schon fast Mittag. Und Menasse versteht gar nichts mehr.
Der Rabbi verschnürt das Holz zu einem großen Bündel, legt es sich auf die Schultern und zieht los – in Richtung Städtchen.
„Also doch“ denkt Menasse und grinst. Vorsichtig folgt er dem Rabbi.
Nach einem langen, mühsamen Marsch kommen sie im Städtchen an.
„Bestimmt geht er ins Wirtshaus. Und bezahlt mit dem Holz“ denkt Menasse.
Doch der Rabbi geht am Wirtshaus vorbei, bis zum Rand des Städtchens zu einem alten, ärmlichen Haus.
Er klopft an.
Menasse hört eine alte, kränkliche Frauenstimme rufen
„Moment! Ich mach gleich auf!“
Nach einer ganzen Weile wird die Tür geöffnet und der Rabbi verschwindet im Haus.
„Das wird ja immer merkwürdiger“ denkt Menasse und er schleicht zum Fenster.
Und er sieht, wie der Rabbi das Bündel Holz ablegt, ein Feuer im Ofen macht, ein paar Worte mit der alten Frau wechselt und dann wieder geht – ohne dass er auch nur einen Pfennig für das Holz bekommen hätte.
Am nächsten Tag fragen ihn die anderen Dorfbewohner: „Nu sag schon! War der Rabbi im Himmel? Und wie ist es da? Was hat er da gemacht?“
„Nein,“ sagt Menasse da und schüttelt beschämt den Kopf.
„Unser Rabbi war nicht im Himmel – er war der Himmel.“

Im Käfig

Beim Joggen steht plötzlich eine Frau auf dem Gehweg und bittet mich, anzuhalten.
Mitten auf dem Weg steht ein Vogelkäfig. Draußen fliegt ein gelber Wellensittig verzweifelt gegen die Käfigstangen.
Er findet den Eingang nicht.
„Ich habe ihn hier schon ein paar Tage rumfliegen sehen“ sagt die Frau. „Lange hätte er nicht mehr durchgehalten.“
Dann, endlich! Der Wellensichtig findet die Tür.
Er ist gerettet.
Im Käfig.

Verantwortung

Ein Auszug aus meiner Konfirmationspredigt:

„Sagen Sie, die Schlange im Paradies, die Adam und Eva überredet hat, den Apfel zu essen – die hat doch eigentlich was Gutes gemacht, oder? Sonst gäbe es uns doch gar nicht.“
Diese Frage hat mir jemand aus eurer Gruppe gestellt. Und ich habe lange über dieses Problem nachgedacht. Und heute will ich meine letzte Chance nutzen, darauf eine Antwort zu geben:
Ja mein Lieber, du hast vollkommen Recht. Die Schlange im Paradies ist nicht Schuld am Elend der Menschen. Auch sie ist ein Geschöpf Gottes, so wie du und ich.
Im Bild vom Paradies spielt sie die Rolle der Verführerin. Aber es ist viel zu billig auf andere zu zeigen und zu sagen: „Die da, die hat mich verführt, die hat mein Leben vergiftet!“
Jeder und jede ist für sich selbst verantwortlich. Dass dir jemand etwas Schlechtes anbietet, ist das eine – ob du darauf eingehst, das liegt allein bei dir. Verantwortung übernehmen für das, was ich tue gehört auch zum Geschenk des erwachsen Werdens.

Ich selbst?

nun sag schon
der da stromert das bin doch nicht ich
ganz anders hab ich mich
in erinnerung selbst es muss
da mal aufgeräumt werden
und durch das ganze
geht ein strich.

aus: Michael Lentz, anschauen, ein ausland
zitiert nach Michael Lentz Textleben S. 101

Vollmacht und Zweifel

meine Predigt für morgen:

Vollmacht und Zweifel

Quasimodogeniti
St. Martini, den 15. April 2012

Jesus kommt zu den Seinen.
Als die Türen verschlossen sind.
Als Furcht herrscht vor der Bosheit der Welt.
Als keiner von ihnen weiß, wie es weitergehen soll.
Jesus kommt zu seinen Jüngern, als keiner damit rechnet – und keiner von ihnen etwas dafür tut. Denn: keiner von ihnen wäre auch nur auf die Idee gekommen, die Tür zu öffnen. Die Angst war viel zu groß.
Also: Dies ist kein Appell, endlich die Türen aufzureißen, endlich Luft rein zu lassen in unser Leben, endlich aktiv zu werden.
Wir machen das ja zu gern mit Menschen, die in einer Krise sind, die nicht weiter wissen: Wir versuchen sie wach zu rütteln, wir sagen ihnen: „Mach die Tür auf, stell dich der Welt! Überwinde deine Angst!“
Beim Auferstandenen ist das nicht so.
Er erscheint in verschlossenen Räumen; mitten in der Angst, die lähmt und das Leben verdunkelt.
„Friede sei mit euch!“ Das sind seine Worte, als er mitten unter sie tritt. Christus schenkt seinen Frieden. Mitten in Angst und Verzweiflung. Und seine Jünger erkennen ihn an den Wundmahlen; an den Zeichen von Schmerz, Leiden und Tod.
Da werden sie froh.
Christ sein, das heißt seit dem: Hinschauen auf die Wunden und Leiden diese Welt; hinschauen und wissen: hier finde ich Gott. Er ist bei den Verkrümmten, bei den Leidenden, bei denen, die nicht mehr weiter wissen.
Er ist auch bei mir, wenn ich nicht mehr weiter weiß.
Ich erkenne ihn an den Wunden dieser Welt; auch an meinen eigenen.
Er schenkt mir seinen Frieden, der höher ist als alle Vernunft.
Christus bläst seine Jünger an. Er haucht ihnen Leben ein; so wie Gott Adam, dem ersten Menschen, das Leben eingehaucht hat. Liebe Gemeinde, ob wir es wissen oder nicht: Der Auferstandene ist bei uns; in jedem Atemzug, in Windhauch, den wir auf unserer Haut spüren; seine Kraft kann all unsere Grenzen sprengen, so wie die Luft zum Atmen.
„Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch!“
Er sendet sie mitten ins Leben. Und das wird kein Spaziergang. Denn in diesem Leben werden sie aus seiner Stärke und aus seiner Liebe leben; sie werden aber auch Wunden davon tragen, so wie er.
Und er schenkt den Seinen die Vollmacht, Sünden zu erlassen und zu behalten.
Sünden vergeben; uns scheint das gar nicht so wichtig; vielleicht, weil wir eine etwas naive Vorstellung von „der Sünde“ haben.
Jemandem die Sünden behalten, das heißt: Ich halte dich fest im Gestern. Ich gebe dir keine Chance, keine Zukunft mehr.
Du bist und du bleibst das, was du getan und nicht getan, was du gefühlt und gedacht hast.
Jedem Strafgefangenen werden seine Sünden behalten. Er wird in ihnen festgehalten, im wahrsten Sinne des Wortes. Oft über viele Jahre.
Jeder, der sich nicht von seiner Vergangenheit lösen kann, wird in ihr festgehalten, kann kein neues Leben entwickeln; die Jünger können das übrigens auch nicht; die Türen sind fest verschlossen.
Österlicher Glaube heißt: dir ist vergeben! Du kannst den Raum deiner Vergangenheit verlassen!
Wir erkennen die Wundmahle; wir erkennen dich selbst; aber du bist doch wie ein neugeborenes Kind; auferstanden aus den Fesseln deiner Vergangenheit.
Wir Christen, wir Jüngerinnen und Jünger Jesu, wir Getauften können Menschen ein neues Leben schenken; wir können sie aus dem Gefängnis ihrer Vergangenheit entlassen.
Das ist das größte und schönste Geschenk, das Christus uns an Ostern gemacht hat.
*
„Halt!
Moment!
Was ich nicht mit meinen eigenen Augen sehe, was ich nicht mit meinen Händen fühle, das kann ich nicht glauben!“
Thomas, der große Zweifler, war nicht dabei, als Jesus seinen Jüngern das erste Mal erschien.
Und was er nicht sieht, das kann er nicht glauben. Ein Bericht aus zweiter Hand ist ihm zu wenig.
Thomas ist der Jünger der Neuzeit.
Seine Art zu denken hat dieser Welt einen unglaublichen Schub gegeben.
Menschen, wie er, Menschen, die nichts einfach so hinnehmen, die nichts einfach so glauben, die alles hinterfragen, die hinter die Kulissen schauen. Sie haben die Welt voran gebracht.
Die Medizin hat in den letzten hundert Jahren eine unglaubliche Entwicklung genommen; wir leben länger und wir leben besser seit wir etwas wissen über die Entstehung von Krankheiten und über ihre Bekämpfung.
Hier sind Menschen wie Thomas der Zweifler am Werk; und ich will gar nicht reden von unserem Alltag: von Autos und Handies, von Maschinen, die uns das Leben erleichtern, vom Internet, vom Fernseher –
Nun gut, beim Fernseher schlägt das Ganze um: Beim Fernseher glauben die Menschen alles, was sie sehen; es kann der größte Schwachsinn sein, aber es war ja im Fernsehen.
Thomas, der Zweifler, ist der erfolgreichste unter den Jüngern.
Er ist erfolgreich, aber nicht selig.
Was fehlt ihm?
Wir merken die Grenzen seiner Art zu denken und zu leben ja auch in unserem Alltag, in unserer Gesellschaft.
Wir sind unglaublich erfolgreich. Noch nie hat es eine Zivilisation zu so einem Reichtum, zu so einer Blüte gebracht. Aber wir sind nicht glücklich – nicht selig.
Was fehlt uns?
Der Jünger Thomas, der erste unter den christlichen Zweiflern, ist misstrauisch; und das aus gutem Grund: Er kennt die Menschen; er kennt auch seine Freunde; er weiß, wie schnell sie sich selbst etwas in die Tasche lügen, nur um ihren Kummer und ihren Schmerz zu überwinden.
Darum will er sehen und fühlen.
Er braucht die Wahrheit des Glaubens ganz handfest.
Und Christus verweigert ihm das nicht.
Doch als er sieht und als er fühlt, da fällt er in die Knie: „Mein Herr und mein Gott!“
Thomas überwindet sein Misstrauen. Und das unterscheidet ihn von uns, von den Zweiflern der Moderne.
Der moderne Zweifler bleibt in seinem Misstrauen verhaftet.
Er sieht – und er sieht doch nicht.
Der moderne Zweifler sieht das Wunder des Lebens – er sieht, wie unglaublich komplex und kompliziert es ist. Er sieht das Wunder und erklärt es als Phänomen.
Er sagt nicht „Mein Herr und mein Gott“, er sagt: „Ist schon phänomenal, wie das alles funktioniert!“
Biblisch gesprochen: Die Augen des modernen Zweiflers sind gehalten. Er erkennt wohl das Geheimnis des Lebens, er sieht aber nicht den, der dahinter steht.
Der Jünger Thomas überwindet seine Zweifel aus zwei Gründen:
Er erkennt Gott im Leiden – in dem, der gelitten hat. Das ist eine ganz andere Perspektive als die moderne Suche nach einem göttlichen Leben jenseits allen Leidens.
Und: Er erkennt, dass Christus den Tod überwunden hat. Es gibt keine wirkliche Grenze mehr zwischen Gott und den Menschen.
Das kann er nicht sehen; das kann er nur glauben.
Amen.

Ich glaube…

Wie formulieren junge Menschen ihren Glauben?
Formulieren sie ihn überhaupt?
Es wird ihnen ja gern unterstellt, dass sie sich darüber keine Gedanken machen. Das Gegenteil ist der Fall.
Ich hatte in den letzten Wochen einige Gespräche Jugendlichen, die mir sehr nachgehen. Dabei ging es um den Glauben, nur um den Glauben.
Ich habe zum Beispiel gefragt:
„Betest du?“
„Ja, sicher. Als meine Oma krank war, da hab ich viel gebetet. Jetzt nicht mehr so.“
„Glaubst du an Gott?“
„Ja schon. Aber nicht so… Ich weiß nicht. Na ja, nicht an einen Vater oder so.
Für mich ist das eher so eine Energie, die alles gemacht hat und alles lenkt.“
„Was meinst, geht es nach dem Tod irgendwie weiter?“
„Ganz bestimmt. Ich stelle mir das so vor wie: Man geht in einen anderen Raum. Wie das genau ist, weiß ich aber nicht.“
O ja, unsere Jugendlichen haben sehr klare Vorstellungen. Sie decken sich nicht unbedingt mit dem, was wir so denken und fühlen.
Oder doch?
Wir sollten viel mehr mit ihnen darüber reden.